Und immer wieder Vintage

(c) APA (Helmut Fohringer)
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Das Dorotheum versteigert am Dienstag Design – von Klimts Zeichenmappe bis zu Domenigs Prototyp eines Armsessels. Der Trend: Vintage.

Krasser könnten die parallelen Moden in der launigen Designwelt nicht präsentiert werden: Gleich am Beginn der aktuellen Schausammlung zur Design-Auktion des Dorotheums treffen sich zwei Tischunikate, die unterschiedlicher nicht sein könnten: ein zackiges Stück aus Ron Arads hochglänzender, cooler Edelstahl-„Big Spiral“, einer ursprünglich aus mehreren Tischen gebildeten großen Spiral-Installation von 1951; und daneben der verspielte, weich und organisch geformte Austria-Tisch, den Gaetano Pesce nur ein paar Monate später entworfen hat.

Die Polyurethan-Tischplatte folgt den Umrissen Österreichs, die Füße sind fette, regenbogenfarbene Kringel, die an auf dem Kopf stehende Fragezeichen erinnern. Dieses skurrile Teil gehört zum „EU Tische“-Projekt des italienischen Designers, 1996 widmete er den damals 15 Mitgliedern je einen.

Geschätzt auf 45.000 bis 55.000 Euro gehört der Austria-Tisch zu den teuersten Stücken der Design-Auktion kommenden Dienstag, für die Dorotheum-Expertin Gerti Draxler 370 Lose zusammentragen konnte. Sie spiegeln das faszinierend breite Spektrum dieser erfolgreichen, vergleichsweise jungen Auktionssparte, die von Gustav Klimts goldener Malmappe mit Monogramm (25.000 bis 35.000 Euro) bis zu Johanna Grawunders auseinanderklappbarer Stahlbank von 2007 reicht, die unten, aus sich heraus, in verschiedenen Farben leuchtet (45.000 bis 50.000 Euro).

Designinteresse stark gestiegen. Bestimmte Trends will Expertin Draxler im aktuellen Design nicht erkennen – „alles ist möglich“. Auf dem Markt lässt sich zur Zeit aber generell wieder eine „leichte Korrektur hin zum Vintage-Design“ beobachten. Die Sammler fragen verstärkt Seltenheiten aus der Designgeschichte nach, haben einen schärferen Blick, so Draxler. In Österreich selbst schlägt sich das zwar zur Zeit noch nicht so deutlich nieder, aber die 1996 eingeführte Design-Auktion ist schließlich die am stärksten international aufgestellte Sparte des Dorotheums – „Käufer, Einbringer, Objekte sind international“, betont die Expertin, auch der Katalog ist in Englisch gehalten. Das anfängliche Unverständnis für Design in Österreich habe sich zuletzt stark gelegt.

Auf eine Wiederentdeckung wartete Draxler bisher aber auch auf dem internationalen Markt noch vergebens: jene der Stahlrohrmöbel. „Da hat auch das Bauhaus-Jubiläum heuer nichts geholfen.“ Selbst auf der Kunstmesse Tefaf in Maastricht wurde ein musealer Stand voller Bauhaus-Möbel von den Sammlern links liegen gelassen. Im Dorotheum findet sich aus der Zeit (Berlin um 1930) eine Möbelgruppe, Sessel, Hocker und Tisch von Marcel Breuer – geschätzt auf 7000 bis 8000 Euro.

Ebenfalls noch unterschätzt, so Draxler, sind Lampen des Wiener Erzeugers J. T. Kalmar aus den 60er-Jahren: etwa eine rote „Eichhörnchen“-Lampe, die als kleine Tisch-Stehlampe funktioniert, aber auch ganz leicht mittels einer Lederschlaufe an einen schwenkbaren Wandarm montiert werden kann. Schätzpreis: 600 bis 900 Euro. Leicht übersehen kann man auch einen echten Domenig, den Prototyp eines Armsessels, schwarzes Leder, Ulmenholz, den der Architekt 1969 für die Einrichtung seiner Pädagogischen Lehranstalt in Graz entworfen hat (1000 bis 1500 Euro)

24.11., 17h, Dorotheerg. 17, Wien 1.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.11.2009)

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