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„Ich habe einfach angefangen“

Eleanor Coppola stand immer im Schatten ihres Mannes Francis Ford Coppola – mit 80 Jahren hat sie nun ihren ersten eigenen Spielfilm gedreht.
Eleanor Coppola stand immer im Schatten ihres Mannes Francis Ford Coppola – mit 80 Jahren hat sie nun ihren ersten eigenen Spielfilm gedreht.(c) imago/Cronos (Cronos/Izumi Hasegawa)
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Im Alter von 80 Jahren präsentiert Eleanor Coppola, Ehefrau von Regielegende Francis Ford Coppola, ihr Spielfilm-Debüt: „Paris kann warten“, eine genussvoll melancholische Südfrankreich-Romanze mit Diane Lane in der Hauptrolle.

Insgesamt vier Filme habe ich mit Francis Ford Coppola gedreht“, erzählt Diane Lane. „Dadurch haben wir natürlich viel Zeit miteinander verbracht. Aber Eleanor habe ich damals trotzdem nur flüchtig kennengelernt. Sie war immer im Hintergrund, bei den Kindern.“ Zum Glück hat sich das jetzt geändert: In Eleanor Coppolas Spielfilm-Erstling „Paris kann warten“ spielt Diane die Ehefrau eines gestressten Filmproduzenten (Alec Baldwin), die umständehalber mit dessen französischem Kollegen (Arnaud Viard) im Auto die gut 900 km von Cannes nach Paris fährt. Und weil der ein typisch französischer Genussmensch ist, wird die Autofahrt zur tagelangen Genussreise durch die traumhafte Landschaft.

Dass Eleanor Coppola eine äußerst talentierte Filmemacherin ist, weiß die Welt spätestens seit ihrer mehrfach ausgezeichneten Doku „Reise ins Herz der Finsternis“ über den Dreh von Francis Fords „Apocalypse Now“. Warum sie sich endlich dazu entschlossen hat, ganz aus dem Schatten ihres berühmten Ehemanns zu treten, erzählt sie im Interview.

Wir haben schon mit sehr vielen Regisseuren gesprochen, aber noch nie mit jemandem, die sich mit 80 Jahren darüber gewagt hat, ihren ersten Spielfilm zu drehen. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Eleanor Coppola: Ich glaube, ich habe nun endlich das Alter erreicht, in dem ich mir das zugetraut habe. Bei manchen kommt das früher, bei manchen eben später – ich muss sagen, ich war aber selber ein bisschen überrascht von mir. Als erstes habe ich das Drehbuch geschrieben, das war für mich ja auch eine Premiere. Aber eines Tages habe ich mir gedacht: „Ich möchte ein Drehbuch schreiben!“ Dann habe ich mir so ein Scriptwriting-Computerprogramm zugelegt und habe einfach damit angefangen.

 

War Ihnen immer schon klar, dass Sie auch selber Regie führen werden?

Nein, ich habe lange vergebens nach einem passenden Regisseur gesucht, der vor allem die visuelle Ästhetik so umsetzen würde wie ich mir das vorgestellt habe. Und eines morgens beim Frühstück sagte dann mein Mann zu mir: „Ich finde, du solltest selber die Regie machen!“ Das hat mich ziemlich überrascht, dass ausgerechnet er das sagt. Aber dann dachte ich „Warum nicht?“ Ich machte einen Regiekurs und nahm Schauspielstunden, um mich vorzubereiten.

 

Was war denn die größte Herausforderung bei diesem Projekt?

Das Geld zusammenzubekommen. Das ist ein bisschen ein Teufelskreis: Man bringt die Finanzierung nicht zusammen, wenn man keine entsprechenden Schauspieler an Bord hat, und man bekommt die Schauspieler nicht, ohne dass man Geld zur Verfügung hat. Es hat insgesamt sechs Jahre gebraucht, bis ich zu drehen beginnen konnte.

 

Hat denn der Name Coppola da gar nichts gebracht?

Nicht wirklich. Die Leute, die genug Geld haben, um es in Filme zu investieren, sind meist an anderen Dingen interessiert als das, was ich ihnen versprechen konnte. In meinem Film gibt es keine Kampfszenen, keine Roboter, keine Autoverfolgungsjagden, kein Zugunglück. Niemand stirbt – es wird nicht einmal jemand entführt. Das ist heutzutage schwer zu vermarkten, da ändert ein Familienname nichts daran.

 

Aber Liebe, Romantik, großartiges Essen – lässt sich dieser Stoff denn heute wirklich nicht mehr verkaufen?

Das Geld liegt in der Regel in der Hand von Männern, und zwar Männern von der Art, die sich nicht sehr für diese Themen interessieren. Die investieren lieber in etwas, was sie selber sehen wollen. Dabei glaube ich, dass es eine große weibliche Zielgruppe gibt, die wirklich unterversorgt ist. Hoffentlich ist mein Film das Richtige für diese Menschen.

