Das wird Wien auf die Beine bringen!

Krise? Nicht in der österreichischen Kunstszene! In der Post stapeln sich Kataloge, die Abende quellen über vor Previews, Eröffnungen, Diskussionen, Auktionen. Als gäbe es kein Morgen, als verursache schon der Gedanke an Privatleben Panikattacken. Künstler, Kuratoren, Galeristen suchen mit allen Mitteln die von Krise und Grippe gebeutelten Besucher, Sponsoren, Sammler daran zu hindern, es sich endgültig in ihren kuscheligen Kokons zu Hause bequem zu machen.

Neueste Anti-Cocooning-Attacke: die „Vienna Art Week“, die am Dienstag mit einer Megaparty im Dorotheum eröffnet wurde. „Das wird die Wiener wieder auf die Beine bringen, denn die Anrainer des Wienflusses sind als kunst- und vergnügungssüchtig bekannt“, heißt es dazu verräterisch in der deutschen „Welt“, der bisher einzige vom Archiv ausgespuckte internationale Response auf die protzig promotete Kunstwoche.

Im ganzen schicken Saus und Braus rund ums Dorotheum muss man sich also doch fragen, was diese seit fünf Jahren bestehende Kunstaktionswoche eigentlich bringt: Klares Highlight waren die international besetzten Podiumsdiskussionen, die bewiesen, wie ausgehungert die Wiener Kunstszene nach profunden Meinungen, nach Persönlichkeiten von außen ist. Die Gallery-Night dagegen war ein Reinfall, die wichtigsten Galerien hatten in der Vorwoche eröffnet, viele sperrten aufgrund gähnender Leere lange vor Mitternacht zu.

Durch die Entkoppelung der Art-Week von der Kunstmesse „Viennafair“ schmort die Kunstwoche mehr als sonst im eigenen Saft, wirkt wie das aufwendige Rahmenprogramm für die nächste Auktionswoche des Dorotheums – die Auktionsausstellung ist sozusagen das „Festivalzentrum“ der Art-Week.

Beim Nachdenken über Wien als ein Zentrum der globalen Kunst aber wird klar – das Potenzial hätten wir. Um in der Konkurrenz der Biennalen, Kunstpreise, Kulturstiftungen noch eine unverwechselbare Position zu ergattern, braucht es aber kulturpolitischen Willen und einen wirklich großzügigen Patzen Geld. Und zwar flott.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.11.2009)

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