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Perfider geht es kaum noch: Terror gegen Teenies

May 22 2017 Manchester Manchester UK Manchester UK Police and other emergency services are
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Kommentar Der Anschlag in Manchester war besonders heimtückisch. Er traf vor allem Kinder und Jugendliche nach einem Pop-Konzert - und eine Nation, die nach dem Brexit zerrissen ist und im Wahlkampf steckt.

Eltern, die via soziale Medien verzweifelt ihre Kinder suchen; Teenager, die ihre Hoffnung noch nicht aufgegeben haben, ihre Freunde wiederzusehen: Großbritannien stand Dienstag früh unter dem Schock eines neuerlichen, besonders perfiden Terroranschlags. Es sind wieder einmal Bilder des Horrors, die von Manchester aus um die Welt gehen. Und es wird den Briten diesmal schwer fallen, dem seit dem Zweiten Weltkrieg bewährten Credo treu zu bleiben, das sie durch alle Katastrophen und Krisen geführt hat: Keep calm and carry on.

Der Selbstmordattentäter hatte sein Ziel bewusst ausgesucht. Er wählte für seinen heimtückischen Anschlag nicht London, die Hauptstadt, die nach der Bombenserie auf das öffentliche Verkehrssystem im Juli 2005 aufgerüstet hat: mit omnipräsenten Videokameras und einer rigorosen Überwachung fanatischer Islamisten-Zirkel. Die Amokfahrt eines Terroristen vor wenigen Wochen an der Westminster Bridge, unmittelbar vor dem Parlament, konnten die Sicherheitsmaßnahmen allerdings auch nicht verhindern. Selbst ein totalitärer Überwachungsstaat könnte dies nicht, geschweige denn eine liberale Demokratie nach westlichem Muster, die die Grundfreiheiten hochhält.

Der Attentäter nahm das Konzert des Teenie-Pop-Idols Ariana Grande in der Manchester Arena ins Visier - und er wartete, bis der letzte Song verklungen war, um sich in der Lobby in die Luft zu jagen und möglichst viele mit seiner Nagelbombe in den Tod zu reißen: Teenies, die aus der Halle strömten; Eltern, ältere Geschwister und Freunde, die sie abholen wollten. Zu diesem Zeitpunkt greifen auch die besten Sicherheitskontrollen nicht mehr.

Theresa May, eine "Eiserne Lady"

Er wollte offenbar auch eine Demokratie in einer besonders sensiblen Zeit treffen: mitten im Wahlkampf in einem Land, das seit dem Brexit-Votum im Vorjahr zerrissen ist. Die Nation steht nun für einen Moment zusammen. Sie schart sich hinter der Premierministerin Theresa May, die zuvor eine harte Innenministerin war. Mit ihrer Law-and-Order-Politik, die sie auch gegen Terroristen und Islamisten betrieben hat, erwarb sie sich den Ruf einer "Eisernen Lady". In seltener Einmütigkeit mit Oppositionsführer Jeremy Corbyn, dem Labour-Chef, hat sie den Wahlkampf vorübergehend ausgesetzt - bis die schlimmsten Wunden verheilt sind und sich die Trauer gelegt hat.

Die effizienten britischen Sicherheitskräfte werden den Anschlag und die Hintergründe schnell aufgeklärt haben. Die Briten werden am 8. Juni unter dem Schock des Terrors ein neues Parlament wählen - und die Tories um Theresa May, die haushohen Favoriten, wohl im Amt bestätigen. Alles andere wäre eine Sensation.

Die Terrorbedrohung wird indessen nicht weichen. In dem Maße, in dem die Terrormiliz Islamischer Staat im Irak und in Syrien an Terrain verliert, wächst die Gefahr, dass Einzeltäter in ihrer alten Heimat zuschlagen. Da nützen selbst die besten, ausgetüfteltsten Präventivmaßnahmen nichts. Das müssen auch Politiker wie Theresa May ganz ehrlich eingestehen - selbst im Wahlkampf.