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Essenslieferdienst Delivery Hero startet an Börse

A Foodora delivery cyclist poses in front of Delivery Hero headquarters in Berlin
Delivery Hero geht an die BörseREUTERS
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Delivery Hero bietet unter verschiedenen Markennamen Internet-Plattformen für Essenslieferdienste an.

Das Essen aus dem Lieblingsrestaurant wird nach wenigen Klicks ganz bequem nach Hause geliefert. Das versprechen Online-Essenslieferdienste - und haben damit großen Erfolg. Mittlerweile sind in vielen Städten Kuriere von Deliveroo, Foodora, Mjam und Co unterwegs. Jetzt wagt einer der Anbieter den Sprung an die Börse: Delivery Hero wird am Freitag an der Frankfurter Börse notiert.

Delivery Hero bietet unter verschiedenen Markennamen Internet-Plattformen für Essenslieferdienste an. Auf dem deutschen Markt sind das Pizza.de, Lieferheld, Foodora und Foodpanda. Durch die Zusammenarbeit mit Delivery Hero erhalten Restaurants, Gaststätten und Imbisse eine zusätzliche Werbeplattform und können im Idealfall ihren Absatz steigern. Nutzer können sich Essen aus ihren Lieblingsrestaurants bestellen, auch wenn die keinen Lieferdienst anbieten. Bestellung und Bezahlung werden über das Internet abgewickelt. Kuriere, oft per Fahrrad, holen die Mahlzeiten ab und bringen sie zum Kunden an die Haustür. Pro Bestellung rechnet Delivery Hero einen bestimmten Prozentsatz als Provision ab. Außerdem können sich Restaurants gegen eine Gebühr auf den oberen Plätzen in einem Liefergebiet listen lassen.

Das 2011 gegründete Unternehmen ist nach eigenen Angaben weltweit Marktführer unter den Online-Lieferdiensten. Es erreicht insgesamt 2,7 Milliarden Menschen, beschäftigt über 6000 Mitarbeiter und mehrere tausend Fahrer in mehr als 40 Ländern in Europa, dem Mittleren Osten, Nordafrika, Lateinamerika und Asien. Den Umsatz steigerte das Unternehmen mit Hauptsitz in Berlin 2016 im Vergleich zum Vorjahr um fast 80 Prozent: von rund 166 auf etwa 297 Mio. Euro. Obwohl Delivery Hero hohe Verluste erwirtschaftet, wird das Unternehmen derzeit mit bis zu 4,4 Mrd. Euro bewertet - immerhin fast halb so viel wie eine der größten Fluggesellschaften der Welt, Lufthansa.

Für die Ausgabe der Aktie wurde eine Preisspanne zwischen 22 und 25,50 Euro festgesetzt. Der endgültige Angebotspreis soll am Mittwoch festgesetzt werden. Insgesamt will das Unternehmen rund 39 Millionen Aktien ausgeben. Der Emissionserlös könnte also bei maximal einer Milliarde Euro liegen.
Delivery Hero will das Geld aus dem Börsengang nutzen, um seine weitere Expansion zu finanzieren. Aus den Erlösen sollen aber auch Darlehen zurückgezahlt werden.

Mit 35 Prozent der Anteile ist die Berliner Start-Up-Holding Rocket Internet um Oliver Samwer Großaktionär von Delivery Hero. Doch das Geschäftsmodell, junge Unternehmen aufzubauen und dann gewinnbringend abzustoßen, steckt offenbar in einer Krise. 2016 häufte Rocket Internet hohe Verluste an. Ein erfolgreicher Börsengang von Delivery Hero könnte der Holding doppelt nützen - finanziell und beim zuletzt angekratzten Image.

Es gibt auch Kritik am Unternehmen. Die Fahrer, die häufig mit ihrem eigenen Fahrrad unterwegs sind, protestieren schon länger gegen die Arbeitsbedingungen bei Essenslieferdiensten. Nicht nur bei Delivery Hero, sondern auch bei der Konkurrenz, etwa dem britischen Deliveroo. Die Kuriere kritisieren nicht nur die niedrigen Löhne, sondern auch, dass die Lieferdienste einen großen Teil des Risikos auf sie abwälzen. Verschleiß und Reparaturen an den Fahrrädern müssten die Boten selbst tragen, beklagt die Freie Arbeiterunion. Zudem gebe es keine Garantie für eine Mindestzahl an Arbeitsstunden - die sei aber nötig, damit die Fahrer ihren Lebensunterhalt sichern könnten.

(APA/AFP)