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E-Motor: Chance und Bedrohung zugleich

Volvo XC 90
Volvo (Symbolbild)REUTERS
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Nun hat auch Volvo seine E-Strategie präsentiert. Das Unternehmen will bis 2025 eine Million Elektrofahrzeuge produzieren. Indes spitzt sich der Konflikt bei Daimler in Stuttgart zu. Die Belegschaft fürchtet um ihre Jobs.

Göteborg/Stuttgart. Der schwedische Autobauer Volvo hat bei seiner Antriebstechnologie eine grundlegende Kehrtwende angekündigt. Volvo will sich in den kommenden Jahren Schritt für Schritt von Fahrzeugen mit reinen Verbrennungsmotoren verabschieden. Von 2019 an werde jedes neue Volvo-Modell einen Elektromotor haben, kündigte der Autobauer am Mittwoch an.

Volvo sprach von einem „neuen Kapitel“ in der Geschichte des Automobils. Die Ankündigung bedeute das Ende des ausschließlich vom Verbrennungsmotor angetriebenen Autos, sagte Volvo-Chef Hakan Samuelsson. In Zukunft werde es bei Volvo keine Autos ohne Elektromotor mehr geben. Modelle mit Verbrennungsmotoren sollen demnach Schritt für Schritt ersetzt werden durch elektrisch angetriebene Fahrzeuge.

Zwischen 2019 und 2021 will Volvo fünf reine E-Autos auf den Markt bringen. Diese Fahrzeuge sollten ergänzt werden durch eine Reihe von Hybrid-Modellen, die per Stecker geladen werden und einen ergänzenden Verbrennungsmotor haben. Samuelsson begründete die Wende mit Kundenwünschen. Immer mehr Kunden fragten nach Elektroautos. Bis 2025 wolle Volvo eine Million Elektrofahrzeuge verkaufen.

Bereits im Mai hatte Samuelsson angekündigt, kein Geld mehr in die Entwicklung neuer Dieselmotoren zu stecken. „Aus heutiger Sicht werden wir keine neue Generation Dieselmotoren mehr entwickeln“, hatte Samuelsson der „FAZ“ gesagt.

 

Streit bei Daimler eskaliert

Auch der deutsche Autokonzern Daimler setzt verstärkt auf den Elektromotor. Doch dies wird nicht überall begrüßt. Vor allem der Betriebsrat beobachtet die Entwicklung mit Argusaugen. Die Angst um die Arbeitsplätze führt nun im Stammwerk Stuttgart-Untertürkheim dazu, dass sich die Belegschaft weigert, Überstunden zu machen. Täglich laufen deshalb Hunderte Autos der Mercedes-E-Klasse weniger vom Band. Nun könnte Daimler im Streit um die Zukunft seiner Elektro-Fertigung auf weitere Produktionseinbußen und abgesagte Arbeitsschichten zusteuern. Gespräche mit dem Betriebsrat brachten bis Dienstag keine Einigung. Für Samstag wurde daher vom Betriebsrat die Genehmigung sämtlicher Überstunden an dem zentralen Standort abgelehnt. Damit drohen neuerlich Ausfälle in der Autofertigung. Nur diesmal will der Betriebsrat auch „produktionsbegleitende Bereiche“ wie Instandhaltung einschließen.

Aus Sicht des Untertürkheimer Betriebsratschefs Wolfgang Nieke reicht das Angebot für die Ansiedlung der E-Mobilität in dem Werk nicht aus. „Wir haben noch immer keine Lösung beim Thema Antriebskomponenten“, sagte er. „Auch das Gerüst dafür steht nicht.“ Weil Daimler keine hinreichenden Zusagen mache, müsse man nun den Druck erhöhen.

Aus dem Konzern hieß es, zum Inhalt der Verhandlungen und möglichen Folgen gebe es keine neuen Details. Zuvor hatte man das Interesse an einer „konstruktiven“ Fortsetzung unterstrichen. Die Gespräche wurden auf die kommende Woche verschoben, der genaue Tag war noch unklar.

Kernpunkt des Konflikts ist die Frage, für welche elektrischen Teile und Baugruppen das Hauptwerk mit rund 19.000 Mitarbeitern künftig zuständig sein soll – und ob sich die Beschäftigten auch außerhalb der Arbeitszeit dafür fortbilden müssen. Bis 2025 peilt die Kernmarke Mercedes-Benz beim Pkw-Absatz einen Elektroanteil von 15 bis 25 Prozent an. (ag.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.07.2017)