Universitäten: Rektoren fordern Finanzierungsplan

(c) Robert Strasser
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Druck auf Regierung steigt: Unis wollen bis 2015 eine Milliarde Euro mehr. Um es der Regierung „zu erleichtern“, haben die Rektoren bereits einen Gesetzesentwurf vorbereitet.

WIEN (chs/APA). Nur einen Tag nach dem großen Hochschuldialog erhöhen die Rektoren den Druck auf die Regierung: An den beim Treffen beschlossenen Arbeitsgruppen wolle man zwar mitarbeiten – über ein Thema wolle man aber nicht länger „nur“ reden: die Uni-Finanzierung. „Da braucht es keine weiteren Diskussionen, sondern Beschlüsse“, sagte Christoph Badelt, Rektor der WU Wien und Chef der Universitätenkonferenz, am Donnerstag. Die Rektoren fordern von der Regierung deshalb eine „gesetzliche Roadmap“, also eine Art Fahrplan für das von ÖVP und SPÖ definierte Ziel, bis 2020 zwei Prozent des BIPs als Hochschulbudget zur Verfügung zu stellen.

Um es der Regierung „zu erleichtern“, haben die Rektoren bereits einen Gesetzesentwurf vorbereitet. Dieser sieht eine jährliche Steigerung des Uni-Budgets auf 3,6 Milliarden Euro im Jahr 2015 vor – das wäre um rund eine Milliarde Euro mehr als bisher.

Das Gesetz könne schon in ein paar Wochen im Ministerrat abgesegnet und im ersten Quartal 2010 vom Nationalrat beschlossen werden, erklärten die Rektoren.

Auch Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) habe den Entwurf bereits erhalten, sich jedoch wenig interessiert gezeigt: Er habe gemeint, dass Österreich ohnehin auf einem guten Weg sei, sagen die Rektoren. Eine Einschätzung, die sie so nicht teilen: „Hätte man nicht so hohen Respekt vor Regierung und Parlament, könnte man sich gefrotzelt fühlen“, so Badelt.

Besetzung kostet 600.000 Euro

Bei den seit fünf Wochen andauernden Studentenprotesten setzen die Uni-Chefs weiter auf Verhandlungen – mit dem Ziel, Kosten zu sparen: Die Hörsäle sollten zumindest wieder für Lehrveranstaltungen offen stehen, so Georg Winckler, Rektor der Uni Wien. „Das erwartet die Öffentlichkeit.“ Bisher habe der Protest seiner Uni bereits 600.000 Euro gekostet. Winckler will die Studenten für 10.Dezember erneut zu einem Treffen laden.

In Innsbruck zeichnet sich unterdessen eine Lösung ab: Die Studenten überlegen nach Gesprächen mit dem Rektor, die Besetzung zu verlagern. Für eine komplette Auflösung gebe es derzeit noch keine Mehrheit im Plenum.

Schlechtes Zeugnis für Bachelor

Kritik am Bachelor-/Master-System kommt derzeit nicht nur von den Studenten, sondern auch von der Arbeiterkammer. Diese stellt den Studienabschlüssen in einer aktuellen Studie ein schlechtes Zeugnis aus: 40Prozent aller Österreicher können mit den neuen Titeln gar nichts anfangen, so das Ergebnis der Umfrage. Nur 18Prozent der 1000 befragten Personen zeigten sich gut informiert.

Die Berufschancen der Bachelorabsolventen schätzen die Österreicher (nach einer kurzen Erläuterung der Ausbildung) eher gering ein: Nur 35Prozent der Befragten glaubten an gute Jobaussichten, 38Prozent sind gegenteiliger Meinung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.11.2009)

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