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Die Konkurrenz jubelt, Ried zittert

Mattersburg zeigte unaufhaltsam Einsatz und Geschick, die Burgenländer sicherten sich damit auch den Klassenerhalt.
Mattersburg zeigte unaufhaltsam Einsatz und Geschick, die Burgenländer sicherten sich damit auch den Klassenerhalt.(c) APA/GEORG HOCHMUTH
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Für Ried wird der Klassenerhalt zur Herkulesaufgabe, in den beiden letzten Spielen braucht es unbedingt Siege. "Wir müssen wieder aufstehen", fordert Lassaad Chabbi.

Ried/Mattersburg. In Ried gehen nach einem ungeheuer desaströsen Samstag schön langsam die Bundesliga-Lichter aus. Dem enttäuschenden 1:1 gegen St. Pölten nicht genug, feierten auch noch zwei weitere direkte Konkurrenten im Abstiegskampf wichtige Siege: Mattersburg ist mit dem 1:0-Erfolg gegen Altach endgültig gerettet, für WAC schaut es nach dem 2:1-Sieg gegen Austria gut aus. Damit kommt wohl nur noch Aufsteiger St. Pölten als Rieder „Hoffnungsschimmer“ infrage. So oder so braucht es im Innviertel aber ein kleines Wunder, um dem ersten Abstieg nach 2003 doch noch zu entkommen.

Ried-Coach Lassaad Chabbi bleibt weiterhin Optimist. „Theoretisch ist alles möglich“, betonte der 55-Jährige und demonstrierte damit einmal mehr, warum ihm Begriffe wie Aufgabe oder negative Einstellungen fremd sind. „Wir haben an die Ehre der Mannschaft appelliert“, erzählte er von der jüngsten Einheit. „Schwer ist es, das wissen wir. Aber das Leben ist nicht immer süß und schön, du musst wieder aufstehen.“ Die Psyche seiner Spieler sei gefordert, er nannte Angst, das Wissen um das ständige Müssen, all das sei nicht leicht, wenn man jeden Tag unter Druck stehe. Es werde, wenn Ergebnisse ausbleiben, freilich nicht leichter, im Gegenteil. In den Matches in Altach und gegen Mattersburg müssen nun Siege her.

 

Stolz der Mattersburger

Selbst wenn man eine verdiente 1:0-Führung noch aus der Hand gab, findet Chabbi weiterhin keinen Grund zum Schwarzmalen. „Wir sind die vergangenen fünf Spiele zu Hause ungeschlagen und im letzten Quartal Fünfter in der Tabelle. Die Mannschaft ist intakt, versucht Fußball zu spielen. Wir haben halt auch Pech“, sagte Chabbi, dem das Restprogramm St. Pöltens und des rein rechnerisch noch nicht geretteten WAC Hoffnung gibt. In der 35. Runde treffen die beiden Klubs aufeinander, zum Abschluss bekommt es WAC mit Sturm Graz zu tun, St. Pölten muss zu Rapid.

Groß war hingegen die Erleichterung in Mattersburg – und auch der Stolz. „Wir haben ein überzeugendes Frühjahr gespielt“, betonte Trainer Gerald Baumgartner, dem es seit seiner Amtsübernahme im Winter gelungen ist, das Ruder herumzureißen. Noch in der 21. Runde bzw. vor gut drei Monaten war man als Schlusslicht Abstiegskandidat Nummer eins gewesen. „Ich bin der Trainer, ein paar Prozent Anteil habe ich wahrscheinlich schon“, meinte Baumgartner gegenüber Sky.

Dass der 1:0-Heimerfolg über Altach trotz eines echten Kraftakts auch Glück erforderte, wollte Siegtorschütze Alois Höller gar nicht verhehlen. „Das Abseitstor ist mir egal, oben sind wir – und das ist wichtig“, meinte der Routinier. Ob es auch dazu führen wird, dass Stefan Maierhofer im Burgenland bleiben wird? Der Stürmer soll zwischen zwei Welten pendeln, die Rückkehr auf die Fußballinsel wird kolportiert mit einem Offert der Queens Park Rangers. Der gesicherte Verbleib in Österreichs höchster Liga soll für den 34-Jährigen aber auch einen großen Anreiz darstellen.

 

Pfeifenbergers Glücksgefühle

Kräftiges Durchatmen war nicht nur aus Mattersburg zu vernehmen. Auch in Wolfsberg kam nach dem 2:1 gegen Austria Feierstimmung auf. Sechs Punkte Vorsprung auf Ried samt dem besseren Torverhältnis rückten den Klassenerhalt in greifbare Nähe. „Beim Schlusspfiff war es unbeschreiblich. Ich habe Glücksmomente gespürt“, gestand Trainer Heimo Pfeifenberger, der erst vor einem Monat in ungewisser Situation seinen Vertrag verlängert hatte. Dennoch mahnte er vor den abschließenden Partien in St. Pölten und Graz Vorsicht ein: „Wer zu früh feiert, erlebt ein blaues Wunder.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.05.2017)