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Im Zickzackkurs nach oben?

INDIA CONSTRUCTION HYDRO PROJECT
(c) EPA (Stringer)
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Schwellenländer. 2008 mussten sie kräftig Federn lassen – jetzt erweisen sie sich wieder als Wachstumsmotoren für die Weltwirtschaft. Wer etwa in Brasilien, China oder Indien investiert, braucht trotzdem gute Nerven.

Die Aktienmärkte in China, Indien, Brasilien und anderen Schwellenländern haben die Investoren heuer jubeln lassen. Die Emerging Markets verzeichneten bislang ein Plus von über 60 Prozent. Dass die Party damit vorbei ist und die Anleger jetzt das Geld schnappen und Gewinne mitnehmen sollten, glauben die Experten allerdings nicht.
„Unserer Meinung nach hat die Reise gerade erst begonnen“, urteilt Allan Conway, Leiter Aktien Schwellenländer bei der Investmentgesellschaft Schroders. Heuer gehe das weltweite Wachstum gänzlich auf das Konto der aufstrebenden Länder, und für das nächste Jahr, „in dem eine schwache Erholung in der entwickelten Welt immer wahrscheinlicher wird, dürfte dieser Wachstumsanteil immerhin noch 70 bis 75 Prozent betragen.“
Dass in Asien, vor allem in China und Südkorea, die Maßnahmen der Regierungen zur Gegensteuerung in der Krise wirken, bestätigt dieser Tage die Weltbank. Im aktuellen Report über die Region Ostasien und Pazifik („Transforming the Rebound into Recovery“) sagen die Weltbank-Experten für Ostasien heuer ein Wirtschaftswachstum von 6,7 Prozent voraus – das ist um 1,3 Prozentpunkte mehr, als im vergangenen April prognostiziert wurde.

Indizes: V oder W?


Die Experten sind sich einig, dass die Schwellenländer rasch und gestärkt aus der Krise hervorgehen. Vor allem die steigende Binnennachfrage, der verstärkte Handel der Länder untereinander, die fortschreitende Entkopplung ihrer Abhängigkeit von den Industriestaaten werden ins Treffen geführt, um die immer noch intakten Wachstumschancen zu betonen. Vergessen darf man allerdings nicht, dass auch die Aktienmärkte der Schwellenländer Ende 2008 und bis hinein ins erste Quartal 2009 ganz böse abgestürzt sind.
Ob die Indexcharts in einem Jahr einen v-förmigen Verlauf aufweisen werden – also steil hinunter und steil hinauf – oder ob es den einen oder anderen heftigen Rückschlag gibt und ein „W“ zu sehen sein wird, darüber gehen die Meinungen auseinander. Zurzeit werden jedenfalls durchaus erfreuliche Daten aus den Schwellenländern gemeldet. Über die Autoverkäufe in China beispielsweise: Laut des aktuellen Marktreports von Pioneer Investments stiegen sie in den ersten neun Monaten des Jahres um 42 Prozent auf 7,24 Millionen Stück. „Der Absatz von Kraftfahrzeugen in den Schwellenländern ist mittlerweile höher als der in den USA, Europa und Japan zusammen“, stellt auch Fondsmanager Conway fest.
Die Regierungen der Schwellenländer haben massiv in Konjunkturprogramme investiert und helfen so dem Wachstum auf die Sprünge, eine Rolle spielt aber auch die Tatsache, dass die lokalen Banken nicht so stark in die Finanzkrise involviert waren.

Investmentthema Indien


Ein Land, das zunehmend das Interesse der Investoren weckt, ist Indien. Es ist Teil der sogenannten BRIC-Ländergruppe (Brasilien, Russland, Indien, China), es gibt aber auch immer mehr reine Indien-Investments. Die sind allerdings nichts für Anleger mit schwachen Nerven: An der Börse in Bombay (Mumbai) kann es schon mal kräftig rauf- und runtergehen. Trotzdem werden die Chancen, mit indischen Aktien langfristig Gewinne zu machen, von den Experten als gut eingeschätzt.
sSorgen machten zuletzt ausbleibende Regenfälle, ein ausuferndes Budgetdefizit und die ansteigende Inflation. Aber der Strukturwandel ist voll im Gang, das verfügbare Einkommen der Bevölkerung wächst kontinuierlich, das Land ist mit Finanzdienstleistungen nach wie vor unterversorgt und die Gewinne der Unternehmen steigen. „Die historische Entwicklung der indischen Unternehmen bei der Eigenkapitalrendite sowie der zunehmenden Binnenanteil an den Unternehmensgewinnen sind positiv zu werten und verhelfen Indien zu einem Bewertungsaufschlag gegenüber anderen Emerging Markets“, urteilt Sukumar Rajah, Chief Investment Officer für asiatische Aktien bei Franklin Templeton Investments. Eine starke Nachfrage nach Gebrauchs- und Investitionsgütern kurbelt die indische Wirtschaft an, die Reformpolitik sollte das Ihre zur weiteren positiven Konjunkturentwicklung beitragen. Aufgrund der Unterzeichnung von Handelsabkommen mit Südkorea und der Association of South East Asian Nations (ASEAN) wird auch dem Handel innerhalb der Region Wachstumspotenzial attestiert.

Am wenigsten eingebüßt


In Zeiten der Krise ändern sich auch die Vorzeichen bei der Betrachtung der Investmentchancen: Derzeit geht es darum, in welchen Ländern die Gewinne am wenigsten stark eingebrochen sind, und hier haben die Emerging Markets die Nase vorn. Mit minus 27 Prozent sind die Unternehmensgewinne in den Schwellenländern weniger stark gefallen als in den USA (minus 33 Prozent) und Europa, wo vom Höchststand gar 42 Prozent verloren gingen.
Der wirtschaftliche Aufstieg der Schwellenländer stärkt im Übrigen auch ihre weltpolitische Position. Das zeigt sich daran, dass vermehrt G20- statt G8-Gipfel auf der politischen Agenda stehen. Zusätzlich zu den acht wichtigsten Industrienationen sitzen dabei auch die Vertreter weiterer Staaten an einem Tisch, unter anderem die von Brasilien, China und Indien. Wie auch Anfang November beim Treffen im schottischen St. Andrews, wo – wenn auch ohne konkrete Ergebnisse – über Klimaschutz und eine Neuordnung der Finanzwelt diskutiert wurde. Damit bestätigt sich, was die Investmentexperten meinen: An den Schwellenländern führt derzeit kein Weg vorbei.

("Financial Presse", 13.11.2009)