Moskau will Sanktionen aufheben

Die Beziehungen sind jetzt offiziell wieder normal: Der russische Präsident Putin (l.) und sein türkischer Amtskollege Erdo˘gan.
Die Beziehungen sind jetzt offiziell wieder normal: Der russische Präsident Putin (l.) und sein türkischer Amtskollege Erdo˘gan.(c) APA/AFP/POOL/YURI KOCHETKOV (YURI KOCHETKOV)
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Erdoğan nahm bei seinem Besuch in Sotschi Putin das Versprechen ab, die Embargos zu lockern. Beide wollen Sicherheitszonen in Syrien installieren.

Wien/Sotschi. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel war schon da, und nun hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan seinen russischen Amtskollegen Wladimir Putin in dessen Sommerresidenz in Sotschi besucht. Der Empfang von Erdoğan ist wärmer ausgefallen als jener von Merkel, aber friktionsfrei ist die Beziehung zwischen den beiden Männern auch nicht. Das Hauptthema an der russischen Schwarzmeerküste war das Bürgerkriegsland Syrien, und hier haben Erdoğan und Putin recht unterschiedliche Vorstellungen von einer möglichen Lösung.

Putin wirbt für vier Pufferzonen in Syrien, die von türkischen, iranischen und russischen Truppen überwacht werden sollen. Die Begeisterung der syrischen Opposition hält sich ob dieser Pläne in Grenzen. Aber bei den von Moskau initiierten Friedensgesprächen im kasachischen Astana wollen die Teilnehmer ab dem heutigen Donnerstag die Sicherheitszonen debattieren, und kurz vor Erdoğans Besuch in Sotschi hat Putin mit US-Präsident Donald Trump über dieses Thema telefonisch konferiert. Ein „sehr gutes“ Gespräch sei das gewesen, verlautbarte das Weiße Haus anschließend. Erdoğan unterstützt die Idee von Pufferzonen, wie er am Mittwoch bekräftigte.

Beziehungen wieder normal

Moskau steht in Syrien hinter Machthaber Bashar al-Assad und dem Iran, während die Türkei die Opposition unterstützt. Der Umgang mit den Kurden ist ebenfalls heikel: Ankara will deren Ausdehnung an der syrisch-türkischen Grenze um jeden Preis verhindern, während Moskau Kontakte zu kurdischen Truppen hält.

Schon im vergangenen Jahr haben Russland und die Türkei eine Waffenruhe für Syrien ausverhandelt, die aber kaum wirkt und auch Kriegsverbrechen nicht verhindert hat. „Wir müssen solche Mechanismen finden, die ein Ende des Blutvergießens garantieren“, sagt Putin nun zu den neuen Plänen. Was die bilateralen Beziehungen betrifft, scheint Ankara und Moskau derzeit nichts aufhalten zu können. Nach dem Abschuss eines russischen Jets an der syrisch-türkischen Grenze im November 2015 herrschte Eiszeit zwischen den Ländern, aber seit dem Putschversuch vergangenen Juli gibt man sich betont freundschaftlich.

Die von Russland verhängten Sanktionen waren äußerst schmerzhaft für die Türkei, das dürfte sich in Sotschi nun erledigt haben. Putin hat die Lockerung des Embargos für türkische Agrargüter in Aussicht gestellt, lediglich türkische Tomaten sollen nicht eingeführt werden dürfen.

Russische Landwirte hatten sich zuvor über die günstigeren Produkte aus der Türkei beklagt. Moskau will daher die Entwicklung des eigenen Agrarsektors fördern. Der Prozess der Normalisierung der bilateralen Beziehungen sei jedenfalls abgeschlossen, versicherte Putin. (red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.05.2017)

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