OECD-Studie: Steuerquote klettert auch in der Krise

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Österreich hat eine überdurchschnittlich hohe Steuer- und Abgabenquote. Und diese ist – im Gegensatz zu vielen anderen OECD-Ländern – im Krisenjahr 2008 auch nicht gesunken, sondern weiter geklettert.

paris (red./ag). Österreich hat eine überdurchschnittlich hohe Steuer- und Abgabenquote. Und diese ist – im Gegensatz zu vielen anderen OECD-Ländern – im Krisenjahr 2008 auch nicht gesunken, sondern weiter geklettert. Dies geht aus der gestern, Dienstag, vorgelegten jüngsten einschlägigen Statistik der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor.

Normalerweise, so die OECD, sinken in einer Rezession die Steuereinnahmen schneller als die Wirtschaftsleistung. Deshalb geht die Steuer- und Abgabenquote – das ist der Anteil der bezahlten Steuern und Sozialabgaben am Bruttoinlandsprodukt – in einer Krise zurück.

In den meisten Industrieländern lief dieser Vorgang auch lehrbuchgemäß ab: Im Schnitt der 30 OECD-Länder sank die Fiskalquote um einen halben Prozentpunkt auf 35,2Prozent ab. In Österreich legte die Quote gegen den Trend auf 42,9Prozent zu. Auch Deutschland verzeichnete einen leichten Anstieg. Allerdings auf nur 36,4Prozent.

Österreich outet sich in dieser Statistik nicht nur im Vergleich zu Deutschland als extremes Hochsteuerland. Nur sieben der 30 OECD-Länder verlangen ihren Bürgern noch mehr Steuern und Sozialbeiträge ab. Nämlich Finnland, Italien, Frankreich, Norwegen, Belgien, Schweden und Dänemark. Die beiden Spitzenreiter bringen es auf nahezu 50Prozent Fiskalquote. Am unteren Ende der OECD-Skala liegt Mexiko, das einzige Land, in dem die Steuern und Abgaben nicht einmal 20Prozent des BIPs ausmachen.

Sehr hohe Sozialabgaben

Einige große Industrieländer schaffen es aber auch, die Steuer- und Abgabenbelastung unter 30 Prozent zu halten. Dazu gehören Japan und die USA, aber auch die beiden österreichischen Nachbarländer Schweiz und Slowakei.

Rekordverdächtig ist die Belastung der Arbeit in Österreich: Die Sozialabgaben (die praktisch ausschließlich an Arbeitseinkommen bemessen werden) blieben im Vorjahr mit 14,3Prozent des BIPs zwar annähernd stabil, mit diesem Wert lag Österreich aber geradezu dramatisch über dem OECD-Schnitt von 9,1Prozent. Nur in Frankreich und Tschechien liegt die Belastung der Arbeitseinkommen aus Sozialabgaben noch höher. Rechnet man Kommunalsteuer und Familienlastenausgleichsfonds dazu, dann wird die Belastung der Arbeitseinkommen nur noch von Frankreich übertroffen.

Im Ausgleich zur hohen Belastung der Arbeit kommen Vermögen sehr billig davon: Nur in Mexiko, Tschechien und der Slowakei waren die Einnahmen aus Substanzsteuern (Vermögens-, Grund-, Erbschafts- und Schenkungssteuer) niedriger als in Österreich. Allerdings: Alle diese Länder stehen auf einem wesentlich niedrigeren Vermögensniveau.

Heuer dürfte die Krise – mit Verspätung – auch in Österreich und Deutschland für eine leicht sinkende Fiskalquote sorgen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.11.2009)

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