Der österreichische Investor Christian Wolff tritt in das Direktorium des englischen Formel-1-Teams ein. Eine von Wolffs Gesellschaft hat einen Minderheitsanteil von Williams übernommen.
Der österreichische Investor und Autorennfahrer Christian "Toto" Wolff beteiligt sich am englischen Formel-1-Team Williams. Der 37-jährige Wiener hat sich mit einer eigens gegründeten Beteiligungs-Gesellschaft einen Minderheitsanteil am britischen Formel-1-Team Williams Grand Prix Engineering Ltd (Williams F1) gesichert. Williams gibt damit erstmals seit der Gründung 1977 als letztes reines F1-Privatteam Anteile ab. Wolff wird auch in den sechsköpfigen Vorstand des in Grove beheimateten Rennstalls, der zuletzt 500 Angestellte und 90 Mio. Euro Budget hatte, eintreten.
Der seit 1986 querschnittgelähmte Teamchef und Namensgeber Frank Williams hält 70 Prozent, Firmen-Mitgründer Patrick Head bisher 30 Prozent. "Ich werde nicht ewig leben", erklärte der 67-jährige Teamchef, dass er aus rein privaten Gründen Anteile abgegeben hat und dabei ist, die Zukunft zu ordnen. Er werde aber dennoch die Kontrolle über das Unternehmen behalten, betonte Williams.
"Möglichkeiten für eine F1-Beteiligung hat es immer schon gegeben. Bisher sind aber Privatteams mit 150 Millionen gegen Werks-Giganten mit Budgets von 300 Millionen angetreten. Jetzt gibt es durch das "Ressource Restriction Agreement" ein echtes Budget-Cap, die Teams werden nun wie echte Firmen hin auf Profitabilität geführt", erklärte Wolff. Ihm gefalle, dass sportlicher Erfolg nun mehr denn je unmittelbar verbunden sei mit Wirtschaftlichem.
Hülkenberg auf dem Niveau von Hamilton
Für Wolff trägt die Hoffnung auf neue Erfolge zwei Namen: Nämlich jene der beiden Fahrer, Vizeweltmeister Rubens Barrichello und der junge Deutsche Nico Hülkenberg, seines Zeichens GP2-Champion. "Hülkenberg fährt auf dem Niveau von Lewis Hamilton", ist Wolff überzeugt. Die große Vergangenheit war mit ein Grund, warum Wolff bei Williams andockte. "Williams hat eine Riesentradition. Man führt dort das Team aber gerade in die Next-Generation. Sie wollten auch nicht nur einen Investor, sondern einen, der was vom Geschäft versteht."
Wolff ist seit über einem Jahrzehnt als Finanzinvestor bekannt. 1998 gründete er mit dem stark auf Technologie-Startups ausgerichteten Unternehmen Marchfifteen eines der ersten Venture-Capital-Unternehmen in Mitteleuropa, das sich um Finanzierungen in Frühphasen kümmert und das er später in Marchsixteen überführte. Auch die Williams-Beteiligungsgesellschaft figuriert unter dem Dach von Marchsixteen.
Wolff begann seine Rennfahrerkarriere 1992. 2004 feierte er an der Seite von Karl Wendlinger den Gewinn der FIA GT Meisterschaft. Mitte April hat Wolff einen schweren Unfall auf dem Nürburgring glimpflich überstanden. Der 37-Jährige hatte bei einem Rekordversuch mit einem 500 PS starken Porsche RSR nach einem Reifenplatzer einen Crash mit 268 km/h. Wolff erlitt "lediglich" eine Gehirnerschütterung und schwere Prellungen.
(APA/Red.)