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Zuerst die Höhle, dann die Hütte

Die sanierte Rudolf-Proksch-Hütte im Wienerwald mit den neuen Pächtern Peter und Sigrid Artner.
Die sanierte Rudolf-Proksch-Hütte im Wienerwald mit den neuen Pächtern Peter und Sigrid Artner.(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Kommenden Sonntag wird die Rudolf-Proksch-Hütte am Pfaffstättner Kogel wiedereröffnet. Eine feine Einkehrmöglichkeit nach einer Wanderung im Wienerwald.

Wahrscheinlich gibt es attraktiver klingende Ausgangspunkte für eine Wanderung. Aber sie geht nun einmal in der Einöde los, konkret in der Einödstraße bei Pfaffstätten, an der man auf einem kleinen Parkplatz das Auto zurücklassen kann.

Wer eine kurze, aber durchaus etwas anstrengende Tour durch den Wienerwald plant, könnte hier am Fuße des Pfaffstättner Kogels starten. Ab kommenden Sonntag (28. Mai) lohnt sich der – ohne Pausen – etwa 30-minütige Weg bergauf noch einmal mehr: Denn dann hat oben am Kogel wieder die Rudolf-Proksch-Hütte offen, bei der man sich bei allerbester Aussicht mit einem Getränk oder auch einem typischen Hüttenessen (Gulasch, Kässpätzle) stärken kann.

Zunächst aber geht es im Buchen-Mischwald hinauf, die Route ist auch an warmen Tagen machbar: Fast immer geht man im Schatten oder zumindest Halbschatten. Auch für Kinder (kinderwagentauglich ist der Weg aber ganz und gar nicht!), die Wanderungen oder längere Spaziergänge gewöhnt sind, ist dieser Ausflug durchaus geeignet.

Vor allem, weil er auch abenteuerlich wird. Wer nämlich nach einigen Minuten im Wald an der Weggabelung nicht den Weg zur Proksch-Hütte nimmt, sondern links abbiegt und dem Wegweiser zu den Einödhöhlen folgt, kommt auch zur Hütte hinauf, aber an einem lohnenswerten Stopp vorbei. Die Einödhöhlen, nach einigen Minuten Fußmarsch linker Hand vom Weg gelegen (die Abzweigung kann man durchaus übersehen, da sie nicht ausgewiesen ist), sind ein frei zugängliches Höhlensystem, das man ohne Eintritt auf eigene Faust erkunden kann.

Das ist so abenteuerlich, wie es klingt, eine Taschenlampe mitzunehmen ist eine gute Idee (mit der Handy-Taschenlampe kommt man nicht sehr weit), feste Schuhe sind Pflicht. Früher hieß die Höhle „Fledermaushöhle“, weil es hier zahlreiche Fledermausarten gab. Heute lebt hier nur noch die Kleine Hufeisennase.

Die Gänge und Räume im Inneren (alles sehr niedrig!) haben wunderbare Namen wie „Thronsaal“ oder „Zerfressene Wand“. Wer beim westlichen Eingang hineingeht, kann durch die Höhlen spazieren und kommt beim östlichen Ein- und Ausgang wieder hinaus.

Weiter oben gibt es eine Höhle mit noch märchenhafteren Namen: Die Elfenhöhle, in der sich unter anderem ein Raum namens „Schneewittchens Grab“ befindet, ist allerdings nicht zugänglich. Wer möchte, kann auf einer Bank vor den Einödhöhlen jausnen, sonst kommt man am Weg bergauf bei keinem Jausenplatz mehr vorbei.

Wer einen Abstecher zu den Höhlen einplant, muss, je nach Höhlenbegeisterung, etwas mehr Zeit einplanen. Ohne Abstecher ist man bei normalem Tempo nach 30 bis 35 Minuten am Ziel: der Rudolf-Proksch-Hütte auf dem Kogel. Vielen Niederösterreichern aus der Gegend ist diese seit 1930 bestehende Hütte – die der Sektion „Gebirgsverein Ortsgruppe Baden“ des Alpenvereins gehört – natürlich ein Begriff. Einige Zeit nun aber war sie nicht in Betrieb. Mit Sigrid und Peter Artner hat man neue Pächter für die generalsanierte und vergrößerte Hütte gefunden, die ganzjährig im Betrieb sein wird (Montag und Dienstag sind Ruhetage).

Am kommenden Sonntag (28. Mai) wird die Proksch-Hütte ab 13 Uhr mit Blasmusik und einer Feldmesse offiziell wiedereröffnet (das volle Programm also). Derzeit laufen noch die letzten Arbeiten an der Hütte, die sichtlich saniert und modernisiert wurde (u. a. eine neue Küche), aber im Inneren ihren urigen Charakter beibehalten hat: Die gemütliche Stube ist weitgehend unverändert geblieben.

Noch lieber sitzt man in dieser Jahreszeit freilich im Freien, hier wird man mit einem wunderbaren Weitblick belohnt. Für die Kinder gibt es direkt unter der Hütte einen feinen Naturspielplatz. Wer einen noch spektakuläreren – weil 360-Grad-Rundumblick – wünscht, der möge die steilen Treppen auf die kleine Klesheimwarte – ein Aussichtsturm direkt über der Hütte – erklimmen. Hier oben auf 514 Metern weht der Wind mitunter rau, der Blick – unter anderem auf den Schneeberg – entschädigt dafür aber.

Derart gestärkt und belohnt, bereitet der Weg hinunter zum Parkplatz dann wenig Anstrengung. Die Anreise ist übrigens auch öffentlich möglich, die Wanderung verlängert sich dadurch etwas: mit dem Regionalzug bis Bahnhof Pfaffstätten, von dort die Einödstraße hinauf, vorbei an den Lamas und rechter Hand am Parkplatz (der eher unscheinbar ist!) auf den Kogel.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.05.2017)