Unbeirrbarer Kämpfer„Direktorensuche: Sima, Eder, Hammer“, 24. November
Dass drei Frauen angeblich als führende Kandidatinnen für die Nachfolge von Generaldirektor Lötsch aufgestellt sind, ist ja logisch in Zeiten der „Gleichberechtigung“. Aber dass man schreibt, „der Direktion fehlt eine Außenwirkung und das Haus braucht eine Generalüberholung und Entstaubung“, zeugt von absoluter Unwissenheit! Prof. Lötsch hat mit seinem unbeirrbaren Kampf für eine umweltfreundliche Ökologie sich sicher viele Feinde bei den professionellen Umweltzerstörern gemacht, aber gerade ihm eine fehlende Außenwirkung nachzusagen, ist schon etwas eigenartig.
Das Naturhistorische Museum muss mit relativ geringen Mitteln den Betrieb mit seinen vielfältigen wissenschaftlichen Forschungsaufgaben und den betreuungsintensiven Spitzensammlungen führen.Trotzdem hat die Generaldirektion mit großem persönlichen Einsatz einen Museumsbetrieb auf die Beine gestellt, der das Wiener Naturhistorische Museum im internationalen Ranking unter die besten zehn aller Museen weltweit gestellt hat.
Gerhard Ellert
Präs. der Freunde u. Kuratoriumsmitglied des Naturhistorischen Museums
Initialzündung für Reformen„Der Letzte seiner Art“, Leitartikel von Michael Fleischhacker, 24. November
Um eine Brücke für den Koalitionspartner zu bauen, kandidiert Fischer diesmal neutral und nicht nur für die Sozialdemokratie. Dabei könnte gerade diese Konstellation zu einer innovativen Demokratievereinfachung führen, die ein Schritt in Richtung Verwaltungsreform wäre. Lassen wir doch den Bundespräsidenten durch die Bundesversammlung wie in Deutschland wählen. Wir würden uns immense Wahlkampfkosten ersparen, da die Wiederwahl von Heinz Fischer praktisch gesichert erscheint.
Der vergangene Österreich-Konvent hat bewiesen: Unser aufgeblähter Verwaltungsapparat braucht zur Reform und Verkleinerung einen Aufhänger, sonst sind die Erfolgschancen nicht vorhanden. Eine vereinfachte Bundespräsidentenwahl könnte dafür eine Initialzündung abgeben. Sodann könnten weitere heiße Eisen angegangen werden, um in der öffentlichen Verwaltung einzusparen: Warum nicht in den Bundesrat die Landeshauptleute als die eigentlichen föderativen Machthaber integrieren und die Landtage auf ihre regionalen Befugnisse zurückstutzen, oder die Verwaltungsebene der Bezirke abschaffen? Vielleicht klingt es radikal, aber es wird selten so heiß gegessen wie gekocht.
Dr. Heinz Wimpissinger
3400 Klosterneuburg
„Und 's is alles net wahr?“Vielleicht ist es Ihnen möglich, einem politisch unerfahrenen Pensionisten Nachhilfe in Politik zu geben: Zu Zeiten, als uns Dr.Fischer über seine Pläne noch im Unklaren gelassen hatte, hörten wir aus der ÖVP-Zentrale, dass Dr. Fischer der heimliche Parteichef der SPÖ sei und ihm jede Objektivität fehle. Als Erwin Pröll im Gespräch als Gegenkandidat war, hörten wir, dass sich der amtierende Bundespräsident in der Bevölkerung nur mehr einer Zustimmung von 52 Prozent erfreuen dürfe – so wenig wie noch nie ein anderer zuvor. Nun ist es mir total unverständlich, dass sich unter solchen Umständen kein ernst zu nehmender Gegenkandidat findet! Oder sollen wir die oben angeführten Statements mit Nestroy beantworten „Und 's ist alles net wahr und 's ist alles net wahr“?
Karl Brinskelle
1210 Wien
Transferkonto ja – aber für alle„Das Trampolin darf nicht zur Hängematte verkommen“, 18. November
Nicht für die Arbeitnehmer, sondern für ein hochspekulatives Bank- und Finanzwesen wurden ein Schutzschirm und eine soziale Hängematte gespannt. Um die Steueroase Österreich zu schonen, sollen elf Mrd. Euro Einsparungen bei Gesundheit, Pensionen und Bildung umgesetzt werden, fordert Herr Leitl. Faymann und Hundstorfer schweigen wie immer dazu. Ein kostentransparentes Transferkonto müsste alle Staatssubventionen, also auch Landwirtschaft, Konzerne, Banken- und Finanzwesen sowie am Kapitalmarkt spekulierende Versicherungen, beinhalten. So umfassend ist Transparenz doch nicht gewünscht. Nicht einmal eine SP-angeführte Regierung hat das nötige Rüstzeug, die Hängematte der Reichen nur anzutasten.
