MAN-Chef Samuelsson geht: Bahn frei für VW-Chef Piëch

ARCHIV - Ein Arbeiter montiert am 13. Dezember 2007 die Motorklappe eines MAN-LKW im MAN Werk in Muen
ARCHIV - Ein Arbeiter montiert am 13. Dezember 2007 die Motorklappe eines MAN-LKW im MAN Werk in Muen(c) AP (Christof Stache)
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Nach der Schmiergeld-Affäre rund um den Lastwagenkonzern nimmt MAN-Chef Hakan Samuelsson überraschend seinen Hut. Profitieren dürfte VW-Patriarch Piëch, der MAN in seinen Konzern integrieren will.

MAN-Vorstandschef Chef Hakan Samuelsson ist am Montag völlig überraschend mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Samuelsson gehe auf eigenen Wunsch und wolle damit "dazu beitragen, dass sich die MAN-Gruppe wieder zügig voll und ganz ihren Kerngeschäften und ihrer weiteren Unternehmensentwicklung widmen kann", teilte der Lastwagen- und Maschinenbaukonzern in München mit. Die IG Metall begrüßte den Rücktritt des Schweden und erklärten mit Blick auf die Schmiergeldaffäre in der Nutzfahrzeugsparte, Manager müssten die politische Verantwortung für gravierendes Fehlverhalten oder Missstände übernehmen.

"Mit dem Rücktritt wird nach der Korruptionsaffäre der Weg frei für einen unbelasteten Neuanfang", sagte der bayerische IG Metall-Chef Werner Neugebauer. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt seit Mai wegen Schmiergeldzahlungen gegen mehr als 100 MAN-Mitarbeiter und -Kunden, zwei Vorstände der Lastwagensparte mussten bereits gehen.

"Nicht als Beschuldigter geführt"

Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch sagte, die Ermittler seien von Samuelssons Rücktritt überrascht worden: "Er wird nicht als Beschuldigter geführt." MAN teilte mit: "Samuelsson ist zu der Überzeugung gekommen, dass es zum Wohle des Unternehmens einen personellen Neuanfang auf höchster Ebene geben sollte." Ein Konzernsprecher betonte, auch bei den internen Ermittlungen gebe es keinerlei Hinweis auf eine persönliche Mitverantwortung von Samuelsson.

Zum kommissarischen Vorstandsvorsitzenden von MAN bestellte der Aufsichtsrat Georg Pachta-Reyhofen. Er übernimmt die Funktion zusätzlich zu seiner bisherigen Aufgabe als Vorstandschef der Konzerntochter MAN Diesel.

Bahn frei für Piëch

Einer profitiert vom Rückzug des bisherigen MAN-Chefs: VW-Patriarch Ferdinand Piëch. Er hat nun freie Bahn, die Allianz zwischen MAN, Volkswagen und dem schwedischen Lastwagenbauer Scania voranzutreiben. "Etwas Besseres hätte Herrn Piëch nicht passieren können", sagt ein Branchen-Insider.

Er wundert sich, dass es so lange gedauert habe. Denn Samuelsson stand immer für die Eigenständigkeit von MAN. Piëch hingegen hat die Vision eines integrierten Konzerns unter der Führung von Volkswagen, der alles vom Kleinwagen bis zum 40-Tonner anbietet.

Piëch will zwölf Marken

Bereits auf der IAA in Frankfurt im September hatte Piëch gesagt, ein Dutzend sei leichter zu merken als zehn. Was er damit meinte? Volkswagen hat nach der Integration des Sportwagen-Herstellers Porsche als zehnte Marke nicht genug. Zwei zusätzliche Marken sollen dazukommen: Neben dem japanischen Auto- und Motorradbauer Suzuki soll das MAN sein.

Volkswagen hält bereits 29 Prozent der MAN-Anteile und 71 Prozent bei Scania. Dort wiederum hält MAN 17,4 Prozent der stimmberechtigten Aktien.

23 Jahre bei Scania

Der 58-Jährige Samuelsson stand seit Jänner 2005 an der Spitze des MAN-Konzerns. Zuvor hatte er fünf Jahre lang die Lastwagen- und Bussparte geführt und erfolgreich saniert. Samuelsson war 23 Jahre lang Scania-Manager gewesen, ehe er 2000 nach München wechselte. Das Präsidium des MAN-Aufsichtsrats bekundete "größten Respekt vor der Entscheidung von Hakan Samuelsson". Seit 2000 habe er durch seinen Einsatz dazu beigetragen, MAN positiv weiterzuentwickeln.

Der stellvertretende MAN-Aufsichtsratschef Thomas Otto von der IG Metall sagte: "Es ist jetzt unverzichtbar, dass der von MAN begonnene Prozess der Aufklärung der Korruptionsvorwürfe von Vorstand und Aufsichtsrat mit der bisherigen Intensität weitergeführt wird."

(APA/Red.)

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