Ja, nein, ja– Gesten der Verweigerung

Es ist so eine Sache mit Auszeichnungen des Establishments in der Gegenwartskunst – man freut sich ja doch.

Marco Lulic etwa heute über den Kardinal-König-Preis. Oder, eine leicht wahnwitzige Überleitung, Francesca Habsburg über das Goldene Verdienstzeichen der Stadt Wien. Sie bedankt sich dafür, wie es sich für ein zur Partyqueen gereiftes Partygirl gehört –, mit einer Charity-Party in der neuen Off-Location der Stadt, der Ankerbrotfabrik. Das anarchische Element scheint im militanten Unterton der Einladung zu liegen – geboten wird ein „DJ-Battle“, und das Mode-Aviso lautet „Dress to Kill“.

Anders als in der Literatur, wo man Preise gerne ablehnt, sind Gesten der Verweigerung in der bildenden Kunst längst schon vom Markt absorbiert worden. Der Spanier Santiago Sierra etwa versucht immer wieder mit brutalsten Mitteln den Betrieb zu unterlaufen – und steigert doch nur seinen Marktwert. Zuletzt dadurch, dass er mit einem monumentalen „NO“ auf einem Lkw von Kunstmesse zu Kunstmesse fuhr, finanziert von Galeristen.

Ein ähnliches Dilemma erkennt man bei der noch bis 5.Dezember laufenden Studierendenausstellung im Atelierhaus der Kunstakademie in der Lehargasse: Streikbrechen oder nicht, den Marktmechanismus der kuratorischen Auswahl (Sabine Breitwieser) akzeptieren oder nicht, fragten sich hier kritische Jungkünstler. Die Ergebnisse blieben zwiespältig – Kathrin Füssl etwa will ihren Zeitlupen-Videoauftritt als Choreografie der Audimax-Gesten gelesen wissen. Max Schaffer hängte seine Zeichnungen verkehrt an die Wand.

Und Micha Wille schuf die Ikone der Revolte – eine Collage, die das historische Bild eines Bauernaufstands zitiert, bedrängt von Schimären aus Pferd, Löwe und Bananen, „Symbol für Galerismus und Raubtierkapitalismus“. Der scharrt übrigens schon vor der Tür. Man darf nur hoffen, dass die Künstlerin nach ihrer ersten Galerievernissage ihre Bildinschrift nach Kästner nicht ganz so ernst nimmt: „Niemals darfst du so tief sinken, und die Bananenmilch, durch die man dich zieht, auch noch zu trinken!“


almuth.spiegler@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.11.2009)

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