Monologe statt Dialog: Rektor und Besetzer weiter uneins

(c) AP (Lilli Strauss)
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Studenten kritisierten Struktur des Treffens, der Rektor die Uni-Politik. Der runde Tisch blieb ergebnislos.

Wien (chs). Die Erwartungen an das Treffen zwischen den führenden Vertretern der Uni Wien, den Audimax-Besetzern und der ÖH waren gering. Und das zu Recht. Zu einer Annäherung kam es im zweieinhalbstündigen Gespräch nicht. Nur selten verschmolzen die Monologe der rund 30 Teilnehmer zum echten Dialog. Das lag nicht zuletzt an der wenig konstruktiven Einstellung, mit der die Vertreter der Audimax-Besetzer ins von Sicherheitskräften bewachte Juridicum kamen. Sie stellten gleich zu Beginn klar, dass sie „nicht hier sind, um Gespräche zu führen“, sondern nur, um ihre Positionen zu verkünden. Bei ihren wenigen Redebeiträgen beschränkten sie sich darauf, die Struktur des „viel zu kurzen“, exklusiven Treffens und den Rektor, der sich trotz Einladung nicht ins Audimax traue, zu kritisieren. Ihre Besetzung sei ein „Rundumschlag“ gegen Politik und Gesellschaft.

Betreuungsverhältnis: „Der wunde Punkt“

Die inhaltliche Diskussion spielte sich dann weitgehend zwischen der Uni-Leitung und den gewählten Studentenvertretern der ÖH sowie den studentischen Mitgliedern im Senat ab. Bei einem der wichtigsten Themen – den schlechten Betreuungsverhältnissen an der Uni – war dann ein gemeinsamer Gegner schnell gefunden: der (abwesende) Minister. Jus-Dekan Heinz Mayer attestierte gar allen Parteien „Konzeptlosigkeit“.

Woran ein besseres Lehrenden-Studierenden-Verhältnis (für das Rektorat der „große wunde Punkt“) scheitere, sei die Finanzierung, so Rektor Georg Winckler. Die Uni habe in den vergangenen Jahren die Zahl der Lehrveranstaltungen zwar um 15 Prozent gesteigert, es gebe aber „enge finanzielle Grenzen“. Er forderte die Erhöhung des Budgets auf zwei Prozent des BIPs – und zwar nicht bis 2020, sondern bis 2015. Der ÖH ist selbst das zu wenig.

Themen waren auch die „Überfüllung der Studienpläne“ und die Verschulung der Uni durch die Umstellung auf das neue Bachelor-Master-System, wie ÖH-Chefin Sigrid Maurer kritisierte. Die für die Studienpläne maßgeblich verantwortlichen Senatsvertreter zeigten zumindest in diesem Punkt Verständnis: Man müsse sich „zusammensetzen“. Die Studenten forderten zudem mehr Mitbestimmungsrechte: „Gerade in einer finanziellen Mangelsituation sollen alle mitentscheiden, wie das Geld verwendet wird.“

Die nächsten Gespräche zwischen Rektor und Studenten sind für 26.November – den Tag nach dem von Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) einberufenen „Hochschuldialog“ – geplant. Die Besetzer veranstalten am 25.November zudem ein Konkurrenztreffen: einen „echten Bildungsdialog“ im Wiener Palais Kabelwerk.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.11.2009)

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