Herr Leitl meint auch, Schweden sei ein Vorbild. Ja, das stimmt. Dort wurden die Banken für ihr eklatantes Fehlverhalten radikal zur Verantwortung gezogen und die Vermögenden sind seit jeher solidarischer mit den Bürgern und dem Sozialstaat. Die Menschen fangen viel später zu arbeiten an und darum gehen sie auch später in Pension. Arbeitsplätze sind sozial gestaltet und soziale Grundwerte werden von fast allen hochgehalten und vorgelebt. Unsere Politiker, Banker und Manager könnten sich die skandinavischen Länder als Vorbilder nehmen und deren gelebte Grundwerte übernehmen.
Karl Wurm
4040 Linz
Wessen Geld wird verzockt?„Unterwegs zur Megablase“, 14. November
Die Börsen bewegen sich tatsächlich schon wieder ohne fundamentale Daten in Richtung der unrealistischen Höhen von vor der Krise. Besonders zeichnet sich dabei die Wiener Börse aus: Die Witzfigur ATX ist seit Jahresbeginn um 43% gestiegen, seit dem Tiefstand im März um fast 90%. Sie sind tatsächlich alle noch/wieder da, samt ihren Boni, die Geldakrobaten. Es wäre die Frage zu stellen: Wer zockt hier wohl mit wessen Geld? Könnte es sein, dass die Banken dazu unsere Spareinlagen verwenden – deren Sicherheit wir Steuerzahler uns ja selbst garantiert haben –, könnten es die staatlichen Hilfsgelder sein, samt garantierten Anleihen, oder die von den Notenbanken für die Kreditvergabe geschaffene, fast kostenlose Liquidität? Der massiv gestiegene Wert von Nostro-Beständen ließe doch die Bilanzen viel schöner aussehen, als sie in Wirklichkeit sind, oder?
Es ist nicht zu glauben, dass man da nichts machen kann. Auf die „Ethik“ der Handelnden kann man wohl nicht warten, hier gehört das System geändert. Warum trennt man nicht die Investment- von den klassischen Geschäftsbanken, die Kredite an die Realwirtschaft vergeben, wie es in den USA bis in die Neunzigerjahre üblich war. Dann kann man die Zocker getrost pleitegehen lassen, ohne dass sie das gesamte System gefährden.
DI Rainer Ramskogler
3400 Klosterneuburg
Neoliberale Auswüchse„Wir sind alle zu optimistisch“, 26.11.
Zur Richtigstellung: Die „echten“ Liberalen um A. F. v. Hayek haben sich NIE dafür ausgesprochen, dass der Staat sich aus allem heraushalten soll, haben nie einem „Nachtwächterstaat“ das Wort geredet. Hayek hat immer darauf hingewiesen, dass der höchste Wert der Liberalen, die individuelle Freiheit, nur durch Regeln – die vor allem von der Staatsmacht zu definieren und zu exekutieren sind – zu haben sei. Aber es geht eben um die richtigen Regeln.
Wenn Raidl glaubt, jene angreifen zu müssen, die sagen, der Staat soll sich weitgehend aus der Wirtschaft heraushalten, sollte er bei den Neoliberalen ansetzen. z.B. bei Milton Friedman. Die meisten Unternehmenslenker der letzten 20 Jahre hatten sich einer gefährlichen Irrlehre verschrieben: dem Shareholder Value.
Es wäre Aufgabe des Staates gewesen, den neoliberalen Auswüchsen mit wirksamen Methoden entgegenzutreten. Leider war festzustellen, dass sich Politik, politiknahe Manager und ähnliche Gesellschaftsgruppen mit den kurzfristig hohen Gewinnen der Wertsteigerungsideologie gut angefreundet haben. Jetzt, nachdem die Auswirkungen ihres Handelns sichtbar werden, mutieren plötzlich auch Konservative zu Keynesianern. Wohl nicht, weil sie an die Lehren von Keynes glauben, sondern weil das Chaos, das ihr Handeln in der Weltwirtschaft angerichtet hat, nicht von ihnen selbst verantwortet werden soll, sondern von der Allgemeinheit, den Steuerzahlern.
Wer die kurzfristigen Vorteile annimmt, sollte auch bereit sein, die Nachteile zu verantworten, Herr Raidl.
Mag. Paul Slamanig
8010 Graz
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.11.2009)