Immer mehr EU-Bürger verlassen Großbritannien

Ein Demonstrant wirbt gegen Zuwanderungsbeschränkungen.
Ein Demonstrant wirbt gegen Zuwanderungsbeschränkungen.APA/AFP/JUSTIN TALLIS

Nach dem Brexit-Votum ist die Zuwanderung 2016 um 84.000 Menschen gesunken. Auch die Wirtschaft spürt die Auswirkungen: Das BIP-Wachstum verlangsamt sich.

Weil viele EU-Bürger das Land verlassen haben, ist die Zuwanderung nach Großbritannien im vergangenen Jahr stark zurückgegangen. Die Zahl der Menschen, die in das Land einwanderten, fiel um 84.000 auf 248.000, wie die nationale Statistikbehörde ONS am Donnerstag in London mitteilte. Der Rückgang ging hauptsächlich darauf zurück, dass 43.000 Personen weniger aus EU-Staaten kamen und zugleich 31.000 mehr von ihnen Großbritannien verließen.

Rund zur Hälfte wurde der Rückgang von Bürgern der östlichen EU-Staaten Tschechien, Polen, Ungarn, Estland, Lettland, Litauen, Slowenien und der Slowakei verursacht. Aus diesen Ländern kamen 25.000 Personen weniger, während 16.000 mehr auswanderten.

Die Migrationszahlen sind die letzten vor der britischen Parlamentswahl im nächsten Monat. Premierministerin Theresa May hatte in der vergangenen Woche erneut ihr Ziel unterstrichen, die Zuwanderung nach Großbritannien unter 100.000 Personen im Jahr zu drücken. Im Wahlprogramm ihrer Konservativen hatte sie versprochen, die Bewegungsfreiheit für EU-Bürger nach Großbritannien einzuschränken.

Pfund hat deutlich an Wert verloren

Auch die britische Wirtschaft bekommt die Spätfolgen des Brexit-Votums zu spüren und wächst nicht mehr so schnell. Das Wachstum des BIP verlangsamte sich zwischen Jänner und März zum Vorquartal auf 0,2 Prozent, teilte das nationale Statistikamt ONS am Donnerstag mit. Ende 2016 hatte die Wirtschaft noch um 0,7 Prozent zugelegt.

Das Pfund hat nach dem Votum im Juni 2016 für einen EU-Austritt deutlich an Wert verloren, was für einen kräftigen Anstieg der Verbraucherpreise sorgte. Zuletzt hinkte das Lohnwachstum der Inflation hinterher. Das belastet die Kaufkraft der Briten. Premierministerin Theresa May hat für den 8. Juni Neuwahlen angesetzt. Mit einem klaren Sieg könnte sie ihre Position bei den Brexit-Verhandlungen mit der EU stärken.

(APA/dpa)