Euro: Warnung vor Italexit

FILE PHOTO: Luigi Di Maio of the 5-Star movement looks on as he arrives for a news conference in Rome
FILE PHOTO: Luigi Di Maio of the 5-Star movement looks on as he arrives for a news conference in Rome(c) REUTERS (Max Rossi)
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Ein Italexit wäre ein Schock für den Euroraum, sagt der Chef von Italiens Börsenaufsicht. Die Zustimmung zum Euro sinkt dramatisch.

Rom. Nach Frankreich ist vor Italien: Während die Finanzmärkte erleichtert auf den Wahlsieg von Emmanuel Macron über Marine Le Pen reagieren, richten sich die Augen bereits auf das Nachbarland. Dort steht vielleicht schon im Herbst, spätestens aber in einem Jahr, die Parlamentswahl an. „Anders als in den Niederlanden und in Frankreich gibt es eine realistische Möglichkeit dafür, dass Parteien eine Mehrheit erlangen, die die Zukunft Italiens außerhalb des Euro-Raums sehen“, sagt der Europa-Chefvolkswirt der Nordea-Bank, Holger Sandte. An den Finanzmärkten werde die Unsicherheit schlecht ankommen.Und Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer ist sich angesichts der Lage in Italien sicher: „Der Euro-Raum kommt nicht zur Ruhe.“

Mit Ausnahme der derzeit regierenden Demokratischen Partei (PD) von Ministerpräsident Paolo Gentiloni und Parteichef Mario Renzi sind alle anderen großen Gruppierungen euro-skeptisch eingestellt – in unterschiedlichem Ausmaß. Dazu gehört die Fünf-Sterne-Bewegung von Beppe Grillo, die Umfragen zufolge derzeit mit 30 Prozent stärkste Partei werden würde – mit drei bis acht Punkten Vorsprung vor der PD. „Es ist nicht wahr, dass die Fünf Sterne Italien aus dem Euro holen wollen“, sagt der mutmaßliche Spitzenkandidat der Bewegung, Luigi Di Maio. „Wir wollen, dass die Italiener darüber entscheiden.“In einem Referendum sollen seine Landsleute darüber abstimmen, ob sie den Euro behalten oder zur Lira zurückkehren wollen.

Wirtschaft wächst kaum

Am Montag warnte der Chef von Italiens Börsenaufsichtsbehörde Consob, Giuseppe Vegas, vor einem Ausstieg Italiens aus dem Euroraum. „Ein Italexit wäre ein Schock für den ganzen Euroraum und würde dessen Überleben gefährden“, erklärte Vegas vor Unternehmern in Mailand. Der Austritt aus dem Euroraum sei keine Lösung für die Probleme der italienischen Wirtschaft. Die Ankündigung einer Rückkehr zur nationalen Währung würde eine Flucht internationaler Investoren auslösen, so Vegas.

Laut EU-Umfrage hielten zuletzt nur noch 41 Prozent der Italiener den Euro für eine gute Idee, 47 Prozent dagegen für eine schlechte. Die nach Deutschland und Frankreich drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone wächst kaum. Die Italiener können sich heute von ihrem Geld weniger leisten als 2004. (Reuters/apa)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.05.2017)

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