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Wärmespender: Auch schön warm

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Zum Heizen, zum Sitzen, fürs Auge: Kachelöfen können mehr, als es uns warm ums Herz zu machen. Von Heizkisten, Feuersäulen und heißen Rollen.

Fortsetzung auf Seite I 2
Kalte Zehen, klamme Finger, rote Nase. Gibt es eigentlich auch nette Dinge, die Kältehasser mit dem Winter, mit Minusgraden, verbinden können? Ja, das wohlige Gefühl, wenn man nach Hause kommt, die Wärme in den eigenen vier Wänden das Frösteln vertreibt. Und viel besser noch als mit einem Heizkörper oder dem Teelicht funktioniert das mit einer Feuerstelle, etwa einem Kachelofen.

Klobige Klötze mit oft unvorteilhaft gemusterten Kacheln: So sieht die Vergangenheit aus. Heutzutage sind die Öfen meist regelrechte Blickfänge, Spezialisten bieten Stücke, die die Wohnräume wärmen und schmücken. Und oft auch um Funktionen bereichern. Der Grazer Keramikkünstler und Ofenbauer Jürgen Rajh etwa hat sogenannte „Heizkisten“ entworfen und gebaut. Diese Kachelöfen aus großformatigen Platten sind vergleichsweise niedrig und lassen sich bestens nutzen, um darauf zu sitzen und schön langsam aufzutauen. Weil sie keinen Sockel haben, ist auch gleich der Boden um sie herum wohlig warm. „Außerdem können sie den Raum strukturieren“, ergänzt Rajh. Wenn es Ofenbesitzer in spe nicht unbedingt geradlinig mögen, greift Rajh zur „Überschlagstechnik“, die speziell im Barock für den Bau von geschwungenen und zylindrischen Objekten zum Einsatz gekommen ist. Dabei wird die Keramik in einem dreiwöchigen Prozess bereits in der Werkstatt bearbeitet, das erlaubt es, zum Beispiel auch organische Formen umzusetzen.

 

Zum Niederlegen

Auch der Ofendesigner Gerold Wucherer hat bei seinem eigenen Wärmespender auf runde Formen gesetzt – und auf solche, die als Sitzgelegenheit dienen können. Zumindest zum Teil. In ein 350 Jahre altes Bauernhaus wurde ein moderner Kachelofen eingebaut. „Ich wollte die Ecke, in der sich der Ofen befand, einfach befreien. Dabei sind wir auf eine Nische gestoßen, die wir zu einer gemütlichen Liegebank umgestaltet haben“, erzählt er. Sein Ofen ist zweiteilig: Der Feuerraum wurde einer Rolle nachempfunden und in Blau gehalten. Der andere Teil lehnt in Form eines weißen, vertikalen Kubus an der Wand und dient als zusätzlicher Speicher. Für alle, die nicht so viel Platz oder Wärmebedarf haben, hat Wucherer einen kleineren Kachelofen entwickelt. Der „Zero Uno“ ist ein Speicherofen mit handgefertigten Kacheln und kann innerhalb von fünf Stunden aufgestellt werden. Ein weiterer Pluspunkt: Er wiegt nur rund 300 Kilogramm. Deshalb braucht man auch kein eigenes Fundament im Fußboden. „Und im Fall eines Umzugs nimmt man ihn einfach mit“, sagt Wucherer.

 

Zum Reinschauen

Das Gegenteil eines schweren, traditionellen Ofens ist auch das „Pyrarium“, das Andreas Mayer baut. Die meist quaderförmige Feuersäule funktioniert wie ein Kaminofen, und ist ebenfalls nicht ortsgebunden. „Der Kachelofen wird immer gefragt sein“, sagt Mayer. Allerdings hätte man oft wenig Zeit, um auf die typische Wärme zu warten. „Die Öfen heute sollen schnell Wärme abgeben und trotzdem einen hohen Wirkungsgrad haben.“ Vielen seiner Kunden sei es ein Bedürfnis, das Feuer zu sehen, dem kommt das Pyrarium mit seinen großen Glasflächen entgegen. Wer weniger Blick und mehr Wärme haben möchte, kann die obere Hälfte der Feuersäule mit einem Zugsystem ausstatten. Das verbessere den Wirkungsgrad des Ofens um 15 Prozent, die Wärmeabgabedauer verdopple sich, erklärt Mayer.

Auf alle Fälle zu schwer zum Einpacken ist der Ofen, den Arno Schnetzer für eine Familie in Feldkirch aufgebaut hat. Allein 500 Kilogramm Lehm wurden verarbeitet – nicht nur wegen der positiven Wirkung auf das Raumklima, sondern vor allem wegen der Masse. Schließlich muss das gute Stück nicht nur Wohn- und Essebene wärmen, sondern auch das Obergeschoß mitheizen. „Die Anforderung war, den Kachelofen zur einzigen Heizung im Haus zu machen. Deshalb fließt Wasser durch ihn durch, das als gewärmtes Brauchwasser aus dem Hahn kommt. Zusätzlich wird die Wärme in Boden und Wände des ersten Stocks geleitet“, erläutert Schnetzer. Darüber hinaus dient der Ofen als Raumteiler. Für solche Zwecke habe man früher ein Möbelstück verwendet, „heute wird der Ofen zum Möbelstück“, sagt der Experte.

 

Fürs Passivhaus

Übrigens: Auch Besitzer von Passivhäusern müssen nicht auf die wohlige Ofenwärme verzichten. Günter Lang, Geschäftsführer der IG Passivhaus Österreich, erklärt: „Die An- und Absaugung der Verbrennungsluft muss unabhängig geführt werden.“ Außerdem sollte eine Heizleistung von zwei bis drei Kilowattstunden nicht überschritten werden.

Jürgen Rajh beschäftigt sich bereits mit dem Thema Kachelöfen für Niedrigenergie- und Passivhäuser. Er arbeitet an einem Lüftungssystem, das die Wärme des Ofens auch in andere Räume des Hauses verteilt. Damit die wohlige Ofenwärme auch die hintersten Winkel der eigenen vier Wände erreicht...

www.kachelofenverband.at
www.kachelofen.net
www.mayerofen.com
www.die-ofenbauer.at
www.heizkunst.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.11.2009)