Brasiliens Präsident sieht bei einem Gipfel zur Rettung der Amazonas-Wälder die Schuld für die Zerstörung bei den Industriestaaten. Franreichs Präsident Sarkozy nimmt an dem Gipfel teil.
Die Amazonas-Anrainer haben die Industriestaaten aufgefordert, ihre Hilfen für Klimaschutzprogramme in den Entwicklungsländern deutlich aufzustocken. Die reichen Länder müssten dazu zwischen 0,5 und ein Prozent ihres Bruttoinlandsproduktes (BIP) zur Verfügung stellen, hieß es in einer in der Nacht auf Freitag in Manaus verabschiedeten Erklärung. "Die Armen müssen unterstützt werden, ohne dass sie ihre Souveränität aufgeben", betonte Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva zum Abschluss des Amazonas-Anrainer-Gipfels, an dem auch Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy teilnahm.
Lula sah in den "Gringos" die Schuldigen für den Zerstörung des Regenwaldes. "Ich will nicht, dass uns irgendein Gringo auffordert, einen Bewohner des Amazonas vor Hunger unter einem Baum sterben zu lassen", sagte Silva. "Wir wollen (den Wald) erhalten, aber für die Erhaltung sollen sie den Preis zahlen, weil wir unseren Wald nicht so zerstört haben, wie sie ihren vor einem Jahrhundert." Das Wort Gringos wird in Brasilien nicht nur für US-Amerikaner, sondern auch generell für Bewohner der nördlichen Hemisphäre verwendet.
Industriestaaten sollen Entwicklungsländern helfen
Um die Anstrengungen für eine Reduzierung der Treibhausgase zu erhöhen, sei es notwendig, dass die industrielle Welt ihre finanziellen und technologischen Hilfen für die Entwicklungsländer "deutlich und ausreichend" erhöhe, hieß in der Deklaration. "Deshalb bekräftigen wir den Vorschlag der Gruppe 77 und Chinas, wonach die entwickelten Länder zwischen 0,5 und ein Prozent ihres BIP für Klimaschutzmaßnahmen der Entwicklungsländer zur Verfügung stellen." Dies sei entscheidend, um beim UNO-Klimagipfel im Dezember in Kopenhagen ein Ergebnis zu erreichen.
Sarkozy betonte, es sei wichtig, dass jedes Land Vorteile sehe und niemand das Gefühl habe, getäuscht zu werden. An dem Gipfel in Manaus nahmen deutlich weniger Präsidenten als geplant teil. Die Staatsoberhäupter Kolumbiens und Venezuelas, Alvaro Uribe und Hugo Chavez, sagten ihr Kommen kurzfristig ab. Die Hintergründe für die Absagen blieben zunächst unklar, allerdings dürfte die eskalierende Krise zwischen beiden Ländern ein Grund gewesen sein.
Damit waren nur drei der Amazonas-Anrainer mit Präsidenten vertreten. Neben Lula und Sarkozy war auch der Präsident der Republik Guyana, Bharrat Jagdeo, anwesend. Bolivien, Kolumbien, Ecuador, Peru, Surinam und Venezuela ließen sich durch Minister oder hochrangige Beamte vertreten. Sarkozy nahm an dem Treffen teil, weil Frankreich durch das Übersee-Departement Französisch-Guayana eine gemeinsame Grenze mit Brasilien hat, das mit rund 60 Prozent den größten Anteil am Amazonas-Regenwald hat.
(Ag.)