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Sonnwendfeuer: Flammen zur Feier des Sommers

Tradition: Rund um das Sonnwendfeuer sitzen oder darüber springen.
Tradition: Rund um das Sonnwendfeuer sitzen oder darüber springen.(c) APA
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Um den 21. Juni werden in ganz Österreich Feiern abgehalten – im Mittelpunkt steht dabei das Abbrennen von Feuer.

Wien. Wer negativ denkt, registriert am 21. Juni, dass ab jetzt die Tage wieder kürzer werden. Wer positiv denkt, freut sich über den Sommerbeginn. Um 6.24 mitteleuropäischer Sommerzeit erreicht die Sonne ihren scheinbar höchsten Punkt – ein astronomisches Ereignis, das in vielen Kulturen gefeiert wird. Und obwohl es derzeit eigentlich schon heiß genug ist, werden im ganzen Land Feuer entzündet. Mit den sogenannten Sonnwendfeuern soll der längste Tag des Jahres gefeiert werden – und die kürzeste Nacht.

Wobei das Feuer nicht zwangsläufig genau in dieser einen Nacht stattfinden muss – denn der Brauch ist auch mit dem Geburtstag von Johannes dem Täufer verbunden. Der soll nach biblischer Überlieferung ein halbes Jahr vor Jesus geboren worden sein. Vom 24. Dezember landet man beim 24. Juni, dem Johannestag. Daher rührt auch der Brauch der Johannesfeuer.

Schiffe und Berge leuchten

In Österreich haben sich mehrere Traditionen rund um diese Feuer entwickelt, die sich auch regional unterscheiden. Bekannt sind etwa die Sonnwendfeiern in der Wachau, bei denen neben den Sonnwendfeuern selbst auch die hell beleuchteten Schiffe auf der Donau ein Blickfang sind. Besonders imposant ist etwa der Feuerzauber in Spitz, wo die Sehenswürdigkeiten des Ortes und der Tausendmeierberg mit tausenden Fackeln beleuchtet werden. Ob Dürnstein oder Rossatz auf der gegenüberliegenden Seite, die Feuer schaffen eine mystische Atmosphäre – und am Ende gibt es entlang der Ortschaften auch Feuerwerke. Gefeiert wird hier im Großteil der Orte am Samstag, 24. Juni.
Sehenswert sind auch die Bergfeuer in Tirol. So wird etwa die Zugspitzarena mit rund 10.000 Feuerstellen erleuchtet, die von Säcken befeuert werden, die mit Sägemehl und Rapsöl gefüllt sind. Wobei es nicht nur um das Licht an sich geht, sondern auch um Feuerskulpturen, die damit in die Berge gezeichnet werden – von leuchtenden Kreuzen bis zu strahlenden Herzen. Ein Bild, das die Unesco 2010 zum immateriellen Kulturerbe Österreichs erklärt hat.

Eine verwandte Tradition sind die Herz-Jesu-Feuer, ein Brauch, der auf das Ende des 18. Jahrhunderts zurückgeht, genauer auf den Herz-Jesu-Schwur, mit dem die Tiroler Einheit im Kampf gegen Franzosen und Bayern besiegelt werden sollte. Entzündet werden die Feuer jedes Jahr am dritten Sonntag nach Pfingsten – was heuer auf das Wochenende vom 24. und 25. Juni fällt.

Bekannt ist etwa das Herz-Jesu-Feuer im Tannheimer Tal, bei dem religiöse Symbole wie Kreuze oder Tauben mit Flammen in die Berge gezeichnet werden. Und wer in Wien ein Feuer sehen möchte, hat dazu am Mittwoch, 21. Juni, am Himmel in Döbling Gelegenheit dazu. Auf der Wiese zwischen Lebensbaumkreis und Oktogon werden um 20.30 Uhr zwei große Feuerschalen entzündet.

Gerade in Zeit von Hitze und Trockenheit (siehe Artikel unten) sind offene Feuer natürlich eine potenzielle Gefahr. An der Universität für Bodenkultur in Wien sprach man am Montag von einer „aktuell mäßigen Waldbrandgefahr“. Dennoch sei Vorsicht geboten – gerade im Zuge der traditionellen Sonnwendfeuer. „Bei Wind und in der Nähe von Wald sollte jedenfalls darauf verzichtet werden“, hieß es im Waldbrand-Blog der Hochschule. Und mit der Hitzewelle in den kommenden Tagen gerate die Vegetation „zunehmend unter Hitzestress“. In Gebieten, wo kaum noch Wasserreserven zur Verfügung stehen, steige die Waldbrandgefahr dann auf ein hohes oder sogar sehr hohes Niveau.

 

Salzburg verbietet Rauchen

In Salzburg wurde bereits das Rauchen und Feuermachen im Wald verboten – und den Veranstaltern von Sonnwendfeuern wird besondere Vorsicht empfohlen. So sind im Gefährdungsbereich von Wäldern Sonnwendfeuer strengstens verboten. Berge in Flammen wird es trotzdem geben, etwa in Saalfelden Leogang – in den Leoganger Steinbergen und im Steinernen Meer sollte es kein Problem mit Bäumen geben.
Feuer und Rauch sprechen Volkskundler eine schützende und reinigende Bedeutung zu. Die Flamme wiederum gilt als Lebenslicht. Spektakulär – und gut geeignet als Attraktion für den Tourismus – ist es ohnedies. Egal, ob man den Sommerbeginn nun positiv oder negativ aufnimmt.

Auf einen Blick

Brauchtum. Rund um die Sommersonnenwende am 21. Juni finden zahlreiche Veranstaltungen statt, bei denen Feuer im Mittelpunkt steht. Die Sonnwendfeuern sind auch verwandt mit dem Johannesfeuer, das zum Geburtstag von Johannes dem Täufer entzündet wird. In Tirol gibt es auch den verwandten Brauch der Herz-Jesu-Feuer.