 

Dass die Geschichte auch autobiografische Züge trägt, ist klar – aber welche Szenen im Film basieren denn auf ganz konkreten Erlebnissen?

Ich bin tatsächlich einmal mit einem französischen Geschäftspartner meines Mannes im Auto von Cannes nach Paris mitgefahren, weil Francis dringend irgendwohin wegfliegen musste. Und ich fand, dass das doch ein schöner Aufhänger für eine Filmgeschichte wäre. Allerdings habe ich durchaus auch einiges dazuerfunden: Die beiden sind etwas jünger und viel romantischer, und so viele Zwischenstopps gab es auch nicht. Aber was mich damals so bewegt hat, war, wie viel es mit einem macht, wenn man einmal aus dem gewohnten, geplanten Leben aussteigt und etwas ganz Unerwartetes und Angenehmes macht. Wir sind alle so verwoben in das, was wir täglich glauben, tun zu müssen – E-Mails, Medien, das ganze Zeug um uns herum. Wir versuchen verzweifelt, unserem Terminplan zu folgen und alles Wichtige unterzubringen. Und wenn dann einmal etwas Ungeplantes passiert, wenn man gezwungen ist, einmal Pause zu machen und vielleicht ein Glas Wein zu trinken, wenn man den Moment genießen kann, dann ist das etwas Wunderbares. Genießen ist doch etwas sehr Wichtiges.

 

Hat Francis Ford Ihnen für das Projekt Hilfe angeboten?

Am Anfang war mein Mann ehrlich gesagt nicht besonders ermutigend. Er hat nicht gedacht, dass ich das jemals auf die Beine bringen würde und er wollte nicht, dass mir das das Herz bricht. Aber als es dann doch was wurde, hat er mir bei einigen organisatorischen Problemen schon sehr geholfen. Künstlerisch hat er bei dem Projekt aber nicht mitgeredet.

 

Und ihre Kinder? Sofia und Roman sind ja selber beide Filmemacher.

Von Roman kamen einige sehr gute Ideen. Und Sofia – die ist so beschäftigt mit ihrem eigenen Leben und ihren eigenen Filmen, sie hat nicht viel mehr gesagt als: „Ja, toll, Mama.“ Aber als sie dann den fertigen Film gesehen hat, hat sie es gar nicht fassen können. „Mama, du hast es geschafft, du hast tatsächlich einen Film gedreht!” Unsere Kinder sehen uns ja meist nur als Eltern, sie ahnen gar nicht, dass sich dahinter richtige Menschen verbergen, die Dinge schaffen und Träume haben.

 

In Ihrem Film geht es um eine Frau, die ihre eigenen Träume für die Karriere ihres Mannes hintangehalten hat – wie Sie selbst ja auch. Freuen Sie sich, wenn Sie sehen, dass Ihre Tochter ihren eigenen Weg geht?

Ja, natürlich. Ich komme ja aus einer ganz anderen Zeit und auch einer anderen Kultur. Sie hat eine eigene Karriere, genau wie ihr Ehemann. Ich habe ihr immer gesagt, dass, wenn sie Beruf und Familie haben will, das Wichtigste ist, die bestmögliche Kinderbetreuung zu haben. Wenn man weiß, dass die Kinder gut betreut sind, dann kann man unbesorgt arbeiten. Ich komme aus einer Generation, wo man sich als Mutter selbstverständlich um die eigenen Kinder kümmerte – hätte man das nicht getan, hätten einen die anderen Leute für verrückt gehalten. Obwohl das ja absurd ist. Gut betreute Kinder sind gut betreute Kinder. Aber ich hatte die Perspektive damals einfach nicht. Manchmal tut es mir ein wenig leid, dass ich nie Gelegenheit hatte, das alles zu tun, was ich wirklich gerne verwirklicht hätte.

 

Werden Sie noch einen Spielfilm drehen?

Ich habe gerade zwei Kurzfilme gemacht, das macht mir sehr großen Spaß – vielleicht drehe ich noch ein paar, und stelle sie zu einem Episodenfilm zusammen, sehen wir mal. Aber ich mag nicht noch einmal sechs Jahre für die Finanzierung eines Langfilms aufwenden. In meinem Alter ist das vielleicht nicht die beste Idee.

Steckbrief

Eleanor Coppola (geb. 1936) wurde vor allem als Dokumentarfilmerin durch den Streifen „Hearts of Darkness: A Filmmaker's Apocalypse“ bekannt. In diesem Film arbeitete sie 1991 die Produktion zu „Apocalypse Now“ auf – den Vietnam-Film ihres Mannes Francis Ford Coppola aus dem Jahr 1979.

Spielfilm: Im Alter von 80 Jahren führte sie erstmals Regie bei einem Spielfilm. „Paris kann warten“ dreht sich um einen Roadtrip quer durch Frankreich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.07.2017)