Piech baut mit Porsche sein Imperium aus

ARCHIV - Ein Porsche 911 spiegelt sich am 22. Juli 2009 im Porsche-Museum in Stuttgart, Baden-Wuertte
ARCHIV - Ein Porsche 911 spiegelt sich am 22. Juli 2009 im Porsche-Museum in Stuttgart, Baden-Wuertte(c) AP (Thomas Kienzle)
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Beide Aufsichtsräte stimmen der Verschmelzung von Porsche und VW zu. Damit herrscht Firmenpatriach Ferdinand Piech, Enkel von Ferdinand Porsche, bald über zehn Marken.

Porsche und VW haben die letzten Hürden auf dem Weg zu einem neuen Auto-Giganten genommen. Die Aufsichtsräte der Konzerne stimmten am Freitag in Wolfsburg in getrennten Sitzungen endgültig den Verträgen für ein Verschmelzen der beiden Autobauer zu. Zwei VW-Kontrolleure haben laut "Spiegel Online" gegen das neue Schwergewicht der Automobilbranche gestimmt. Von den Aufsichtsräten der Porsche SE wurden keine Gegenstimmen bekannt. VW-Chef Martin Winterkorn wird die Führung des neuen Auto-Imperiums übernehmen.

Mit Unterzeichnung der sogenannten Durchführungsverträge wird zugleich der Weg für Winterkorn auf den Chefsessel bei der Porsche SE frei. Neuer Finanzchef der Porsche-Dachgesellschaft soll VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch werden. Der Aufsichtsrat der Porsche SE hatte dies bereits im August beschlossen.

Um Interessenskonflikte bei den Verhandlungen über die Einzelheiten der Verschmelzung zu vermeiden, wollten Winterkorn und Pötsch aber die Unterzeichnung der Fusionsverträge abwarten. Es wird damit gerechnet, dass die beiden Manager spätestens zur Bilanz- Pressekonferenz von Porsche am kommenden Mittwoch (25. November) offiziell ihre Ämter antreten und sich bei der Präsentation der Ziele des Sportwagenbauers in neuer Funktion präsentieren.

Beispielloser Übernahmekampf

Volkswagen und Porsche hatten sich nach einem beispiellosen Übernahmekampf bereits im August in einer Grundlagenvereinbarung auf einen integrierten Autokonzern geeinigt. Die sogenannten Durchführungsverträge, die die Einzelheiten der Verschmelzung regeln, müssen von den Aufsichtsräten beider Unternehmen abgesegnet werden. Im Laufe des Jahres 2011 sollen Volkswagen und Porsche miteinander verschmelzen. Porsche wird als zehnte Marke in den VW-Konzern eingegliedert.

Größte Anteilseigner an dem neuen Konzern werden neben der Porsche Holding, die 51 Prozent an VW erworben hatte, das Land Niedersachsen und das Emirat Katar, das 17 Prozent der Stimmrechte anstrebt.

Porsche hatte sich mit der ursprünglich geplanten Übernahme von VW massiv verhoben und einen riesigen Schuldenberg angehäuft. Auch die Porsche Holding SE plant daher etwa Anfang 2011 eine Kapitalerhöhung. Außerdem wird das österreichische Autohandelsgeschäft von Porsche an VW verkauft. Der frühere Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und sein Finanzvorstand Holger Härter mussten Ende Juli als Konsequenz der Belastungen durch die missglückte Übernahme von VW ihren Hut nehmen.

Zu Porsche hinzu kommen Teile des insolventen Osnabrücker Autozulieferers Karmann, dem VW auf Wunsch seines Großaktionärs Niedersachsen Maschinen und Gebäude abkauft. Damit ist das Streben des Porsche-Enkels Piech nach historischer Größe aber nicht gestillt.

Vom Kleinstwagen bis zum Bugatti

Der 72-jährige Milliardär ist Enkel der Konstrukteurslegende Ferdinand Porsche, der die Autofirma Porsche einst gegründet und den legendären VW-Käfer als "Volksauto" entwickelt hat. Nach seinen Vorstellungen soll unter dem Dach des Wolfsburger Unternehmens Volkswagen ein Riesenkonzern entstehen, der vom sparsamen Kleinwagen über den Supersportwagen bis hin zu Schwerlastern alles im Angebot hat, was auf den Straßen rollt.

Piech hatte sich schon vor längerer Zeit auf die Fahne geschrieben, VW neben dem Pkw-Geschäft auch bei Lastwagen in eine führende Rolle zu bringen. In einem ersten Schritt beteiligte er sich zunächst an dem schwedischen Lkw-Bauer Scania, der inzwischen als neunte Marke zu Volkswagen gehört. Es wird erwartet, dass Piech auch die Mehrheit an dem Lkw-Bauer MAN anstrebt, an dem VW bereits knapp 30 Prozent hält. Langfristig könnte der japanische Kleinwagenspezialist Suzuki als zwölfte Marke hinzukommen, auf den Piech ein Auge geworfen hat.

Ziel: Unangefochtene Nummer 1

VW will in den nächsten Jahren Weltmarktführer Toyota nachhaltig überholen und investiert auch in der Krise kräftig in neue Modelle, sparsame Antriebe und Werke. Laut einer Studie hat VW das zumindest heuer bereits geschafft, was aber am krisenbedingten Rückgang der Toyota-Verkaufszahlen liegt. Der Aufsichtsratsrat beschloss, in den nächsten drei Jahren 13,3 Milliarden Euro für neue Fahrzeuge und Motoren auszugeben, weitere 6,6 Milliarden sollen in Presswerke, Lackierereien und Montageanlagen gesteckt werden. Der Konzern zieht gerade in den USA ein neues Werk hoch, in Indien und Russland wird die Produktion hochgefahren. Für den Ausbau der Fertigung in China hat VW erst kürzlich hohe Investitionen beschlossen.

Übernahme des Überschuldeten

Mit dem als ersten Schritt vereinbarten Teilverkauf der Porsche AG an VW kann der Stuttgarter Sportwagenbauer seine Schuldenlast deutlich reduzieren. Zuletzt stand die börsennotierte Porsche Holding, die bisher die Porsche AG und die 51-Prozent-Beteiligung an VW kontrolliert, mit mehr als 10 Milliarden Euro bei den Banken in der Kreide. Im Zuge des VW-Einstiegs sollen Porsche noch in diesem Jahr 3,9 Milliarden Euro zufließen; damit kann die Verschuldung auf zunächst 8,5 Mrd. Euro gesenkt werden. VW will sich auf einer Hauptversammlung am 3. Dezember von seinen Aktionären grünes Licht für die Ausgabe neuer Vorzugsaktien holen, um die Transaktion zu finanzieren.

Viele Fronten für den Vorstand

Bei der Vielzahl an Baustellen gerät der Vorstand an die Grenzen seiner Belastbarkeit. Die Führungsetage wurde deshalb um zwei auf sieben Vorstandsmitglieder vergrößert. Der Aufsichtsrat berief den Vertriebschef der Marke VW-Pkw, Christian Klingler (41), in den Konzernvorstand. Der bisherige Vertriebschef Detlef Wittig (67), der nicht im Vorstand saß, steuert künftig internationale Beteiligungsprojekte. Audi-Chef Rupert Stadler (46) rückt wie Klingler in den Vorstand. Er nimmt damit in die Position ein, die Martin Winterkorn (62) vor seinem Aufstieg an die Konzernspitze innehatte.

(Ag./Red)

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