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Montenegro: Moskau reagiert auf Nato-Beitritt

(c) APA/AFP/PAUL J. RICHARDS
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Russland stellt dem Kleinstaat, der seit Montag in der Nato ist, Sanktionen in Aussicht. Nato-Militärkonvois passieren Österreich.

Moskau/Washington/Bukarest/Wien. Nach dem Beitritt Montenegros zur Nato als 29. Mitglied am Montag ist Russland verärgert: Aus dem Außenministerium hieß es, Montenegro werde sich „Vergeltungsmaßnahmen auf reziproker Basis“ angesichts seines „feindseligen Kurses“ gegenübersehen: „In der Politik gibt es, so wie in der Physik, für jede Handlung eine Gegenhandlung.“

Was das heißt, wurde nicht erklärt. Russland hatte auf den Kleinstaat (rund 670.000 Einwohner), der nach Jugoslawiens Zerfall in den 1990ern bis 2006 in Union mit Serbien war, eingewirkt, EU und Nato zu meiden. Seit 2010 verhandelt er mit der EU, der Nato-Kurs war 2008/09 initiiert worden. Montenegros Militär hat nur etwa 2000 Mann, doch sind die Häfen wichtig. Russland galt als alte Schutzmacht, russische Unternehmen hatten im Land investiert. Moskau dürfte Einreiseverbote über montenegrinische Politiker verhängen und die Militärkooperation stoppen.

Derweil sorgt ein Nato-Manöver für Aufsehen in Österreich. Für die US-geführte Übung „Saber Guardian 17“ (Säbelwächter) in Ungarn, Rumänien und Bulgarien, an dem rund 25.000 Mann teilnehmen, fahren seit Tagen, und noch für Wochen, vor allem US- und britische Konvois durch Österreich – per Eisenbahn, ab 10. Juni auch über Autobahnen: Nämlich zwischen den Grenzübergängen Suben (OÖ) bzw. eventuell Walserberg (Salzburg) und Nickelsdorf (Burgenland). Rund 550 Fahrzeuge (Kampf-, Schützen- und Radpanzer, Lkw) werden so durchfahren. Der Transit ist vom Verteidigungsministerium gemäß Truppenaufenthaltsgesetz genehmigt.

Nato-kritische und linke Gruppen protestieren gegen die „neutralitätswidrige Aktion“. Fremde Militärtransporte durch Österreich sind aber alltäglich: Daten von 2015 zufolge finden pro Tag im Schnitt drei bis vier Passagen statt, und das nur zu Lande.

Saber Guardian ist Teil einer seit Jahren währenden Serie mehr oder weniger großer Übungen in Nato-Staaten. Aktuell nennt das Nato-Kommando in Mons (Belgien) noch vier Nato-Übungen in Litauen, Bulgarien, Rumänien, Griechenland, Ungarn, Belgien, Deutschland und Polen, dazu auf nationaler Basis geführte Manöver etwa in Spanien, Estland, Lettland und der Ostsee. (ag./wg)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.06.2017)