Dubai in Geldnot: Auch US-Börsen sacken ab

Dubai in Geldnot
Dubai in Geldnot(c) EPA (Jorge Ferrari)
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Nachdem das Emirat Dubai seine Gläubiger um Zahlungsaufschub gebeten hat, verliert auch der New Yorker Börse-Index kurz nach Handelsstart 1,8 Prozent. Indes versucht Dubai zu beruhigen.

Die überraschende Bitte um Zahlungsaufschub des Golfstaats Dubai hat die Finanzmärkte weltweit erschüttert. Der amerikanische Aktienindex Dow Jones sackte am Freitag nach Börsenstart in New York um 1,8 Prozent auf 10.272 Zähler ab. Börsianer hatten gespannt auf die Reaktionen der Wall Street gewartet. Am Donnerstag, als die Zahlungsprobleme aus Dubai bekannt wurden, hatten die amerikanischen Börsen nicht darauf reagieren können - sie waren wegen des Feiertags "Thanksgiving" geschlossen.

Die Börsen schlossen wegen des Fenstertages früher - und durchwegs mit Verlusten: Der Dow Jones Industrial Average (DJIA) verlor 1,48 Prozent auf 10 309,92 Punkte. Der marktbreite S&P-500-Index fiel um 1,72 Prozent auf 1091,49 Punkte. An der Technologiebörse Nasdaq sank der Composite Index um 1,73 Prozent auf 2138,44 Punkte. Der Nasdaq 100 schwächte sich um 1,57 Prozent auf 1765,46 Zähler ab.

Verluste am Donnerstag in Europa

Die europäischen Aktienindizes hatten sich am Freitag schon wieder erholt. Die Schuldenkrise im Luxus-Emirat hatte die Börsenkurse auch in Europa zunächst sinken lassen und in Asien sogar auf eine regelrechte Talfahrt geschickt. Die Börse in Tokio schloss mit einem Minus von mehr als drei Prozent und einem Vier-Monats-Tief. Der Hang Seng in Hongkong und der südkoreanische Aktienindex Kospi fielen jeweils sogar um fast fünf Prozent. In Europa beruhigte sich die Lage am Freitag wieder. Der deutsche Leitindex Dax schloss mit 5,685,61, mit einem Plus von 1,27 Prozent. Der ATX erreichte 2.527,17, ein Plus von 0,73 Prozent.

Belastet von den Sorgen um das Emirat fiel der Euro am Freitag aber deutlich unter 1,50 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf rund 1,49 US-Dollar fest, am Donnerstag waren es noch rund 1,51 Dollar. Der Dollar kostete damit etwa 67 Euro-Cent. "Noch herrscht eine gewisse Unsicherheit am Markt, zumal weitere Informationen aus Dubai auch erst kommende Woche zu erwarten sind", sagte Devisenexperte Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus. Die Aktienmärkte hätten den Euro zuletzt gut gestützt. "Man muss nun abwarten, wie lange die Dubai-Unsicherheit vorherrscht", sagte er.

"Die Panik ist wieder ausgebrochen"

Die Anleger in Tokio trennten sich aus Angst vor einer neuen Finanzkrise vor allem von Bankwerten. Besonders unter Druck gerieten auch Exporttitel. "Die Panik ist wieder ausgebrochen", sagte Francis Lun von Fulbright Securities laut "Handelsblatt".

Analysten der Credit Suisse schätzen, dass europäische Banken Kredite für bis zu 40 Milliarden Dollar an Staatsunternehmen aus Dubai ausstehen haben, berichtet "Financial Times Deutschland". Sie müssten ihre Risikovorsorge um fünf Prozent erhöhen, wenn sie die Hälfte davon verloren geben.

Belastungen durch Kreditderivate drohen

Banken, die Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps) für Staatspapiere aus Dubai verkauft haben, würden zusätzliche Belastungen drohen, schreibt das Blatt weiter. Auf Dubai stehen Credit Default Swaps im Wert von 4,4 Milliarden Dollar aus, sagt der Wertpapierabwickler DTCC. Das Volumen dürfte aber größer sein, da der Markt nicht reguliert ist.

Ölpreis sinkt

Auswirkungen hat die Lage in Dubai auch auf den Ölmarkt. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) Rohöl sank an den asiatischen Rohstoffmärkten am Freitag um 3,50 Dollar auf 74,46 Dollar, berichtet "Spiegel Online". "Hauptfaktor für diesen Sturz sind offenbar die Ereignisse in Dubai", sagt Nick Raffan, Ölpreisexperte der Beratungsfirma Fat Prophets in Sydney. "Die Leute bewerten auf einmal ihre Risikobereitschaft neu."

Dubai beruhigt

Der mit etwa 60 Milliarden Dollar (39,8 Milliarden Euro) verschuldete Staatsfonds Dubai World hatte am Mittwoch seine Gläubiger um einen mindestens sechsmonatigen Zahlungsaufschub gebeten und damit die internationalen Finanzmärkte geschockt. Bei den Investoren löste die Nachricht Besorgnis vor einem möglichen Übergreifen der Finanznöte auf andere Golfstaaten aus.

Indes versucht Dubai zu beruhigen. "Wir verstehen die Unruhe der Märkte und besonders der Gläubiger", teilte der Vorsitzende des obersten Haushaltsausschusses des Emirats, Scheich Ahmed bin Said el Maktum am Donnerstag mit. Das Vorgehen sei notwendig gewesen, um "entschieden" gegen die Schuldenlast vorzugehen. Dubai habe eine "nachhaltige" Wirtschaft, die nach einem "Jahrzehnt beispiellosen Wachstums" über große Rücklagen verfüge.

Vor allem islamische Finanzprodukte in Asien fielen am Donnerstag im Schnitt um 15 Prozent. Betroffen von der Bitte um Zahlungsaufschub sind die Kreditgeber des Staatsfonds Dubai World und von dessen Immobilientochter Nakheel. Diese bauen die berühmten Palmeninseln vor der Küste von Dubai, die als Symbol des aufstrebenden Emirats gelten.

(Red.)

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