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ÖBB verkaufen "Hellö"-Fernbus an deutschen Flixbus

AFP (THOMAS SAMSON)

Nicht einmal ein Jahr nach dem Start ziehen die Österreichischen Bundesbahnen nun bei ihrer Fernbus-Schiene "Hellö" die Notbremse.

Das "Fernbus-Start-up Hellö" werde an den deutschen Konkurrenten Flixbus verkauft, teilten die ÖBB am Montagvormittag mit. Der Vertrag zwischen ÖBB und Flixbus soll mit 1. Juni 2017 in Kraft treten, die gesamte Transaktion bis Ende Juli abgeschlossen sein.

Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden. Die Arbeitsplätze der "Hellö"-Lenker seien gesichert, sie werden beim ÖBB-Postbus eingesetzt. "Hellö" war im Juli 2016 mit Fernbusverbindungen zu Billigpreisen etwa nach Berlin, München, Zürich und Venedig gestartet und kämpfte laut Medienberichten mit großen Verlusten.

Seit dem Eintritt von Hellö habe sich der Fernbus-Markt deutlich verändert und ist von niedrigen Ticketpreisen und starker Konsolidierung gekennzeichnet. Mehrere Marktteilnehmer hätten den Markt verlassen oder wurden übernommen. Trotz des erfolgreichen Starts und des positiven Kundenfeedbacks sei davon auszugehen, dass die von den ÖBB angestrebten Ticketpreise in diesem Marktumfeld in absehbarer Zeit nicht durchsetzbar sind, teilten die Bundesbahnen mit. Mit diesem Zusammenschluss würden die Kunden ab Sommer von einem noch größeren Fernbus Angebot profitieren, erklärte Valerie Hackl, Vorstandsdirektorin der ÖBB Personenverkehr AG.

Flixbus-Gründer und Geschäftsführer Jochen Engert kommentiert die Übernahme in einer Aussendung: "Wir freuen uns auf viele neue Kunden und eine langfristige Zusammenarbeit mit den ÖBB. Gemeinsam bieten wir Österreichs Reisenden eine noch attraktivere Alternative zum eigenen Auto."

Durch die Zusammenführung von Hellö und FlixBus steht den ÖBB-Kunden künftig der Zugang zu Europas größtem Fernbusnetz mit rund 1.000 Zielen in 22 Ländern offen. Hellö Tickets sind ab 1. Juni auch über FlixBus buchbar. Ab 1. August können FlixBus Tickets direkt und auch über die neue, von den ÖBB kürzlich mit Partnern präsentierte Mobilitäts-App wegfinder.at gekauft werden.

FlixBus ist 2013 als Startup im Rahmen der Marktöffnung zunächst in Deutschland gestartet. Im Sommer 2014 erweiterte FlixBus gemeinsam mit der Österreichischen BLAGUSS-Gruppe erstmals sein Fernbusnetz Richtung Österreich und seit Kurzem Richtung CEE. 2016 beförderten die FlixBusse in Österreich mit 2,7 Millionen Reisenden bereits doppelt so viele Fahrgäste wie im Jahr zuvor. Mit 150.000 täglichen Verbindungen zu über 1.000 Zielen bieten die grünen Fernbusse mittlerweile Europas größtes Netz und befördern europaweit mehr als 30 Millionen Menschen pro Jahr.

Marke Hellö wird verschwinden

Mitte Juli 2016 waren die schwarzen Mercedes-Busse unter dem Markenmotto "Hellö - Der Fernbus gegen Fernweh" gestartet. Elf Linien wurden bedient, zum Start wurden Kampfpreise von 15 Euro je Strecke angeboten. Das Projekt war noch unter dem vorherigen ÖBB-Chef Christian Kern, nunmehr Bundeskanzler, gestartet worden. Sein Nachfolger an der ÖBB-Spitze, Andreas Matthä, nannte bei der Bilanzpressekonferenz Ende April 2017 keine Zahlen zum finanziellen Abschneiden der Fernbussparte. Bei der ersten Präsentation der Fernbusse im Juni 2016 hieß es, innerhalb von fünf Jahren wolle man in dem neuen Segment profitabel sein. Im Jänner 2017 wurde das Linienangebot angepasst, bisher seien 100.000 Tickets verkauft worden, hieß es von ÖBB-Seite. Die "Hellö"-Marke soll im Laufe des Jahres verschwinden.

(APA)