Her mit den Ausländern!

Die Ausstellung „Gender Check“ erinnert an alte Mumok-Zeiten – als Busek das Wiener Moderne-Museum Ende der 80er-Jahre zu einem Hort osteuropäischer Kunst aufbauen wollte.

Dafür musste natürlich ein Direktor aus Osteuropa her. Nur woher nehmen? Die damalige Beamtenschaft rotierte, die entsprechenden Häuser wurden abgeklappert, nichts. Nur eine Telefonnummer gab es noch, von einem wenig bekannten Kurator, damals gerade ein Jahr in der Budapester Kunsthalle beschäftigt.

Der völlig überraschende Anruf soll Lorand Hegyi bei einem guten Glas Wein an einem französischen Strand erreicht haben. „Wollen Sie Direktor des Mumok werden?“ „Klar!“ So stellt man sich Bewerbungsgespräche vor! Aber warum sollen in Österreich Museumsdirektoren anders gefunden werden als Kunstministerinnen? Die Erfolgsgeschichte des Mumok unter Hegyi blieb jedenfalls überschaubar, so richtig warm wurde er nicht mit Wien. Schon sein Vorgänger, Dieter Ronte, hat sein Herzblut nicht für dieses Haus vergossen, es diente ihm eher als Zwischenstation für Direktorenposten in Hannover und Bonn.

Mit Edelbert Köb hat dieses immer problematische Museum erstmals nicht nur eine professionelle Leitung gefunden, sondern auch jemanden, der sich mit Leidenschaft dafür einsetzt. Doch auch er blieb in den vererbten Strukturen des Apparats gefangen, Ende 2010 geht er in Pension. Deshalb her mit den unharmonischen Ausländern! Dieses Haus hat endlich die Basis für eine internationale Zukunft. Man sollte diese nicht wieder von ahnungslosen Politikern und Beamten abhängig machen. Nicht von zufälligen Telefonaten. Und auch nicht von einer nur nach Druck aus der Kunstszene doch noch ins Englische übersetzten Ausschreibung.


almuth.spiegler@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.11.2009)

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