Aktienrallye treibt Firmen wieder an die Börsen

(c) AP (Li Gang)
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In den USA und China ist das Geschäft schon wieder angesprungen, Europa soll 2010 folgen. In Österreich gab es heuer keinen einzigen Börsegang.

Frankfurt/Singapur/New York (Bloomberg/eid). 1,19 Mrd. Euro hat die Immobilienholding CapitaLand am Dienstag über den Börsegang ihrer Tochter CapitaMalls beschafft. Damit ist in Singapur der größte Börsegang seit 1993 erfolgreich über die Bühne gegangen. Nicht nur im Stadtstaat ist das Geschäft mit IPOs (Initial Public Offering, erster Schritt an die Börse) wieder angesprungen. In China wagten heuer schon 60 Unternehmen den Sprung an die Börse, zuletzt erlöste das Brokerhaus China Merchants Securities 1,1 Mrd. Euro.

Auch in den USA lockt die positive Entwicklung der Aktienmärkte viele Unternehmen. Seit September sind Aktien im Wert von rund zehn Mrd. Dollar platziert worden. Allein diese Woche stehen fünf IPOs auf dem Programm. Darunter befindet sich mit dem Internet-Security-Spezialisten Fortinet das erste Start-up-Unternehmen aus Silicon Valley seit zwei Jahren.

Für die Anleger in den USA entwickelten sich die Neuzugänge allerdings enttäuschend: Neue Aktien lieferten die schlechteste Rendite seit Beginn der Aufzeichnungen von Bloomberg vor 14 Jahren. Drei geplante Börsegänge wurden in den vergangenen zwei Wochen auch abgeblasen.

Auch in China lässt die überhitzte Nachfrage nach Aktien offenbar nach. Merchants Securities hat am ersten Handelstag nur 8,4 Prozent zugelegt, was für chinesische Verhältnisse schon einen Misserfolg bedeutet. Im Schnitt gingen Börsedebütanten in China heuer am ersten Handelstag mit einem Kursgewinn von 81 Prozent aus dem Markt.

Für Europa rechnet der Finanzinvestor CVC Capital Partners im nächsten Jahr mit einem Boom an Börsengängen. CVC-Deutschland-Chef Steven Koltes hält in Europa mindestens ein halbes Dutzend Börsengänge mit einem Volumen von über je 1,5 Mrd. Euro für möglich. „Die Zeit drängt, weil die IPO-Märkte nicht auf Dauer offen sind“, wird Koltes vom „Handelsblatt“ zitiert.

Viele Finanzinvestoren würden im nächsten Jahr Beteiligungen über die Börse verkaufen. Dazu gehört etwa der Chemikalienhändler Brenntag von BC Partners. Bei CVC in Europa sind der Messtechnikkonzern Elster und der Druckzulieferer Flint potenzielle Kandidaten. Ob der Mischkonzern Evonik, an dem CVC mit gut 25 Prozent beteiligt ist, vor 2013 an die Börse kommen könnte, wollte Koltes nicht kommentieren.

Wiener Börse hofft auf 2010

In Österreich gab es heuer keinen einzigen Börsegang, das Marktgeschehen war und ist von Kapitalerhöhungen und Anleihen geprägt. Bisher wurden allein bei Kapitalerhöhungen 2,3 Mrd. Euro erlöst, die volumsstärkste war mit 1,74 Mrd. Euro jene der Erste Group.

An der Wiener Börse sieht man die Kapitalerhöhungen als „Eisbrecher“. Die Pipeline sei schon gut gefüllt, sagt Börse-Sprecherin Beatrix Exinger zur „Presse“. „Wir rechnen zumindest mit zwei IPOs in den nächsten Monaten.“

AUF EINEN BLICK

Die deutliche Erholung der Aktienmärkte lockt wieder viele Unternehmen an die Börsen. In den USA und in China hat sich die Zahl der IPOs seit September deutlich erhöht.

Für Europa rechnet der Finanzinvestor CVC 2010 mit einem Börseboom. Viele Fonds würden Beteiligungen verkaufen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.11.2009)

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