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Statt Bankkredits: Geld privat ausleihen?

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Kreditplattformen. Wenn Bankkredite rar sind, werden Alternativen gesucht

Die Kreditvergabe der Banken ist derzeit äußerst selektiv – wovon Onlinekreditplattformen profitieren. In Deutschland freuen sich Anbieter wie Smava oder Auxmoney über das stark gestiegene Kundeninteresse. Die Internetplattformen sind für viele die einzige Möglichkeit, zu Geld zu kommen – selbst bei weniger guter Bonität. Die Kreditgeber diversifizieren auf diese Weise ihr Anlageportfolio.
Bei Smava sei die Nachfrage zuletzt sprunghaft angestiegen, erklärt Geschäftsführer und Mitbegründer Alexander Atorpé. Allein vom zweiten auf das dritte Quartal des laufenden Jahres sei das Kreditvolumen von 2,5 auf fünf Millionen gestiegen. „Vor allem Selbstständige fragen verstärkt bei uns an – aber auch Anleger“, so Atorpé. Insgesamt vergaben seit der Unternehmensgründung rund 10.000 Anleger Kredite im Ausmaß von 18 Millionen Euro an 3000 Kreditnehmer. Rund ein Drittel der Anfragen sind laut Atorpé Einmalfinanzierungen – sprich: klassische Konsumkredite, die übrigen sind je zur Hälfte Umschuldungen und Unternehmenskredite. „Besonders wichtig ist, dass der Ansatz „wer zahlt, der schafft an“ durchbrochen wird. Beide Seiten befinden sich bei uns auf Augenhöhe“, so Artorpé. Die Kreditnehmer, die mindestens 18 Jahre alt sein müssen, können den Zinssatz, den sie zu zahlen bereit sind, selbst bestimmen – innerhalb einer Bandbreite je nach Bonität. Diese wird von der Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung (SCHUFA) ermittelt und darf nicht unter der Stufe H liegen, auf der ein Ausfallsrisiko von 15,02 Prozent vorliegt. Die aktuelle Ausfallsquote liegt laut Artopé zwischen vier und fünf Prozent.

Rechtlich komplex

Auf den österreichischen Markt drängt die Kreditplattform vorerst nicht. Kein Wunder, sind doch die involvierten aufsichtsrechtlichen Fragen komplex. Das bestätigt auch Tibor Varga, Finanzmarktexperte bei Dorda Brugger Jordis: „Abhängig von der Gestaltung der Plattform und der Tätigkeit des Plattformbetreibers tritt dieser möglicherweise als Kreditvermittler auf.“ Dafür sei eine Gewerbeberechtigung erforderlich. „Geht es um mehr als eine reine Kreditvermittlung, braucht der Betreiber eine Bankkonzession“, ergänzt FMA-Sprecher Klaus Grubelnik.
Auch der Kreditgeber selbst tätigt – sofern er gewerblich agiert – mit der Kreditvergabe ein Bankgeschäft. „Es ist nicht auszuschließen, dass die FMA eine Gewerblichkeit bereits bei einer einmaligen Kreditvergabe annimmt“, so Varga. Laut Grubelnik muss von Fall zu Fall geprüft werden, ob es sich um eine gewerbliche Kreditvergabe handelt oder nicht.
In Deutschland liegt laut Atorpé nach zwei bis drei Kreditvergaben eine Gewerblichkeit vor, weshalb für die Plattform gemeinsam mit Partnerbanken ein eigenes Modell entwickelt wurde. Sobald sich Kreditgeber und -nehmer einig sind, tritt die Bank auf den Plan. Sie übernimmt das Geld des Kreditgebers – der dafür eine Kreditforderung erhält – und gibt es weiter.
Ohne Bank kommt man bei der Schweizer Onlinekreditplattform Cashare aus. „Wir wollen keinen Bankstatus, sondern uns ganz klar abgrenzen“, so Geschäftsführer Michael Borter. Schließlich würde man das Geld nicht annehmen, sondern nur eine Plattform für Privatpersonen zur Verfügung stellen. Cashare bietet lediglich Dienstleistungen wie eine Bonitäts- und Identitätsprüfung an.

Bald auch in Österreich?

Vom Darlehensnehmer wird eine jährliche Gebühr von 0,75 Prozent der erhaltenen Darlehenssumme eingehoben. Dazu kommt noch eine Einstellungsgebühr von 19 CHF, und der Darlehensgeber muss 0,75 Prozent der ausstehenden Darlehenssumme entrichten. Der Zinssatz wird in einer Auktion festgelegt: Je größer das Interesse der Geldgeber, desto weniger muss der Darlehensnehmer zahlen.s
Seit der Unternehmensgründung im Jahr 2008 wurden über Cashare Darlehen mit einem Volumen von 250.000 CHF vermittelt. „Derzeit klären wir alle Fragen ab, um unser System für Österreich zu adaptieren“, so Borter. Geplanter Geschäftsstart sei das erste Quartal 2010. Damit wäre das Schweizer Unternehmen die erste in Österreich tätige Kreditplattform. Borter sieht dies auch als Variante des „Social Lending“: „Man kann als Anleger nicht nur sein Investmentportfolio diversifizieren, sondern auch seine ethischen Vorstellungen verwirklichen“, so der Schweizer.
Zu beachten sind allerdings die Risken solcher Geschäfte. Experten empfehlen Kreditgebern, genau zu prüfen, nach welchen Kriterien die Plattformanbieter die Bonität der Kreditnehmer bewerten – denn bei schlechter Bonität sei das Verlustrisiko extrem hoch. Kreditnehmer wiederum sollten sich über die Spesen informieren, die für sie anfallen. Die sind je nach Anbieter unterschiedlich und können vor allem bei längeren Laufzeiten teuer werden.

("Financial Presse", 13.11.2009)