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Overclocking: Computerbastler im Geschwindigkeitsrausch

(c) DiTech GmbH (Ludwig Schedl)
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Bei der Langen Nacht der Forschung lieferten sich acht Teams einen Wettkampf im Computer-Tuning.

Er ist der Schrecken jedes Computernutzers: der blaue Bildschirm. Wenn er auftaucht, dann ist der Rechner gerade dabei, sein Leben auszuhauchen. Im besten Falle gehen nur ein paar ungespeicherte Daten verloren, im schlimmsten lässt er sich überhaupt nicht mehr hochfahren. Eine eingeschworene Gemeinde von Computerfreaks fühlt sich dort aber durchaus zu Hause.

 

Weltrekordversuch

Sie nennen sich „Overclockers“ und investieren fast ihre gesamte Freizeit in ein Ziel: ihre Rechner bis an die äußersten Grenzen der physikalischen Leistungsfähigkeit zu treiben. Entstanden aus dem verständlichen Bedürfnis, aus seinem Gerät ein Maximum an Leistung herauszuholen, hat sich daraus mittlerweile ein Sport mit ausgesprochenem Wettkampfcharakter entwickelt. Weltweit wetteifern die Teams miteinander, immer neue Geschwindigkeitsrekorde aufzustellen.

Hautnah bei der Arbeit beobachten konnte man die Bastler am vergangenen Samstag bei der „1.Internationalen Overclocking-Meisterschaft“, die der Computerfachmarkt DiTech gemeinsam mit der österreichischen Overclockers-Community rund um Matthias Zronek veranstaltet hat. Im Rahmen der „Langen Nacht der Forschung“ traten im DiTech-Zelt im Arkadenhof der Universität Wien acht europäische Teams (Österreich, Lettland, Großbritannien, Slowenien, Spanien, Rumänien, Finnland und Griechenland) gegeneinander an und versuchten nebenbei auch noch, den Weltrekord im SuperPI zu knacken. Beim SuperPI-Bewerb wird die Leistungsfähigkeit eines Computers mittels Berechnung der Zahl Pi auf eine Million Nachkommastellen festgestellt. Den zu übertreffen – er liegt derzeit bei 6,67 Sekunden – gelang dann zwar doch nicht, aber selbst für die 7,406 Sekunden, die das spanische Siegerteam erreichte, war der Aufwand enorm.

Das wichtigste Arbeitsmittel der „Overclocker“ ist – abgesehen vom Rechner, der aus kommerziell erhältlichen Komponenten zusammengeschraubt werden muss – flüssiger Stickstoff. Auf bis zu minus 196 Grad Celsius müssen die einzelnen Bauteile heruntergekühlt werden, um ein Überhitzen zu verhindern, wobei man mittels sukzessiver Übertaktung des Prozessors (CPU) immer höhere Leistungsgrenzen ausreizt. Permanente Abstürze gehören zum Ablauf wie das sprichwörtliche Amen zum Gebet. Matthias Zronek, Overclocking-Experte und Betreiber der Onlineplattform „overclockers.at“ vergleicht den Prozess mit dem Stimmen eines Musikinstruments: „Es muss im Endeffekt jeder Ton richtig klingen, damit ein schönes Lied abgespielt werden kann. Passt eine Einstellung nicht, dann stürzt das System ab. Sehr viel Gefühl und noch mehr Geduld sind beim Overclocking daher entscheidend.“

 

Blick in die Zukunft

Dass die schnell wachsende heimische Overclocker-Community – die Onlineplattform www.overclockers.at verfügt bereits über 25.000 registrierte User – bei ihrem sportlichen Hobby dabei von einem Computerfachmarkt wie DiTech Unterstützung erhält, ist kein Zufall. DiTech-Geschäftsführer Damian Izdebski bemüht den Vergleich mit der Formel 1: „Ähnlich wie Erkenntnisse beim Bau von Rennautos in die Serienproduktion einfließen, ist es bei Computern. Rekordversuche beim Overclocking zeigen, was normale PCs oder Notebooks schon in drei bis vier Jahren leisten werden“, so Izdebski.

www.overclockers.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.11.2009)