A4-Flüchtlingsdrama: Anklage wegen Mordes gegen elf Schlepper

Symbolbild Flüchtlingslager Ungarn.
Symbolbild Flüchtlingslager Ungarn.(c) imago/EST&OST (imago stock&people)

71 Flüchtlinge sind 2015 in einem Lkw erstickt. Prozess soll im Juni beginnen.

Kecskemét. Fast zwei Jahre nach dem Flüchtlingsdrama auf der A4-Ostautobahn im Burgenland mit 71 Toten wird gegen elf Schlepper Anklage erhoben. Das gab der Chefankläger der Oberstaatsanwaltschaft des ungarischen Komitats Bács-Kiskun, Laszlo Nanasi, am Donnerstag in Kecskemét bekannt. Die Männer aus Afghanistan, Bulgarien und dem Libanon müssen sich wegen des Verbrechens des „qualifizierten Mordes“ und der Schlepperei im Rahmen einer kriminellen Vereinigung vor Gericht verantworten. Prozessbeginn ist voraussichtlich im Juni.

Neun Beschuldigte sitzen in Untersuchungshaft, zwei weitere sind noch auf der Flucht. Gegen sie wurde in Abwesenheit Anklage erhoben. Die Tragödie hat sich am 27. August 2015 ereignet. Die 71 Flüchtlinge erstickten in einem Kühllaster. Die ungarische Justiz ist zuständig, weil die Opfer noch auf ungarischem Staatsgebiet gestorben sind.

Die Staatsanwaltschaft beantragte für vier Angeklagte eine lebenslange Haftstrafe, gegen die anderen eine befristete Gefängnisstrafe und die Abschiebung aus Ungarn. Der Prozess wird am Gerichtshof Kecskemét stattfinden. (APA/red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.05.2017)