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Harte Zeiten für den Klassiker

Alte Frau z�hlt ihr Geld
(c) Erwin Wodicka - BilderBox.com (Erwin Wodicka - Bilderbox.com)
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Klassische Lebensversicherung. Sie würde sich gerade jetzt für Risikoscheue anbieten – von einem Boom ist sie jedoch weit entfernt. Was laut Expertenansicht zum Teil auch an den Versicherungsunternehmen selbst liegt.

Opa hat eine, junge Eltern, die Vermögen aufbauen und ihre Familie finanziell absichern wollen, ebenso: Die Mehrzahl der über elf Millionen Lebensversicherungen, die es in Österreich gibt, sind in der „klassischen“ Variante abgeschlossen. s
Erst in den letzten Jahren – bis zur Finanzkrise – konnte die fondsgebundene Lebensversicherung enorm aufholen. Die klassische mit zwar teilweise garantierten, aber bescheidenen Renditeversprechungen war für viele nicht mehr attraktiv genug. Nun sollte sich das Blatt wieder gewendet haben, weil das Sicherheitsbewusstsein bei vielen Anlegern noch stärker in den Vordergrund getreten ist – aber auch, weil sich aktuell die Rendite der klassischen Variante bei etwa vier Prozent einpendelt. Was angesichts des Zinsentiefs und kaum vorhandener Inflation durchaus passabel ist.
Noch ist allerdings wenig von einer Trendwende zu merken. „Aktuell hören wir, dass es auch bei der klassischen Lebensversicherung starke Rückgänge gibt“, so Christoph Krischanitz, Geschäftsführer des versicherungsmathematischen Beratungsunternehmens arithmetica. „Sowohl Rückkäufe als auch Prämienfreistellungen und eine geringe Zahl an Neuabschlüssen sind zu verzeichnen.“ Beim VVO (Versicherungsverband Österreich) kann man noch nicht mit Zahlen für das laufende Jahr aufwarten, weiß aber um die aktuelle Zurückhaltung am Markt.

Schwerer zu verkaufen?

Laut GfK-Finanzmarktforscher Alexander Zeh „warten die Österreicher lieber ab und parken ihr Geld am täglich fälligen Sparbuch – selbst bei unattraktiven Zinsen.“ Das Sparbuch liegt auf der Rangliste der beliebtesten Anlageformen momentan an erster Stelle, vor Bausparvertrag und Wohnung/Haus oder Grundstück. Erst dann folgt die klassische Lebensversicherung, deren Beliebtheit allerdings von 17 auf 20 Prozent stieg.s
s-6;0Tatsächlich würde sie sich gerade in turbulenten Zeiten für Anleger mit einer Risikoaversion anbieten. Die Gründe, warum sie trotzdem (noch?) kein Revival erlebt, sieht Krischanitz sowohl bei den Anlegern als auch bei den Anbietern. Auf den Websites der meisten österreichischen Versicherungsunternehmen seien die Produkte der klassischen Lebensversicherung nicht an den besten Plätzen positioniert, oft müssten sie erst „erscrollt“ werden. „Fondsprodukte lassen sich viel leichter verkaufen, weil sie vom Kunden und vom Verkäufer leichter verstanden werden“, so der Experte. Dass die Anbieter mit der fondsgebundenen schlichtweg mehr Gewinne machen könnten, sieht er dagegen nicht als Hauptargument. Denn: „Mit welcher Variante Versicherungen mehr verdienen, kommt ebenfalls auf die Finanzmarktsituation an.“ „Nur bei guter Performance der fondsgebundenen Lebensversicherung können sie 15 Prozent Gewinnbeteiligung einstreichen.“
sAuf Kundenseite sei in den letzen Jahren der Spargedanke vom Anlagegedanken abgelöst worden. „Hinter jeder Investition steckt der Traum von Superrenditen, vom unerwarteten Reichtum, den die klassische Lebensversicherung einfach nicht bieten kann.“ Ob hier künftig wieder mehr Realismus einkehrt, bleibt abzuwarten.

Weniger Geld im Börsel

Neben der aktuell geringen Bereitschaft, sich in Finanzangelegenheiten langfristig zu binden, dürfte bei so manchem auch weniger Geld im Portemonnaie sein. „Eine Kündigung des Versicherungsvertrags ist aber die schlechteste Lösung“, warnt VVO-Sprecherin Daniela Ebeert. „In jedem Fall raten wir bei finanziellen Engpässen, nicht voreilig zu handeln, sondern das Gespräch mit dem Versicherungsberater zu suchen.“ Als wichtigste Alternative zum Rückkauf bietet sich eine Prämienfreistellung an.
Für Krischanitz stellt die klassische Lebensversicherung ein wichtiges Produkt zur Wohlstandssicherung dar. „Wir regen daher an, dass auch sie stärker vom Staat gefördert wird. Mit einer zusätzlichen Prämie oder auch durch Abschaffung oder Reduktion der Versicherungssteuer auf diese Versicherungsvariante.“

("Financial Presse", 13.11.2009)