Die abendlich angesetzte Pressekonferenz zum angeblichen IS-Hintergrund eines Doppelmordes zeigt, wie ein Minister ein Thema forciert.
Wolfgang Sobotka hat eine Vorliebe für späte Termine. Am Mittwoch bat er zur Pressekonferenz um 19.45 Uhr, um Erkenntnisse zum Doppelmord in Linz zu präsentieren. Und verkündete, dass es einen IS-Hintergrund zur Tat gebe. So wie er auch am 20. Jänner bei einem kurzfristig angesetzten Termin die Festnahme eines Terrorverdächtigen bekannt gegeben hatte: des 17-jährigen Lorenz K., der einen Anschlag geplant haben soll. Oder am 26. Jänner, als er um 18 Uhr zu Antiterroreinsätzen in Wien und Graz ins Ministerium lud.
Allzu viele Details erfährt man bei diesen Terminen freilich nicht. Wie die Kontakte zum IS rund um den Doppelmord in Linz ausgesehen haben, wird nicht verraten. Aus „ermittlungstaktischen Gründen“. Aber wie das Amen im Gebet kommt im Windschatten derartiger Veranstaltungen die Forderung nach mehr Überwachung und Kompetenzen für die Sicherheitsbehörden. Und man geht, weil um diese Uhrzeit kaum mehr aufwendig nachrecherchiert werden kann, mit einem Gefühl der Verunsicherung ins Bett. Ein Gefühl, das bleibt, selbst wenn der Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit am nächsten Tag vorsichtig vor voreiligen Schlüssen warnt.