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London-Terror: IS reklamiert Anschlag für sich

Als Zeichen der Solidarität mit den Opfern des Anschlags in London ist am Sonntagabend das Brandenburger Tor in Berlin in den britischen Nationalfarben angeleuchtet worden.
Als Zeichen der Solidarität mit den Opfern des Anschlags in London ist am Sonntagabend das Brandenburger Tor in Berlin in den britischen Nationalfarben angeleuchtet worden.AFP (JOHN MACDOUGALL)
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Die Terrormiliz "Islamischer Staat" hat den Terroranschlag in London für sich reklamiert. Die britische Polizei hat indes weitere Personen festgenommen.

Nach dem Anschlag von London meldet die britische Polizei weitere Festnahmen. Bei Razzien in den frühen Morgenstunden seien am Montag im Osten von London "mehrere Menschen" festgenommen worden. Anti-Terror-Einheiten hätten dort zwei Immobilien durchsucht. Die Ermittlungen würden liefen weiter, gab die Polizei bekannt. Zuletzt hatte sie von bisher zwölf Festnahmen gesprochen.

Demzufolge befanden sich noch sieben Frauen und vier Männer in Gewahrsam, nachdem ein Mann auf freien Fuß gesetzt worden war. Unter Leitung von Premierministerin Theresa May sollte am Montag das Sicherheitskabinett zusammenkommen. Dabei sollten Konsequenzen aus dem dritten Anschlag in Großbritannien binnen drei Monaten beraten werden.

Mehrere Menschen würden noch verhört, teilte die Polizei der britischen Hauptstadt am frühen Montagmorgen auf Twitter mit. Details nannte sie nicht. Ermittler seien noch damit beschäftigt, zwei Wohnungen in den Stadtteilen Newham und Barking zu durchsuchen. Bereits am Sonntag hatte es mehrere Festnahmen gegeben.

"Das Blutvergießen muss enden"

US-Präsident Donald Trump hat Großbritannien nach den Terroranschlägen in London erneut "unerschütterliche Unterstützung" zugesagt. Zugleich betonte er seine Entschlossenheit, die USA mit allen nötigen Mitteln vor terroristischen Attacken zu schützen.

Die USA würden alles in ihrer Macht Stehende tun, um die Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen, sagte Trump am Sonntagabend (Ortszeit) bei einer Galaveranstaltung in Ford's Theater in Washington, dem historischen Ort, an dem Abraham Lincoln 1865 erschossen worden war. "Wir bekräftigen unsere Entschlossenheit, stärker denn je, die USA und ihre Verbündeten vor einem abscheulichen Feind zu schützen, der einen Krieg gegen unschuldiges Leben führt."

"Und es währt schon zu lange", fuhr der Präsident fort. "Dieses Blutvergießen muss enden. Dieses Blutvergießen wird enden. Als Präsident werde ich tun, was nötig ist, um zu verhindern, dass diese Bedrohung unsere Küsten erreicht."

Es waren Trumps erste öffentliche mündliche Äußerungen nach den Terroranschlägen in London. Zuvor hatte er mit der britischen Premierministerin Theresa May telefoniert, aber sich hauptsächlich via Twitter zu Wort gemeldet und dabei kräftig für seinen eigenen Kurs geworben.

IS reklamiert Anschlag

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hat den Terroranschlag in London für sich reklamiert. Kämpfer des Islamischen Staates hätten die Tat ausgeführt, teilte das IS-Sprachrohr Amaq am Sonntagabend im Internet mit. Die Nachricht konnte zunächst nicht auf Echtheit überprüft werden. Sie wurde aber über für den IS übliche Kanäle und in der üblichen Form verbreitet.

Bei dem Anschlag in London waren am späten Samstagabend sieben Menschen getötet worden. Knapp 50 Menschen wurden verletzt, unter ihnen nach Angaben des deutschen Innenministers Thomas de Maiziere (CDU) zwei Deutsche. Die Polizei erschoss die drei mutmaßlichen Attentäter. Details zu den Angreifern gaben die Behörden bisher nicht bekannt.

Es war das dritte Attentat binnen drei Monaten in dem Land - nach Manchester im Mai und wiederum London im März. Damit hat der IS nunmehr alle drei für sich beansprucht.

Nach dem Attentat vom Wochenende kündigte die britische Premierministerin Theresa May eine härtere Gangart im Anti-Terror-Kampf an. "Jetzt reicht's", sagte die Regierungschefin am Sonntag. Wenige Tage vor der Parlamentswahl stellte sie einen Vier-Punkte-Plan vor, der sich auch gegen den radikalen Islamismus richtet. "Wir können und wir dürfen nicht so tun, als ob alles einfach so weitergehen könnte. Etwas muss sich ändern", sagte May.

Sie stellte einen Vier-Punkte-Plan zur Bekämpfung des Terrorismus sowie des islamischen Extremismus vor. "Wir müssen viel stärker daran arbeiten, ihn zu erkennen und ihn aus dem öffentlichen Dienst und der Gesellschaft auszurotten." Mit dem Begriff "öffentlicher Dienst" spricht May vermutlich das Schulwesen an. Es gebe "viel zuviel Toleranz für Extremismus in unserem Land", sagte sie. Am Donnerstag wählen die Briten ein neues Parlament.

May drang zugleich auf eine bessere Überwachung und Regulierung des Internets und von Messenger-Diensten an. Extremisten dürften dort keine Rückzugsorte mehr finden. Sie betonte, dafür brauche es internationale Vereinbarungen.

Im Zusammenhang mit der Tat hielt die Polizei noch elf Menschen fest, sieben Frauen und vier Männer fest. Inwieweit sie in den Anschlag verwickelt waren, blieb zunächst unklar.

Mahnwache für die Opfer

Londons Bürgermeister Sadiq Khan rief für Montag (18 Uhr Ortszeit/19 Uhr MESZ) zu einer Mahnwache im Potters Fields Park auf, um der Opfer des Anschlags vom Samstag zu gedenken. Die Grünfläche liegt am Rathaus an der Themse und unweit der London Bridge, auf der die Terrorattacke am Samstagabend begonnen hatte.

Als Zeichen der Solidarität mit London und seinen Bewohnern wurde in Berlin am Sonntagabend das Brandenburger Tor mit dem "Union Jack", der britischen Flagge, angestrahlt.

Das letzte Attentat in Großbritannien liegt gerade einmal zwei Wochen zurück: In Manchester hatte am 22. Mai ein Selbstmordattentäter nach einem Auftritt der US-Sängerin Ariana Grande 22 Menschen mit in den Tod gerissen. Bei einem Benefizkonzert in der nordenglischen Stadt gedachte Grande am Sonntagabend gemeinsam mit Kollegen wie Miley Cyrus und Justin Bieber sowie 50.000 Zuhörern der Opfer dieses Anschlags. Zugleich wollten sie ein Zeichen gegen den Terror setzen. Das Konzert stand unter dem Motto "One Love Manchester".

(APA/dpa/Reuters)