Da die Banken bei der Kreditvergabe sehr vorsichtig agieren, sind die Chancen auf eine Kapitalspritze drastisch gesunken. Bei guter Bonität sind aber Kredite zu haben.
WIEN (pb). Den heimischen KMU macht die Wirtschafts- und Finanzkrise schwer zu schaffen – nicht nur, was die Umsatzentwicklung betrifft, sondern auch im Hinblick auf die Finanzierungsmöglichkeiten. Da die Banken bei der Kreditvergabe sehr vorsichtig agieren, sind die Chancen auf eine Kapitalspritze drastisch gesunken – speziell bei schlechterer Bonität.
Karl Fröstl, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Unico, spricht von einer gravierenden Veränderung: „Früher hat man Kredite fast auf Zuruf bekommen. Jetzt muss man Finanzierungen genauso akquirieren wie Kunden“, so der Experte. Ohne entsprechende Sicherheiten sei es nahezu unmöglich, zu einem Kredit zu kommen. Die Basel-II-Regelungen seien hier zusätzlich erschwerend. Fazit: „Für ein Unternehmen, dem es schlecht geht, ist es sehr schwierig, zu Geld zu kommen.“ Bei guter Bonität sei eine Finanzierung dagegen durchaus zu erhalten.
Den Schlüssel zum Erfolg beim Ansuchen um einen Kredit sehen Experten in gut aufbereiteten Unterlagen – womit vor allem kleinere Unternehmen oft gewisse Probleme haben. Dazu zählt Fröstl etwa eine aktuelle Bilanz, eine unterjährige Darstellung sowie eine Planrechnung – zumindest für das kommende Jahr. Denn „die Bank will schließlich wissen, wie es gerade läuft und wie es weitergehen wird.“ Alois Frank, Leiter Unternehmensberatung Wifi Wien, schlägt in die gleiche Kerbe: „Die Banken wollen Informationen, die auch geliefert werden müssen, um eine gute Beziehung sicherzustellen.“
Nachfrage nach Förderungen
„Obwohl Banken nach wie vor der erste Ansprechpartner sind, ist es sinnvoll, sich parallel dazu auch nach anderen Finanzierungsquellen umzusehen“, rät Frank. Vor allem Fördermöglichkeiten für Projekte sollten ins Auge gefasst werden. Die Nachfrage nach Beratung in diesem Bereich sei krisenbedingt deutlich gestiegen: „Im Vergleich zum Vorjahr haben wir um rund 50 Prozent mehr Anfragen.“
Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage haben Stadt Wien und Wirtschaftskammer Wien die Mittel für ihre gemeinsame Kreditaktion für Kleinbetriebe von 2,5 auf fünf Millionen Euro aufgestockt. Unternehmer, deren steuerlicher Jahresreingewinn 40.000 Euro nicht übersteigt, können bis zu 8000 Euro für den Einkauf von Betriebsmitteln, die Durchführung von notwendigen Investitionen oder die Überbrückung vorübergehender Illiquidität bekommen. Jungunternehmern werden Kredite im Ausmaß von 10.000 Euro in Aussicht gestellt.
Seit Jahresbeginn hat die Förderbank Austria Wirtschaftsservice 500 geförderte ERP-Kleinkredite mit einem Volumen von mehr als zwölf Milliarden Euro vergeben. Die Kredithöhen bewegen sich zwischen 10.000 und 30.000 Euro. Über 50 weitere Kreditanträge soll in Kürze entschieden werden. AWS-Geschäftsführer Johann Moser spricht von einer deutlichen Zunahme an Kreditanträgen in den letzten Monaten. Aus dem ERP-Fonds wurden seit Jahresbeginn Kredite im Ausmaß von 450 Millionen Euro vergeben.
Von einer verstärkten Nachfrage spricht man auch bei UniCredit Leasing. „Tendenziell steigt derzeit das Interesse der Unternehmen an Leasing, weil damit die Liquidität und das Rating verbessert werden können. Investitionen werden aber oft noch zurückgestellt – oder in manchen Branchen, beispielsweise im Transportwesen, überhaupt nicht getätigt“, so Geschäftsführer Günther Fischer. Mit Mitteln aus einem Globaldarlehen der Europäischen Investitionsbank (EIB) sei es möglich, KMU-Vorhaben bis zu Gesamtprojektkosten von 12,5 Millionen Euro zu 100 Prozent zu refinanzieren.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.11.2009)