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Neuer EU-Personalausweis soll auch im Internet gelten

(c) Infineon
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Das Projekt BioP@ss der EU zielt darauf ab, bis 2011 einen "Europäischen Personalausweis" in Form einer Chipkarte zu entwickeln. Dadurch soll die Kriminalität im Internet eingedämmt werden.

Die USA gelten ganz sprichwörtlich als das Land der unbegrenzten Möglichkeiten – zumindest was jene zum Geldverdienen betrift. Das mächtigste und reichste Land der Welt wendet große Energien und viel Geld auf, um kriminellen Energien in diese Richtung einen Riegel vorzuschieben. Vielleicht haben die USA deshalb unter jenen, die Gesetze nicht ganz oder nicht immer ernst nehmen, den sprichwörtlichen Ruf verloren. Oder weil es das Internet gibt. Denn in diesem neuen, virtuellen „Land“, das keine Grenzen kennt, sind die Möglichkeiten für kriminelle Aktivitäten buchstäblich unbegrenzt.

Das soll sich bald dank Methoden ändern, die dem „Land“ gerecht werden. Da Reisepässe und Personalausweise nichts nützen, wenn sie nicht physisch mit dem Inhaber verknüpft sind, hat die Europäische Union ein Projekt ins Leben gerufen, dessen Abschluss „BioP@ss“ heißen soll, der EU-weit gültige elektronische Personalausweis im Chipkartenformat.

Das Projekt berücksichtigt, dass eine Identifikation im Internet wesentlich mehr Funktionen haben muss als im realen Leben, in dem sie „nur“ zur Bestätigung der Person dient. BioP@ss soll auch eine sichere und webbasierte Authentisierung sowohl bei Behörden- und Regierungsdienstleistungen als auch bei Geschäften aller Art bieten.

Sichere Chipkarten

Die beiden Halbleiterkonzerne Infineon und NXP – aus den Weltkonzernen Siemens bzw. Philips hervorgegangen – sowie der Chipkartenhersteller Giesecke & Devrient (G & D) haben sich innerhalb einer elfköpfigen Unternehmensgruppe aus sechs europäischen Staaten enger zusammengeschlossen, um im Rahmen des Forschungsprojekts BioP@ss die Entwicklung einer hochsicheren Chipkartenplattform voranzutreiben. Ziel des Projekts ist es, die Chipkartentechnik noch sicherer und einfacher nutzbar zu machen. Zu den Behörden- und Regierungsdiensten, die damit genutzt werden können, gehören neben allen möglichen Amtswegen, die unter dem Schlagwort E-Government zusammengefasst sind, auch die elektronische Stimmabgabe (E-Voting) sowie Dienste von Handel, Banken und Versicherungen (E-Business).

Das Forschungsprojekt umfasst laut Infineon die Weiterentwicklung sowohl der Chips als auch des Kartenbetriebssystems und der Sicherheitssoftware für die PCs der Bürger und Behörden, über die Aktvitäten laufen sollen. Alle Komponenten sollen schließlich jenen Standards entsprechen, die bei nationalen Personalausweisen angelegt werden. Als Beispiel wird der Standard genannt, nach dem die Europäische Bürgerkarte erstellt wird. Mit dieser können EU-Bürger unter anderem ihre Steuerklärung unabhängig von ihrem Aufenthaltsort europaweit abgeben. Die Europäische Bürgerkarte erlaubt die elektronische Identifikation, Authentifizierung und die digitale Signatur (elektronische Unterschrift) im Internet.

Infineon und NXP arbeiten im BioP@ss-Projekt an der Weiterentwicklung von Verschlüsselungstechnologien für Chips. Im Mittelpunkt stehe dabei auch die Erhöhung der Datenübertragungsraten zwischen Chipkarte und Lesegerät. G & D entwickelt ein neuartiges Chipkartenbetriebssystem, das durch den Einsatz der gängigen Internetprotokolle die Installation zusätzlicher Softwarekomponenten erübrigen soll. Die Chipkarte kann entweder über eine USB-Schnittstelle oder drahtlos mit dem PC verbunden werden.

Berührungslose Chips

Das Projekt EuroP@ss baut teilweise auf Ergebnissen des früheren Projekts Onom@Topic+ Medea+ auf, wobei die von den Partnern im Konsortium entwickelte Middleware-Architektur weiterverwendet werden soll. Dazu sollen zahlreiche neue Technologielemente genutzt werden wie energieoptimierte berührungslose Chips, Biometrietechniken nach dem Standard Advanced Match on Card, eingebaute Schutzmechanismen für persönliche Daten sowie Software, die den automatischen Kontakt zwischen dem Chip und der Internetarchitektur ermöglicht. Mehrere europäische Staaten wollen gleichzeitig mit dem Ende des BioP@ss-Projekts bereits elektronische Personalausweise einführen.

Europäische Identität

BioP@ss ist nicht das einzige europäische Projekt, das sich der Entwicklung elektronischer Personalausweise widmet. Ein weiteres Beispiel ist Project Stork (Secure identity across borders linked). In den 27 EU-Mitgliedstaaten leben etwa 500 Millionen Einwohner, laut Schätzungen sind derzeit rund 380 Millionen Personalausweise im Umlauf. Zwei der 29 Partner des Stork-Projekts kommen aus Österreich: das Bundeskanzleramt und die TU Graz.

 

("Die Presse", Forschung, 25.11.2009)