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EU-Postenvergabe: Alles hört auf die großen Drei

EU-Postenvergabe: Alles hört auf die großen Drei
(c) Reuters (Kai Pfaffenbach)
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27 Staats- und Regierungschefs sollen sich heute darauf einigen, wie die Posten verteilt werden. Die Meinung von Deutschland, England und Frankreich ist beim Sondergipfel entscheidend.

Brüssel.„Fußball ist ein Spiel für 22 Menschen, die herumlaufen und mit dem Ball spielen, und einen Schiedsrichter, der eine Menge Fehler macht. Und am Ende gewinnt immer Deutschland“, hat der englische Fußballer Gary Lineker einmal gesagt.

Mit einigen zarten Änderungen bringt dieses Aperçu auch auf den Punkt, was beim Sonder-Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs am Donnerstagabend in Brüssel passieren wird: ein Spiel für 27 Menschen, die beim Abendessen herumsitzen und mit Namen spielen, und einen Ratsvorsitzenden, der eine Menge Fehler macht – und am Ende hört immer alles auf Deutschland.

Die 27 Menschen: Das sind die Staats- und Regierungschefs, die sich einigen sollen, wer Ratspräsident wird und wer Hoher Vertreter für Außen- und Sicherheitspolitik. Die Namen, mit denen gespielt wird, reichen vom belgischen Premier Herman van Rompuy (der laut dem deutschen Botschafter in Belgien die Unterstützung von Angela Merkel hätte) für das Amt des Präsidenten bis zu zwei sozialistischen Kandidaten für den Hohen Vertreter, nämlich Italiens Alt-Regierungschef Massimo D'Alema und Spaniens Außenminister Miguel Angel Moratinos.

Aber wie gesagt: Mit diesen Namen wird herumgespielt. Moratinos etwa sagte am Mittwoch, er stehe nicht zur Verfügung, obwohl sein Regierungschef, José Luis Zapatero, ihn tags zuvor ausdrücklich als solchen bezeichnet hatte. D'Alema wiederum soll bereits aus dem Rennen sein, weil er erstens schlechter Englisch spricht als der Ex-Barcelona-Legionär Lineker Spanisch und zweitens einst Chef der Kommunisten war, was den Osteuropäern nicht gefällt.

Der Ratsvorsitzende, Schwedens Premierminister Fredrik Reinfeldt, muss sich zusehends vorwerfen lassen, einige Fehler bei der Suche nach Kandidaten für diese beiden Posten gemacht zu haben. Er haben zu lange gezaudert, heißt es in Brüsseler Diplomatenkreisen.

Man wartet auf die Kanzlerin

Das hat wie stets, wenn Posten in langen Nächten vergeben werden, zur Folge, dass die Großen entscheiden. London könnte den Hohen Vertreter sofort bekommen, wird geraunt – sogar, wenn es die außenpolitisch unerfahrene Handelskommissarin Catherine Ashton nominieren sollte. Frankreich wird für den Verzicht auf die beiden Posten mit einem mächtigen Wirtschaftsressort in der Kommission belohnt werden.

Und Deutschland? „Alle werden beim Dinner darauf warten, bis die Kanzlerin spricht“, sagte Antonio Missiroli vom European Policy Centre zur „Presse“.

Mit einer Nachspielzeit ist zu rechnen: Das Ratssekretariat hat sicherheitshalber für Freitag Frühstück und Mittagessen bestellt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.11.2009)