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Domingo.

Der haltbarste Publikumsliebling

Plácido Domingo - hier in der Staatsoper - feiert den 50. Jahrestag seines Wien-Debüts.
Plácido Domingo - hier in der Staatsoper - feiert den 50. Jahrestag seines Wien-Debüts.Georg Hochmuth
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Zum 50. Jahrestag des Staatsopern-Debüts von Plácido Domingo zeigen das Haus am Ring und das Theatermuseum Memorabilia einer außergewöhnlichen Karriere.

Mit Verdis Don Carlos hat alles begonnen. In Wien zumindest. Am 19. Mai 1967 stand Plácido Domingo zum ersten Mal auf der Staatsopernbühne – konfrontiert mit großen Kalibern wie Cesare Siepis König Philipp und der jungen nachmaligen Wagner-Heroine Gwyneth Jones. Domingos Debüts in Barcelona und Hamburg lagen nur wenige Wochen zurück – und doch wurden schon einige Besucher hellhörig: Das Timbre dieser männlich-kraftvollen Stimme hatte das gewisse Etwas.
Dem waren Wiens Melomanen bald verfallen. In Zeiten, in denen die Staatsoper – heute undenkbar – die Besetzungen ihrer Vorstellungen erst kurzfristig bekannt gab, bildeten sich am Vorverkaufstag, wenn der Name Domingo aufschien, bald ebenso lange Warteschlangen vor den Bundestheater-Kassen wie man sie etwa vor Auftritten Birgit Nilssons oder Karl Böhms gewohnt war.
Seine Sonderstellung hat Domingo freilich länger als alle Kollegen. Wie robust seine Stimme ist, ahnte man, als er bereits zu gehaltvolleren Partien tendierte – es verwunderte niemanden, dass er etwa Gounods Faust oder den Herzog in Verdis „Rigoletto“ jeweils nur ein einziges Mal in Wien sang, den Edgardo in Donizettis „Lucia di Lammermoor“ nur an zwei Abenden. Leichtigkeit und Beweglichkeit inklusive souverän eingebundener Spitzentöne – das war nicht Domingos ureigenstes Terrain. Ein „Ritter vom hohen C“ war er nie.
Beeindruckend war und ist die Kombination aus schauspielerisch filmreifem Bühneneinsatz und stimmlicher Durchschlagskraft. So applaudierten ihm auch noch die letzten Skeptiker lautstark, als er sich Anfang der Achtzigerjahre den kräfteraubendsten Herausforderungen seines Repertoires stellte: Der Otello galt allenthalben als seine bemerkenswerteste interpretatorische Leistung. Als „Bajazzo“ oder auch als Räuberhauptmann Ramerrez alias Dick Johnson im „Mädchen aus dem goldenen Westen“ ließ er die imposantesten Töne hören. Mit den richtigen Partnern konnten so Opernabende spannender als jeder Krimi werden.