Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Arabische Staaten verlängern Ultimatum an Katar

Doha. 2022 soll hier die Fußball-WM stattfinden. 2017 plagt sich Katar noch mit Terrorvorwürfen und der Blockadepolitik seiner Nachbarn.
Doha. 2022 soll hier die Fußball-WM stattfinden. 2017 plagt sich Katar noch mit Terrorvorwürfen und der Blockadepolitik seiner Nachbarn.(c) Kamran Jebreili / AP / picturedesk.com (Kamran Jebreili)
  • Drucken

Das Emirat Katar weigert sich, Forderungen seiner Nachbarn zu erfüllen. Die neue Krise am Golf droht damit zu eskalieren. Es geht weniger um Terror als um Gas, Macht und Geld.

Im Konflikt zwischen mehreren arabischen Staaten und Katar haben die Gegner des Emirats ein Ultimatum um 48 Stunden verlängert. Die saudiarabische Nachrichtenagentur SPA veröffentlichte am Montag eine entsprechende gemeinsame Erklärung Saudi-Arabiens, Ägyptens, Bahrains und der Vereinigten Arabischen Emirate, die Katar mit ihren Forderungen unter Druck setzen.

Während der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel in der Nacht auf Montag zu einer Reise in die Golfregion aufbrach, telefonierte US-Präsident Donald Trump mit den Staatschefs von Saudi-Arabien, Abu Dhabi und Katar. Trump habe dabei "Sorge" über den Konflikt geäußert, zugleich aber auch die Bedeutung eines Stopps der Terrorfinanzierung unterstrichen, teilte das Weiße Haus mit.

Saudi-Arabien, Ägypten, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate hatten am 5. Juni ihre diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen und eine Verkehrs- und Handelsblockade gegen den gasreichen Wüstenstaat verhängt hatten. Sie werfen Katar die Unterstützung von Terror-Gruppen vor und hatten Doha mit Frist bis Sonntag um Mitternacht eine Liste mit 13 ultimativen Forderungen vorgelegt. Dieses Ultimatum wurde nun um 48 Stunden verlängert.

Der Golfstaat sei auf die Isolation vorbereitet, erklärte Außenminister Mohammed al-Thani am Wochenende. Die lokalen Börsen stürzten dennoch ab, die Nachbarn drohten mit weiteren Sanktionen. Was bedeutet die weitere Isolation für das kleine Land? Woher kommt der Konflikt, und wird er sich rasch lösen lassen? „Die Presse“ beantwortet die wichtigsten Fragen.

1. Warum haben Saudiarabien, die Arabischen Emirate, Bahrain und Ägypten Katar isoliert?

Ursprung des Konflikts ist ein gefälschter Nachrichtenbeitrag, den Hacker in Katars Staatsfunk platziert haben sollen. Darin kritisierte der Emir des Landes die wachsende Anti-Iran-Stimmung. Kurz zuvor war US-Präsident Donald Trump auf Stippvisite in der Region und stempelte unter dem Beifall der Saudis den Iran zum größten Geldgeber des Terrorismus ab. Saudiarabien beschuldigt nun Katar der Terrorfinanzierung und zu freundlicher Beziehungen zum Iran. Tatsächlich schwelt der Konflikt aber schon deutlich länger und hat eher ökonomische als politische Gründe.

2. Wo liegen die wirtschaftlichen Gründe hinter der Isolation des Emirats?

Der Konflikt hat seinen Ursprung in den 1990er-Jahren, als Katar begonnen hat, seine Erdgasvorkommen zu verflüssigen. Diese Strategie ermöglichte es dem Wüstenstaat, Gas per Schiff an die ganze Welt zu liefern, und machte das Land binnen weniger Jahre zu einer der reichsten Nationen weltweit. Heute ist Katar der größte Exporteur von Flüssigerdgas und deckt 30Prozent des Weltbedarfs. Pipelines zu den benachbarten Ölstaaten, die Erdgas bis dahin wenig Beachtung geschenkt hatten, baute Katar hingegen kaum. So gelang es dem Land, der saudischen Dominanz in der Region zu entkommen und engere Kontakte zu anderen Staaten zu knüpfen. Vor allem zum Iran, dem Erzfeind Saudiarabiens. Mit Teheran teilt sich Katar das größte Erdgasfeld der Welt, dessen gemeinsame Ausbeutung dieser Tage beginnen soll. Saudiarabien und seine Verbündeten hätten schon lang auf eine Gelegenheit gewartet, dem kleinen Emirat die Flügel zu stutzen, sagen Beobachter. Nun sei diese Gelegenheit gekommen.

3. Katar finanziert also keine Terroristen? Gibt es keine Verbindungen zur al-Qaida?

Die Nachbarstaaten beschuldigen Katar, die Terroristennetzwerke al-Qaida, die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) und die ägyptische Muslimbruderschaft, die nur von wenigen als terroristisch eingestuft wird, finanziell zu unterstützen. Tatsächlich haben etliche Katarer Geschäfte mit al-Qaida und ihren Ablegern gemacht beziehungsweise diese mit finanziellen Mitteln unterstützt, sagen US-Vertreter. Zumindest ebenso viel Unterstützung hätten die Extremisten allerdings auch aus Saudiarabien erhalten, heißt es weiter. Das allein reicht als glaubwürdiger Grund für die Isolation also nicht.

4. Was fordert der Block rund um Saudiarabien von Katar?

Die 13 Forderungen umfassen etwa die sofortige Schließung des Fernsehsenders al-Jazeera, ein Zurückfahren der diplomatischen Beziehungen zum Iran, einen strengeren Umgang mit der Muslimbruderschaft und den Abzug einer türkischen Militärbasis im Land. Katar zeigte sich am Wochenende zwar grundsätzlich gesprächsbereit, die Forderungen will das Land aber nicht erfüllen.

5. Wie lang kann der kleine Golfstaat die Isolation überstehen?

Katar ist einer der reichsten Staaten weltweit, der Staatsfonds ist mit einem Vermögen von 335 Milliarden US-Dollar (293 Milliarden Euro) prall gefüllt. Aber das 2,7-Millionen-Einwohner-Land ist stark abhängig von Importen – auch in so sensiblen Bereichen wie der Lebensmittelbranche. Schon in den vergangenen Wochen wurden rund 4000 Kühe per Flugzeug ins Land gebracht. Die Kapazität der Häfen wurde erst kürzlich erweitert, was sowohl den Verkauf von Erdgas als auch den Import von Maschinen und Grundnahrungsmitteln sicherstellen soll. Der Iran und die Türkei haben Katar bereits ihre Unterstützung zugesagt. Langfristig könnte eine Blockade das Land ebenso treffen wie jene Staaten, die es blockieren, sagen Experten. Kredite könnten für die ganze Region, der ohnedies bereits der Verfall der Ölpreise zu schaffen macht, teurer werden.

AUF EINEN BLICK

Das Emirat Katar weigert sich, die Forderungen seiner Nachbarstaaten rund um Saudiarabien zu erfüllen, die den Golfstaat seit Juni isoliert haben. Am heutigen Montag wird ein entsprechendes Ultimatum ungenutzt verstrichen sein, Katar drohen weitere Sanktionen.

Grund für die Isolation ist offiziell der Vorwurf, Katar finanziere den Terrorismus und unterhalte zu enge Beziehungen zum Iran. Doch auch der wirtschaftliche Aufstieg des Landes zum weltgrößten Exporteur von verflüssigtem Erdgas dürfte den Konflikt nähren. Über das Gas konnte sich das Land von der Dominanz der Saudis in der Region lösen und dockte just beim Erzrivalen Iran an.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.07.2017)