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Robert Menasse: Es ist mehr zu tun, als zu mahnen!

Es war der Nationalismus, der Europa zerstört und zu den größten Verbrechen geführt hat. Ebensee.
Es war der Nationalismus, der Europa zerstört und zu den größten Verbrechen geführt hat. Ebensee.(c) APA (Reinhard Hoermadinger)
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Nie wieder! Wehret den Anfängen! Niemals vergessen! Mit diesen Sonntagsreden können wir zwar die Sonntage beherrschen, aber nicht die Realpolitik von Montag bis Freitag. Wider den neuen Nationalismus: Rede an der KZ-Gedenkstätte Ebensee zum Jahrestag der Befreiung.

Die Jahrestage der Befreiung der nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslager sind Freudentage und zugleich Gedenktage. Ich habe allerdings den Eindruck, dass sich seit einigen Jahren immer größere Sorgen in die Freude mischen und immer mehr Bedenken in das Gedenken. Es finden beängstigende Entwicklungen statt, die in manchen Symptomen an Zeiten gemahnen, die doch seit mehr als 70 Jahren durch den Schwur „Nie wieder!“ gebannt sein sollten.

Offenbar war das „Nie wieder!“ zu abstrakt, um zu verhindern, dass ganz konkret eine Ideologie wieder auflebt, die Europa schon einmal in Schutt und Asche gelegt und Millionen Opfer gefordert hat, nämlich der Nationalismus als politisches Heilsversprechen. Wir erleben seit einigen Jahren, dass politische Parteien und Strömungen immer stärker werden, die den politischen Konsens der Nachkriegszeit und das europäische Friedens- und Einigungsprojekt infrage stellen und mit nationalistischen Parolen Stimmung machen und Stimmen sammeln. Wir wissen, dass diese politischen Bewegungen scheitern werden. Wir wissen das,weil wir die historische Erfahrung haben. Sie sind schon einmal gescheitert und besiegt worden. Und wir wissen es, weil wir nicht gestrig sind, sondern Zeitgenossen, die ihre Lebenswelt und die Zukunft, das heißt heute:die globalisierte Welt, gestalten wollen.