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Leopold-Museum: Jan Fabre auf des Käfers Flügeln

(c) Leopold Museum/Lisa Rastl
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Eine kleine Ausstellung widmet sich den Performances des Künstlers.

Sein Werk, meinte Jan Fabre bei der Präsentation seiner Ausstellung im Wiener Leopold-Museum, ähnle einem Schmetterling. Der Flügel links sei die bildende Kunst, der Flügel rechts Performance bzw. Theater. Aber der Körper, der die beiden Flügel zusammenhalte, ohne die beides nicht denkbar wäre, das seien Ausstellungen wie diese. Nun ja, das ist wohl etwas zu hoch gesprochen, aber immerhin: Die vom italienischen Kunsthistoriker Germano Celant kuratierte Schau gibt in zwei Sälen und mithilfe von Videos, Fotos, Skizzen, Kostümen und Objekten einen Überblick über die Entwicklung Jan Fabres – und die Konstanten seines Werks: Das verletzliche, verletzende Ich, das lockende Geld, der simple blaue Kugelschreiber und nicht zuletzt – die Insekten. Jan Fabre ist ein Nachfahre des berühmten Insektenforschers Jean-Henri Fabre, und die schönsten Artefakte in dieser Ausstellung gelten ihnen. Da wären etwa die Käfer. In einer Vitrine sind diese frühen Objekte ausgestellt, halb Werkzeug, halb Tier. Da zieht ein Käfer einen Badezimmerstöpsel nach, aus dem Unterleib eines anderen wächst ein Bieröffner, der dritte trägt einen Rasierpinsel statt eines Kopfes: Gruselig-komisch ist das, wie auch später die diversen Kostüme für Fabres Aktionen: etwa die Ritterrüstung mit Insektenfühlern.

 

Mensch oder Tier oder Stein?

Mensch und Tier, das vermischt sich auch auf anderen Ebenen. In vier Gefäßen werden uns Korallen präsentiert, in eine Flüssigkeit eingelegt, als seien es präparierte Gehirne. Jedes Gefäß ist beschriftet: Einstein, Gertrude Stein, Wittgenstein, Frankenstein. Was nun: Stein oder Mensch oder Tier oder gar Fantasiegestalt? Gehirn oder Koralle? Das Einzige, was sicher ist: Was wir hier sehen, lebt nicht mehr, ist zur Schau gestellt. Die Frage, was mit einem Objekt passiert, wenn es uns vorgeführt wird, gehört zu Jan Fabres Werk immer dazu.

Ergänzt wird die Schau durch zahlreiche Fotos und Videoaufnahmen von Performances aus 40 Jahren – darunter auch jene, in der Jan Fabre in einem Fleisch-Kostüm auftritt. Wer nicht auf diese Aufnahmen allein angewiesen sein möchte, hat am 13. Juli die Möglichkeit, Jan Fabre live zu erleben: Das Solo, eine Uraufführung, läuft unter dem Titel „I am a Mistake“.

„Stigmata – Actions & Performances“, Leopold-Museum, bis 27. August.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.07.2017)