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Notenbank-Tagung: Gutes Bargeld, schlechte Bitcoins

Auch eine Notenbank-Kryptowährung könne Bargeld nicht ersetzen, sagt OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny.
Auch eine Notenbank-Kryptowährung könne Bargeld nicht ersetzen, sagt OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny.(c) REUTERS (

Auch die SPÖ stellt sich nun demonstrativ hinter das Bargeld. OeNB-Chef Ewald Nowotny warnt derweil vor Bitcoin. Die Notenbanken arbeiten schon an Alternativen.

Wien. Einen Kampf gegen das Bargeld? Den gibt es nicht, findet Kanzleramtsminister Thomas Drozda (SPÖ). „Manche Politiker setzen sich gern in Szene als Kämpfer gegen diese imaginäre Bedrohung“, sagte Drozda am Montag anlässlich der Volkswirtschaftlichen Tagung der Nationalbank. „Wir in der Regierung haben keine Absicht, das Bargeld wegzunehmen“, so Drozda, der in Vertretung von Kanzler Christian Kern gekommen war. „Wir werden Bargeld für die absehbare Zukunft weiter verwenden.“

Tatsächlich ist Österreich eines der wenigen Länder, in dem keine generellen Obergrenzen für die Nutzung von Bargeld bestehen. Solche Einschränkungen des Bargeldverkehrs hat Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) bisher immer abgelehnt. Der neue Wirtschaftsminister, Harald Mahrer (ÖVP), wollte ein „Bekenntnis zum Bargeld“ sogar in der Verfassung verankert wissen. Mit Drozdas Aussagen ist der Streit ums Bargeld jetzt in den Wirren des Wahlkampfs angekommen.

 

Österreicher lieben Bargeld

Das Bargeld ist mit gewaltigem Abstand die beliebteste Zahlungsmethode in Österreich. Wer sich mit jenen Ökonomen, Banken und Technologiefirmen gemein macht, die das Bargeld einschränken wollen, begeht hierzulande politischen Selbstmord. Auch OeNB-Chef Ewald Nowotny hat sich bereits mehrmals zum Bargeld als Zahlungsmittel bekannt und war auch innerhalb der EZB einer der Gegner der Abschaffung des 500-Euro-Scheins, die vergangenes Jahr beschlossen wurde.

Nowotny hat ein anderes Problem im Auge: Bitcoin. Er bekräftigte am Montag seine Kritik an dieser Kryptowährung, die sich immer größerer Beliebtheit erfreut. Bitcoin war überhaupt eines der zentralen Themen der Konferenz, auf der die „Zukunft des Finanzssystems“ erörtert wurde. Allerdings meist in einem negativen Sinne. Fazit: Die Notenbanker sehen die Zukunft des Finanzsystems nicht in einer dezentral organisierten Währung, die keine Notenbanker braucht. Im Gegenteil: Bitcoin sei „nicht ungefährlich, weil es zu einer Bubble kommen kann“, so Nowotny.

Das könnte sogar zu einer „Verunsicherung des gesamten Geldsystems führen, obwohl Bitcoin damit gar nichts zu tun hat“, sagte Nowotny. „Psychologisch ist das ein bisschen wie die Tulpenblase in den Niederlanden“, zieht der OeNB-Chef Parallelen zwischen der Bitcoin-Begeisterung und dieser ersten großen Spekulationsblase. Die Alternative? Mehrere Notenbanken arbeiten inzwischen an eigenen Digitalwährungen auf Basis der Blockchain – also jener Technologie, die auch Bitcoin zugrunde liegt. Auch das sei „kein Ersatz für Bargeld“, sagte Nowotny. „Aber es kann eine relevante Ergänzung sein. Ein von Notenbanken und dem öffentlichen Sektor kontrolliertes System, das nicht intransparent ist wie etwa Bitcoin.“

 

Viele neue Währungen

Aber gerade bei diesem Punkt halten die Befürworter von Kryptowährungen wie Bitcoin dagegen: Denn dank der Blockchain, in der jede Transaktion öffentlich zugänglich gespeichert wird, sei Bitcoin eben durchaus transparent. Gleichzeitig aber auch anonym, weil die öffentlich sichtbaren Transaktionen zwar konkreten „Wallets“ zuzuordnen sind – die Besitzer dieser Konten aber anonym bleiben können.

Bitcoin ist freilich aktuell ein großer Hype. Und Nowotnys Warnung vor einer Blase ist gut begründet. Es gibt zwar inzwischen mehr als 700 weitere Kryptowährungen, insgesamt stecken aber nur knapp 70 Mrd. Dollar in diesem Sektor. Dennoch: Die Technologie ist nicht mehr wegzudenken. Und dass die Notenbanken inzwischen an ihren eigenen Bitcoin-Alternativen arbeiten, ist ein guter Hinweis darauf. Fast sieht es so aus, als würde man langsam nervös werden ob der neuen Konkurrenz.

Nowotny sieht das aber anders: „Der Erfolg von Bitcoin macht uns nicht nervös. Notenbanken denken langfristig. Aber wir sehen neue technologische Entwicklungen – und mit diesen muss man sich beschäftigen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.05.2017)