Sternekoch Thorsten Probost hat zwar keinen Bart, aber er kennt sich aus.
Ausgerechnet sein Lieblingskraut hat Thorsten Probost an diesem Morgen in Tirol nicht gefunden: Die Alpen-Mutterwurz, auch bekannt als Madaun oder Mutterkraut, wächst erst etwas weiter im Windbachtal unweit von Sölden. 13 andere Wildkräuter hat der Sternekoch („Griggeler Stuba“) dafür in zwanzig Minuten auf dem noch regenfeuchten Almboden gesammelt. Und wie er da eines nach dem anderen aus dem Korb nimmt und drauf los erklärt, möchte man meinen, dass der 44-Jährige nicht nur zu den besten Köchen in Österreich zählt, sondern wohl auch zu den kundigsten Kräuterexperten. Nicht umsonst nennen ihn manche den Professor.
Von den 35 Wildkräutern, die Probost auf seinen Wanderungen durch die Wälder um sein Restaurant in Oberlech in Vorarlberg findet („Da geht wieder der Miraculix mit seiner Sichel“, heißt es dann), sind 22 küchentauglich – und die verwendet er auch. Da ist etwa der Gute Heinrich, den er kocht wie Spinat. Der Klappertopf, dessen Samen er über den Salat streut. Der Allermannsharnisch, ein hochalpiner Bärlauch, wobei nicht geklärt ist, ob die Urform die ist, die man im Tal findet oder die am Berg. Die Wilde Möhre, die anders als die Karotte keine essbaren Wurzeln bildet, von der man aber das Kraut isst.