Die Kandidaten des ersten Song-Contest-Halbfinales
Die Favoriten haben es ins Finale geschafft. Zypern und Polen gelten als kleine Überraschungen im Finale.
Das erste Halbfinale des Eurovision Song Contest 2017 ist am Dienstagabend in der ukrainischen Hauptstadt Kiew über die Bühne gegangen. Es war ein gewohnt bunter Mix mit ein paar Glanzlichtern und wenigen echten Tiefs. So richtig Stimmung wird auch erst am Donnerstag hierzulande aufkommen, wenn der heimische Kandidat Nathan Trent an der Reihe ist. Diese Zehn Länder dürfen am Samstag im Finale singen.
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Artsvik mit "Fly With Me" Bekannt durch "The Voice of Russia" hoffte Artsvik auf breite Zustimmung im russophilen Teilnehmerfeld - mit Russland fällt ein möglicher Punktelieferant aber weg. Der Song ist durchaus gefällig, lässt ein wenig Western-Atmosphäre durchklingen, die durch Dubstep-Einsprengsel am Ende etwas konterkariert werden. Artsvik mit "Fly With Me" auf YouTube
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Dihaj mit "Skeletons" Auch Aserbaidschan gehört zu den Nationen, die in den letzten Jahren oft erfolgsversprechende Beiträge zum ESC entsandt hatten. Das scheint auch heuer wieder der Fall zu sein - man dürfte sich etwas von US-Superstar Sia abgeschaut haben. Optisch skurril, aber einprägsam. Dihaj mit "Skeletons" auf YouTube
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Isaiah mit "Don’t Come Easy" John Legend meets Shawn Mendes (Da klingt doch ein wenig "Mercy" durch, oder?). Isaiha ist erst 17 Jahre alt und kann mit einer spannenden Stimme überzeugen. Er sei der "erste indigene Mann", der Australien beim Song Contest vertreten werde. Bei der dritten Teilnahme des Landes am ESC auch keine allzugroße Sensation. In der Schmachtschnulze singt er Zeilen wie "Been burned too many times to love easily" - für einen erst 17-Jährigen eine gewagte Aussage. Wobei: Tom Odell war auch erst 22, als er in "Another Love" sang, dass alle seine Tränen bereits aufgebraucht seien ... Isaiah mit "Don’t Come Easy" auf YouTube
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Blanche mit "City Lights" Belgien bleibt seiner Linie treu und schickt mit "City Lights" die nächste spannende Nummer ins Rennen. Die tiefe Stimme von Blanche wird von Elektrobeats umspielt, bleibt aber ohne Höhepunkte. Der 17-Jährigen wird allerdings mangelnde Bühnenpräsenz attestiert. Noch ausbaufähig für das Finale. Blanche mit "City Lights" auf YouTube
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Demy mit "This Is Love" Der klassische Eurobeat kommt heuer aus Griechenland. Demy liefert eine tanztaugliche Disconummer ohne jegliche Sirtaki-Anklänge. Der Finaleinzug gelang trotz wirklich bedenklicher Intonation. Die einzige Kandidatin die öfters daneben griff - trotzdem Finale. Demy mit "This Is Love" auf YouTube
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SunStroke Project mit "Hey Mamma" Die Republik Moldau tritt an mit Synchrontanz der dreiköpfigen Truppe SunStroke Project, die von drei Tänzerinnen und dem eigenen Spiegelbild in vielfacher Ausformung auf der LED-Leinwand verstärkt wird. Hinzu noch ein markanter 80er-Jahre Sax-Sound und eine Geige zu House-Rhythmen. SunStroke Project mit "Hey Mamma" auf YouTube
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Kasia Moś mit "Flashlight" Nach dem Überraschungserfolg von Haarpracht Michal Szpak im Vorjahr schickt Polen heuer eher unauffällig-düsteren Bombast-Pop mit orchestralem Build-up und Céline Dion-Timbre gegen Ende. Die Show hat das Publikum anscheinend vorerst überzeugt - was überraschend den Finaleinzug bedeutet. Kasias Bruder "spielt Geige" auf der Bühne - ja, mit Anführungszeichen. Kasia Moś mit "Flashlight" auf YouTube
