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Wiener Grüne: Ein Linksruck geht immer

Wiener Grüne: Ein Linksruck geht immer
(c) Die Presse (Michaela Bruckberger)

Wiens Grüne gelten nicht erst seit dem vehementen Protest gegen Schwarz-Grün 2002 als prononciert links. Daran dürfte sich nicht viel ändern.

Politiker kommen und gehen, die Basis bleibt. Am Sonntag werden die Wiener Grünen im schmucken Austria Center eine ihrer legendären Landesversammlungen abhalten, bei denen das liebste Spiel der Basis geboten wird: Kandidatenlisten erstellen, im Konkreten für die Wien-Wahl 2010. Die bei vergleichbaren Landes- und Bundesversammlungen zugefügten Niederlagen sind Legion, auch diesmal dürfte wieder der eine oder andere Prominente einen Korb der Basis bekommen. Die ist diesmal besonders unberechenbar, zur Abstimmung sind nicht nur 1500 Mitglieder – die sonntags gerne später kommen – zugelassen, sondern auch 450 „Unterstützer“. Die hatten durch großzügige Statuten via Internet für neue Kandidaten statt des alten Funktionärswesens mobil gemacht. Insgesamt bewerben sich Kandidaten um 36 Listenplätze – bei der vergangenen Wahl schafften die Grünen nur 14 Mandate. Auf Platz eins kandidiert Klubchefin Maria Vassilakou, hinter ihr der nichtamtsführende Stadtrat David Ellensohn, dann folgt das erste harte Match: Planungssprecherin Sabine Gretner tritt unter anderem gegen Urgestein Monika Vana an. Danach drängen Quereinsteiger nach, bangen müssen möglicherweise Christoph Chorherr – nicht zum ersten Mal – und etwa Martin Margulies.

Während die ersten vier Plätze einzeln gewählt werden, wird danach in Blöcken zu je vier Plätzen gestimmt. Die Kandidaten können bestimmen, ab welchem Platz oder für welchen Block sie kandidieren wollen. Ab dem vierten Platz tritt Regisseur Peter Kern an, der Kulturstadtrat werden will und zuletzt mit dem provokanten Film „Blutsfreundschaft“ für Aufsehen gesorgt hat. Nach ihm steht einer auf die Liste, der Globalisierungsgegner anspricht und – zumindest an der Oberfläche – weiter links als viele Gemeinderäte steht: Klaus Werner-Lobo, bekannt durch das „Schwarzbuch Markenfirmen“. Wiens Grüne gelten nicht erst seit dem vehementen Protest gegen Schwarz-Grün 2002 als prononciert links. Daran dürfte sich nicht viel ändern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.11.2009)