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Foltervorwürfe: Das Abu Ghraib der Briten

Foltervorwürfe: Das Abu Ghraib der Briten (Symbolbild)
(c) AP (Mohammed Uraibi)

Vergewaltigung, Scheinhinrichtungen, Elektroschocks: In über dreißig Fällen sollen britische Soldaten während des Irak-Kriegs Zivilisten misshandelt haben. Das Verteidigungsministerium ermittelt.

Das Bild vom tadellosen britischen Soldaten, der im Gegesatz zu seinen US-Kollegen fair mit Gefangenen umgeht, bröckelt. Paul Shiner, der Anwalt ehemaliger irakischer Gefangener, erhob am Wochenende schwere Vorwürfe gegen die britische Armee. Die Zeitung "Independent" berichtete über 33 Misshandlungsfälle. Das britische Verteidigungsministerium nimmt den Bericht ernst, verwahrt sich aber gegen Generalvorwürfe.

Wie Shiner sagt, haben sich die britischen Soldaten bei ihren Misshandlungen an den Methoden der US-Soldaten im berüchtigten Gefängnis Abu Ghraib orientiert. Demnach haben zwei Soldaten einen 16-Jährigen vergewaltigt. Andere irakische Zivilisten seien von Soldaten gezwungen worden, sich nackt auszuziehen. Sie seien gefoltert, gedemütigt, mit Elektroschocks gequält und dabei fotografiert worden, schrieb die Zeitung.

Einen inzwischen 23-jährigen Iraker sollen die Soldaten gezwungen haben, einen orangefarbenen Trainingsanzug anzuziehen, bevor sie ihm erzählten, dass er in dem US-Gefangenenlager Guantanamo hingerichtet werden solle.

"Nur ein winziger Anteil"

Der Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Bill Rammell, betonte, die neuen Anschuldigungen würden sehr ernst genommen. "Es gab Beispiele, dass sich Einzelne schlecht verhalten haben. Aber es ist nur ein winziger Anteil." Mehr als 120 000 Soldaten hätten im Irak gedient, und die "große, große Mehrheit" hätte sich korrekt verhalten.

Es ist nicht das erste Mal, dass auch der britischen Armee Folter vorgeworfen wird. Donald Payne, 36-jähriger britischer Unteroffizier, war bereits 2007 wegen Kriegsverbrechen im Irak verurteilt worden. Er war an der Misshandlung des irakischen Hotelangestellten Baha Mousa beteiligt, der 2003 in britischer Gefangenschaft zu Tode geprügelt wurde. Payne sagte auch im aktuellen Untersuchungsausschuss aus.

(Ag./beba)

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