Die 10.000 Gläubiger der Quelle haben Forderungen in der Gesamthöhe von 1,7 Milliarden Euro. Sie werden noch Jahre lang auf ihr Geld warten müssen. Heute haben sie das Aus für Quelle besiegelt
Das Aus des einst größten europäischen Versandhändlers Quelle steht fest. Nachdem Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg bereits vor drei Wochen die Investorensuche für beendet erklärt hatte, verzichteten die Gläubiger nach mehrstündiger Diskussion am Mittwoch in Essen schließlich auf eine Abstimmung über die Zukunft des Traditionsunternehmens. Ein Antrag auf eine Quelle- Fortführung wurde nicht mehr gestellt.
Bereits am Montag hatten die Gläubigerversammlung das Aus für die Quelle-Dachgesellschaft Arcandor besiegelt. Für die zweite Arcandor-Handelstochter Karstadt soll dagegen ein Investor gefunden werden. Am Dienstag hatte die Gläubigerversammlung dazu mit großer Mehrheit ihre Zustimmung gegeben.
"Wenn die Investoren absagen, muss man das zur Kenntnis nehmen", sagte Rechtsanwalt Hans-Gerd Jauch in der erneut mit nur wenigen Gläubigern besetzten Essener Grugahalle. Als Partner von Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg war Jauch in die erfolglose Investorensuche eingebunden.
Den rund 10.000 Quelle-Gläubigern, die insgesamt Forderungen von 1,6 Milliarden Euro angemeldet haben, machte der Insolvenzverwalter ebenso wie bei den anderen Arcandor-Gesellschaften nur wenig Hoffnung. Allenfalls im Bereich von etwa einem Prozent seien Zahlungen zu erwarten. Es könnte Jahre dauern, bis das restliche Vermögen verwertet sei.
Das Scheitern der Investorensuche war der Startschuss für den Ausverkauf der noch vorhandenen Quelle-Lagerbestände, der einen wahren Kundenansturm in den vergangenen Wochen auslöste. Am kommenden Wochenende werde mit der einmillionsten Bestellung gerechnet, sagte ein Sprecher des Insolvenzverwalters. Derzeit sei noch unklar, wie lange der Ausverkauf noch fortgesetzt werde.
Bis zu 1.300 Quelle-Beschäftigte sind nach Angaben des Insolvenzverwalters derzeit noch mit dem Ausverkauf beschäftigt. Bei der Insolvenzanmeldung am 9. Juni waren es noch 3.400 Quelle- Beschäftigte. 2000 Beschäftigte hatten schon Ende Oktober ihre Kündigung erhalten.
Von zunächst etwa 30 Interessenten hätten schließlich vier Investoren ein nicht verbindliches Angebot abgegeben, berichtete Jauch. Zu einem endgültigen Einstieg sei schließlich jedoch niemand bereit gewesen. Hintergrund der Absagen seien etwa ungeklärte Probleme mit der Vor-Finanzierung des Quelle-Versandhandelsgeschäfts gewesen. Schließlich sei auch der Zeitpunkt für die Herausgabe der für das laufende Geschäft notwendigen Bestellungen überschritten gewesen.
Hintergrund seien auch die hohen Umtauschquoten im Versandhandel von bis zu 40 Prozent gewesen. Bei Textilien insgesamt werde sogar jedes zweite Teil umgetauscht, speziell bei Jeans seien es sogar bis zu 70 Prozent.
"Ohne Investor hatte das Unternehmen keine Perspektive", rechtfertigte Rechtsanwalt Helmut Balthasar aus dem Görg-Team die Liquidation von Quelle. Die Entscheidung sei "zwingend" gewesen. "Es hatte keinen Sinn das Unternehmen bis zur Gläubigerversammlung weiterzuführen", sagte er.
Die Betriebsratsvorsitzende der Quelle Zentrale, Beate Ulanska, kritisierte dagegen die schließlich abgebrochene Investorensuche als "intransparent". Die Beschäftigten seien nicht ausreichend in den Prozess eingebunden worden. Man habe keine Chance zu Gesprächen mit möglichen Investoren gehabt.
Der dem Unternehmen vom Bund und den Ländern Bayern und Sachen gewährte Massekredit in Höhe von 50 Millionen Euro liege dagegen auf ein Sonderkonto, sagte Jauch. Das Geld sei als zusätzliche Sicherheit für das schließlich gescheiterte Factoring (Vorfinanzierung) durch die Banken gedacht gewesen. Zu einer möglichen Rückzahlung des Geldes machte Jauch jedoch keine Angaben.
Zu den insgesamt 37 Gläubigerversammlungen, die die Arcandor- Gruppe betreffen, haben mehr als 50 000 Gläubiger Forderungen von rund 19 Milliarden Euro angemeldet. Die Versammlungen sollen in kleinerem Rahmen in der nächsten Woche fortgesetzt werden.