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Polizisten wehren sich gegen Österreich-"Tatort"

Julia Franz Richter und Simon Hatzl in "Wehrlos"
Julia Franz Richter und Simon Hatzl in "Wehrlos"(c) ORF (Hubert Mican)
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In der Folge "Wehrlos" ermittelten Moritz Eisner und Bibi Fellner in einer Wiener Polizeiakademie. Die christliche Polizeigewerkschaft ist von der Darstellung entsetzt: In anderen Ländern würde die Polizei "niemals auf solche diffamierende Art dargestellt".

Sein 40. „Tatort“-Fall führte Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und seine Kollegin Bibi Fellner (Adele Neuhauser) am 23. April in die Abgründe im Polizeimilieu - ohne dabei „billiges Polizei-Bashing zu machen“. Das meinte zumindest Krassnitzer im Vorfeld der Ausstrahlung. Bei der Polizei selbst ist das anders angekommen: Die Polizeigewerkschaft Fraktion Christlicher Gewerkschafter hat sich in einem Brief an ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz gegen die Darstellung ihres Berufsstands gewehrt.

Er sei von vielen Kollegen auf die Folge angesprochen worden, schreibt der Vorsitzende der Gewerkschaft, Reinhard Zimmermann, in dem Schreiben, über das zuerst der „Kurier“ berichtete und das auch der „Presse“ vorliegt. „Fernab von jeder Realität wurde dabei ein Bild der Polizei in Österreich dargestellt, dass es schlicht und einfach nicht gibt“, schreibt der Gewerkschafter. „Ich weiß nicht, welchen Zweck man im ORF damit verfolgt, stellte aber durch meine Recherchen fest, dass der 'Tatort' in anderen Ländern niemals auf solche die Polizei diffamierende Art dargestellt wurde.“

Dass man glaube, damit dem Bildungsauftrag nachzukommen, findet Zimmermann unverständlich. Er rät dem ORF-Chef: „Drehen sie doch einmal einen 'Tatort' über den Bereich ihres ORF, dann würden sich vermutlich ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter 'bedanken'“.

Redaktion wehrt sich gegen Vorwurf

Die Redaktion des „Tatort“ wehrt sich gegen den Vorwurf: die Krimireihe sei „natürlich keine detailgetreue Wiedergabe der Polizeirealität, sondern fiktionales Programm, in dem zwar immer wieder aktuelle gesellschaftliche Fragen behandelt werden, aber eben ohne dokumentarischen Authentizitätsanspruch. Der Anspruch eines Fernsehfilms oder einer Serie liege stattdessen mehr in der dramaturgischen Bearbeitung eines persönlichen oder gesellschaftlichen Konflikts. Genauso sei auch der Fall „Wehrlos“ vom 23.4. einzuordnen, heißt es in einer Stellungnahme.

Die Redaktion verweist auf die Themenvielfalt der jüngeren österreichischen „Tatort“-Folgen – von Pharmaunternehmen, Geheimdiensten, Religionsgemeinschaften bis hin zu Sekten. Auch der Fernsehbranche sei am Beispiel von Castingshows im Tatort „Sternschnuppe“ gewidmet gewesen. „Wie zu sehen ist, ist Kritik also keine Einbahn“, schreibt die Redaktion.

„In keinem ORF-Tatort wurde jemals ein Gesellschaftsbereich pauschal kritisiert“, heißt es. In der Folge „Wehrlos“ sei kein Bild „der Polizei“ schlechthin dargestellt, sondern mit den Mitteln der Filmdramaturgie herausgearbeitet worden, inwiefern einzelne Individuen zu Tätern innerhalb einer Institution werden können: „Das ist ein signifikanter Unterschied, zielt er in der Darstellung doch auf persönliche Entscheidungen und individuelle Verantwortung der beteiligten Personen ab.“

„Polizisten bringen Wahrheit ans Licht“

Die Redaktion verweist zudem auf die vielfältige, auch positive Darstellung von Polizeiarbeit im Krimigenre, von der „Soko“-Reihe über „Schnell ermittelt“, „CopStories“ und auch den „Tatort“: „Polizistinnen und Polizisten sind in diesen Geschichten letztlich immer diejenigen, welche die Wahrheit ans Licht bringen, Unrecht zur Verantwortung ziehen und für Ordnung sorgen“, heißt es in der Stellungnahme. „In diesem zentralen Punkt muss das Bild des Polizeiberufs ja sicher nicht zurecht gerückt werden.“

Der Fall

Unter dem Titel "Wehrlos" führt der jüngste Fall den mittlerweile längstgedienten österreichischen "Tatort"-Ermittler in Abgründe im Polizeimilieu. Seinen Ausgang nimmt der Fall bei einem Ehedrama im Haus des Leiters der Wiener Polizeiakademie. Schnell führt die Spur auch in Richtung der Ausbildungsstätte, das sich als frauen- und menschenverachtendes System entpuppt.

(Red.)