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Anne-Sophie Mutter: Charmante Muse großer Meister

Das Wunderkind von einst gibt heute jungen Musikern Starthilfe.
Das Wunderkind von einst gibt heute jungen Musikern Starthilfe.(c) Salzburger Festspiele/Bastian Achard

Anne-Sophie Mutter feiert das Jubiläum ihres Salzburger Debüts auch mit Musik, die eigens für sie komponiert worden ist.

Sie ist die Galionsfigur der letzten Festspielwoche 2017: Anne-Sophie Mutter feiert in Salzburg heuer auch ein bemerkenswertes Jubiläum. Es ist genau 40 Jahre her, dass Herbert von Karajan die blutjunge Künstlerin bei seinen Pfingstkonzerten mit den Berliner Philharmonikern vorgestellt hat. Die ganze Welt staunte damals über das Talent des bagschierlichen Mädchens aus dem Schwarzwald, das so makellos schön Mozart spielte – von Karajans Orchester auf Händen getragen. Skeptiker, die in diesem spektakulären Debüt wieder einmal einen Vermarktungstrick der Klassikindustrie sehen wollten, verstummten bald. Denn Anne-Sophie Mutter mutierte vom Wunderkind rasch zur reifen Künstlerin und dann zur Grande Dame der internationalen Geigenvirtuosen. Die Ernsthaftigkeit, die hinter charmantem Lächeln verborgene, doch für ihre Interpretationen prägende kompromisslose Geradlinigkeit hat sie zu kultivieren verstanden.

Integre Künstlerin. Die Integrität kam der Künstlerin dann auch in Zeiten des unangefochtenen Weltruhms nie abhanden. Das macht ihre Stärke aus. Das war, was Karajan sogleich an dem jugendlichen Talent geschätzt und bis zur Perfektion gefördert und unterstützt hat. In den späten Jahren des Maestros gab es kaum einen anderen Violinsolisten. Mit der Mutter erarbeitete er – auch für Schallplatten und die damals neuen Compact Discs – die wichtigsten Konzerte der klassischen und romantischen Literatur, ob Mozart oder Beethoven, Brahms oder Mendelssohn – das Team Karajan/Mutter galt als verkaufsträchtig wie kein zweites.

Das Musizieren der Anne-Sophie Mutter hat Anbiederungen nie gekannt. Diese Ehrlichkeit lohnten der Künstlerin auch zeitgenössische Meister, die sich geehrt fühlten, wenn sie für eines ihrer Werke das ius primae noctis in Anspruch nahm. Es ist vielleicht kein Zufall, dass einige der stärksten Stücke für Violine und Orchester dieser Interpretin quasi auf den Leib geschneidert wurden: Für die Mutter komponierten Witold Lutosławski und Wolfgang Rihm, Krzysztof Penderecki und Sofia Gubaidulina – und selbstverständlich hat André Previn, Mutters zweiter Ehemann, seiner in allen Stilen des 20. und 21. Jahrhunderts firmen Partnerin sowohl eine Sonate als auch ein Konzert gewidmet, das ausdrücklich ihren Namen trägt.

Förderung junger Musiker. Sympathisch, dass sich Anne-Sophie Mutter gern an ihre eigene, früh geweckte Musikleidenschaft erinnert – sie begehrte mit fünf, Geige spielen zu dürfen und gewann mit 13, im Jahr ihres Debüts mit Karajan, die ersten Preise: Als gefeierte Virtuosin fördert sie nun seit Langem junge Musiker und gibt ihnen Starthilfe, wie sie sie einst vom Maestro assoluto bekommen hat.

Für Salzburg sind in ihrem Jubiläumsjahr Konzerte mit Anne-Sophie Mutter natürlich bei den Pfingstfestspielen im Programm, für den Sommer bereitet die Künstlerin ein Solo-Recital mit dem ihr lieb gewordenen Pianistenbegleiter Lambert Orkis vor, das ihre ganze künstlerische Spannweite demonstrieren wird: Nach einem eigens für sie komponierten Stück aus der Feder von Sebastian Currier erklingen am 26. August (21 Uhr) im Großen Festspielhaus Sonaten von Mozart, Poulenc und Ravel sowie „Introduction und Rondo capriccioso“ von Camille Saint-Saëns, eines der brillantesten Virtuosenstücke der Romantik.

Drei Tage danach ist Mutter die Solistin im Gastkonzert des Pittsburgh Symphony Orchestra unter Manfred Honeck: Vor Tschaikowskis „Pathétique“ erklingt da jenes Werk, mit dem die illustre Reihe der Widmungskompositionen für die Geigerin 1986 eingesetzt hat: „Chain II“ von Witold Lutosławski.