Finanzmarkt: Im Osten droht das Ende der satten Renditen

(c) Clemens Fabry
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Steigende Budgetdefizite und politische Instabilität machen Anleihen in Osteuropa wieder riskanter. Investoren warnen nun vor Verlusten bei Anleihen und Währungen der mittelosteuropäischen Staaten.

Wien (Bloomberg). Investments in Osteuropa haben den Anlegern in diesem Jahr satte Renditen gebracht. Jetzt deutet sich jedoch eine Trendwende an: Die hohe Verschuldung der Staaten und die konjunkturelle Malaise ziehen die Kurse von Aktien und Währungen nach unten.

Investoren warnen nun vor Verlusten bei Anleihen und Währungen der mittelosteuropäischen Staaten. So verzeichnet der ungarische Forint über die vergangenen vier Wochen die zweitschlechteste Performance unter 26 Schwellenmarktwährungen gegenüber dem Dollar. Bei Anleihen der Slowakei, von Polen, Bulgarien und der Tschechischen Republik ist das Kreditausfallrisiko besonders deutlich angestiegen.

Die EU-Kommission erwartet für Ungarn in den nächsten drei Jahren eine Staatsverschuldung von über 75Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP), in Polen rechnet sie mit einem Anstieg der Verschuldung auf 61Prozent im Jahr 2011. Bei den Haushaltsdefiziten sieht sie in Lettland einen Anstieg auf 12,3Prozent des BIP und in Polen auf 7,5Prozent. Die Defizite dürften die Staatsanleihen und auch die Unternehmen der Region belasten. Die Staaten „werden massiv Anleihen auflegen müssen, die dann von den Banken gekauft werden, sodass für Kredite an Unternehmen nicht mehr viel übrig bleibt“, sagt ein Analyst.

Keine Hoffnung auf Exporte

Die steigenden Haushaltsdefizite haben mehrere osteuropäische EU-Mitglieder, darunter Polen und Lettland, veranlasst, ihre Ziele für die Einführung des Euro zu verschieben. Rumänien und Ungarn haben die Staatsausgaben zusammengestrichen, um die Bedingungen für dringend benötigte Kredite in Höhe von 20 Mrd. Euro zu erfüllen – eine Maßnahme, die die Rezession in den beiden Ländern weiter verschärft hat.

In Summe werden die Volkswirtschaften Zentral- und Osteuropas in diesem Jahr um 6,3Prozent schrumpfen, schätzt die Osteuropabank EBRD. Für sechs Länder, darunter Ungarn, erwartet sie auch im kommenden Jahr einen Rückgang des BIPs, vier weitere Volkswirtschaften dürften maximal um ein Prozent wachsen.

Auch die starke Exportorientierung dürfte eine Erholung der Volkswirtschaften Osteuropas bremsen, warnt Rachel Ziemba, Analystin bei Roubini Global Economics. „Osteuropa wird weiter hinter den anderen Schwellenländern hinterherhinken“, sagt sie. „Es gibt große Hoffnungen auf eine exportgetriebene Erholung, aber Westeuropa kann nicht unbegrenzt Waren abnehmen.“ In Ungarn, der Tschechischen Republik und der Slowakei machen Ausfuhren rund drei Viertel der Wirtschaftsleistung aus.

Politisch instabil

Ein weiteres Problem ist die geringe politische Stabilität in der Region. Seit Beginn der Kreditkrise ist die lettische Regierung zurückgetreten, der ungarische Ministerpräsident, Ferenc Gyurcsany, und Tschechiens Regierungschef, Mirek Topolanek, scheiterten jeweils an einem Misstrauensvotum. Auch dem rumänischen Ministerpräsidenten Emil Boc sprach das Parlament sein Misstrauen aus. Nachdem die Wahlen vom Wochenende keinen eindeutigen Sieger erbrachten, steht am 6.Dezember eine Stichwahl an, bei der über die nächste Regierung entschieden wird. In der Ukraine und Polen stehen im kommenden Jahr Präsidentschaftswahlen an.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.11.2009)

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