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Salvador Sobral mit "Amar Pelos Dois" Zu den herausstechenden Beiträgen des ESC-Jahres zählt sicherlich der zeitlos-gefühlvolle Fado des Portugiesen Salvador Sobral. Der Spross einer Adelsfamilie hat allerdings mit Gesundheitsproblemen zu kämpfen - darum vertritt ihn seine Schwester bei den Proben - und das mit Bravour. Ingesamt werden Sobrals Chancen, endlich den ersehnten Sieg für Portugal zu erringen, durchaus hoch eingeschätzt. Salvador Sobral mit "Amar Pelos" auf YouTube
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Robin Bengtsson mit "I Can’t Go On" Da wurde in Schweden wieder einmal perfekte Songcontest-Ware produziert: Gute Beats, solider Schweden-Pop mit 80er-Jahre-Sound und einem Sänger mit Modeverkäufer-Optik. Achtung, Laufband-Choreo! Robin Bengtsson mit "I Can’t Go On" auf YouTube
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Hovig mit "Gravity" Für Zyperns Beitrag zeichnet heuer der schwedische Erfolgskomponist Thomas G:Son verantwortlich, der etwa mit "Euphoria" schon einen echten ESC-Hit landete. Und "Gravity" punktet durchaus mit Mitstampfbeat und Radiopotenzial - und obligatorischem Ethno-Sound. Der Finaleinzug ist eine der kleineren Überraschungen des Dienstagabend. Hovig mit "Gravity" auf YouTube
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Tamara Gatschetschiladse mit "Keep the Faith" Drama, Drama, Drama. Ein Songcontest-Beitrag für Freunde des ausgeprägten Pop-Vibratos. Schluchzer, Seufzer mit orchestralem James-Bond-Sound und klassischem ESC-Text der Schiene "Lass dich nicht unterkriegen. Im Endeffekt war die Performance dann doch zu altmodisch für den Einzug ins Finale. Tamara Gatschetschiladse mit "Keep the Faith" auf YouTube
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Lindita Halimi mit "World" Ein wenig erinnert die Kraftballade "World" von Lindita Halimi an die Anfangsmusik der Erfolgsserie "Sherlock". Okay, es ist auch ein klassischer Song Contest-Song, aber mit dem gewissen Etwas. Geht ins Ohr, geht ab. Die Proben klangen noch etwas wackelig. Lindita Halimi mit "World" auf YouTube
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Slavko Kalezić mit "Space" Ein Song für die Rundablage der Song-Contest-Geschichte. Dance-Trash mit ganz tanzbarem Bläser-lastigen Refrain. Könnte von einer Single-Auskopplung eines Boyband-Aussteigers in den späten 90ern stammen. Optisch jedenfalls eine Erscheinung - über Geschmack lässt sich streiten. Slavko Kalezić mit "Space" auf YouTube
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Norma John mit "Blackbird" Ein Indiepop-Duo für Finnland. Sphärische Klänge, eine Stimme à la Evanescence - samt Depritext. Die Stimme dürfte live aber durchaus zu begeistern wissen. Wo bleiben die Beats? Norma John mit "Blackbird" auf YouTube
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Svala mit "Paper" Eine "Mein-Leben-ist-grad-am-Tiefpunkt-Powerballade". Außer an das gewagte Outfit wird man sich nicht an viel erinnern können von Svalas Performance. Da braucht es schon viel Glück für den Finaleinzug. Svala mit "Paper" auf YouTube
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Martina Bárta mit "My Turn" Martina Bárta ist eine Entdeckung aus der tschechischen Jazz-Szene. Spannende Stimme in einer netten Pop-Ballade ohne viel Schnickschnack, die aber nicht so recht ins Ohr gehen will. Martina Bárta mit "My Turn" auf YouTube
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Omar Naber mit "On My Way" Respekt für jeden Künstler, der einen eigenen Song präsentiert, doch Omar Naber quält sich mit seiner gefälligen Stimme (ein bisschen Robbie-Williams-Sound) durch seinen etwas orientierungslosen Schmachtfetzen. Orchesterklänge, Beats, ein wenig Disneysong-Potenzial und eine Menge Kitsch-Drama - etwas zu viel gewollt. Omar Naber mit "On My Way" auf YouTube
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Triana Park mit "Line" Eine weitere Elektropop-Nummer bildet den Abschluss. Diese kommt aus Lettland. Könnte im Club ganz gut funktionieren - mit Finaltendenz. Die Show bleibt optisch jedenfalls im Gedächtnis - samt Liveband-Gehabe. Triana Park mit "Line" auf YouTube
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